02.07.2010 (k) Körka – Mariehamn: Fähre, 30 km

Zwischen den Stühlen sitzen wir gerade: wir sind nicht in Finnland und nicht in Schweden. Aland ist eine autonome Provinz Finnlands, in der schwedisch gesprochen wird. Das knapp 27000 Einwohner zählende Archipel wurde 1921 durch Entscheidung des Völkerbunds als entmilitarisierte  Zone Finnlands unter der Bedingung zugesprochen, dass die Einwohner ihre schwedische Sprache und Kultur weiterhin pflegen dürfen und ein Selbstbestimmungsrecht die innere Autonomie sichert. Kurz vor neun kommt die Fähre nach Langnäs angefetzt und wir schippern knapp vier Stunden durch den Eingang des Bottnischen Meerbusens zur Hauptinselgruppe. Alle Straßen und Wege in Aland sind rot – verursacht durch den roten Granit, der hier die Hügel formt. Dieses Rot bildet mit dem Grün der Bäume und dem Blau des Himmels eine fantastische Harmonie fürs Auge! Mit Rückenwind düsen wir geschwind die gut 30 Kilometer bis zur einzigen richtigen und damit auch Hauptstadt Alands, Mariehamn. Unterwegs passieren wir vorwiegend Agrarland (Zuckerrüben, Kartoffeln, Zwiebeln, Gerste, Hafer, Weizen, Milchproduktion), das sich aber hervorragend in das Inselbild einpasst. Die Bauernhöfe sehen in Finnland und auch hier aus, als wären sie ein modernes Museum. Nichts deutet auf harte, bäuerliche Arbeit hin, kein Schrott, keine Geräte, kein Dreckhaufen liegt herum. Alles ist ansehnlich herausgeputzt. Das Hauptstädtchen liegt so ruhig da, wie die meisten, die wir bisher in Finnland durchquert haben. Lediglich im innersten Zentrum in der Fußgängerzone zeigen sich ein paar Touristen auf den Stühlen der Pizzerien und Cafés. Wir streben zuerst den Supermarkt und dann den Campingplatz an. Dieser liegt unweit des Zentrums am Ende eines öffentlichen Parks am städtischen Badestrand. Wir errichten schnell unsere Festungen und holen uns mit einer großen Portion Tomoz Italiens Sommergefühl in den hohen Norden. Allgemeines Faulenzen bestimmt den Rest des Tages, bevor es ein typisches Weihnachtsessen gibt: Bratwürste mit Kartoffelsalat. Ein bisschen Viertelfinale bekommen wir noch zu sehen, ehe die gestresste junge Campingbardame den Laden um 23 Uhr schließt, weil sie ihn schon um 7 wieder aufmachen muss. Hätte auch noch lange gedauert, bis Ghanas Drama am Ende der Verlängerung zu sehen gewesen wäre. Stattdessen genießen wir noch den hellen, lauen Abend und anschließend eine Mütze Schlaf.