27.09.2009 (m) – Xining – Ping’an: 30km, 100Hm

Jetzt ist es also passiert. Wir haben „Western Food“ gegessen. Gestern Abend war mein Magen noch nicht wieder in der Lage, chinesisches Essen aufzunehmen. Und so traf es sich gut, dass in unserem Hotel (Xining Mansion) ein kleines „Western Restaurant“ integriert war. Pizza Margaritha, Club Sandwich, Kürbissuppe und Nudeln (echte Spaghetti!) mit Rindfleisch haben das Verdauungssystem wieder an die Normalität herangeführt. Die gesamte Crew war sehr aufgeregt und leicht hektisch, sie wollten wohl nichts falsch machen, wenn schon echte Westler bedient werden sollen. Und, man muss sagen, Lob an die Küche, war doch allessamt sehr authentisch.

Um auch dem Körper die nötige Zeit zu geben, wieder kräftig zu werden, ist die heutige Etappe mit nur 35km als äußerst human einzustufen, zumal wir weiter dem Huang Shui flussabwärts in Richtung Lanzhou folgen. Allerdings nur bis Ping’An. Ab hier führt unser Weg über den Laji Shan nach Süden – aber erst morgen. So schlafen wir nochmal ein wenig aus und genießen das leckere Hotelbuffet (mit Toast und Marmelade ;-)).

Wir folgen der Hauptstraße, die direkt an unserem Hotel vorbeiführt und die uns ohne Umwege aus der Stadt leitet. Es gibt noch Fahrradwege und so rollen wir zügig bergab. Die Hektik wird weniger, der Verkehr nimmt ab, die Besiedelung wird dünner und nach und nach verschwindet Xining aus unseren Rückspiegeln. Dank der Autobahn, die immer parallel verläuft, ist die Belastung durch LKWs und Busse eher gering. Wir fühlen uns wieder ganz fit und sind nach schnellen eineinhalb Stunden in Ping’An. Ab hier steigt die Straße aber stetig von 2100 auf 3250m an. Obwohl es erst Mittag ist, trauen wir uns das für heute nicht mehr zu, zumal sich über den Bergen dicke Quellwolken zusammenbrauen. Genau am Abzweig zum Pass liegt zudem ein Hotel (Jiaxing), das einen sehr ordentlichen Eindruck macht. Katrin geht gewohnt sicher die Rahmenbedingungen abstecken und keine 15 Minuten später haben wir das beste Zimmer der bisherigen Reise. Es ist uns fast schon peinlich, die gut 30m² zu beziehen, und das für gut 15 Euro. Wir verbringen den Nachmittag mit Lesen und Kraft tanken, ehe wir auf eine Radrunde durch die Stadt starten. Städtebaulich ist wie gewohnt nichts zu holen, doch wieder einmal faszinieren die Menschen, die kleinen Werkstätten, das einfache Leben auf der Straße. Alle sind so fleißig, so wuselig und dabei so unglaublich freundlich. Der Blick hinter die Fassade bleibt uns natürlich wie immer verwehrt. Klar ist aber, nach allem, was wir auch über China gelesen haben, dass die für uns so „romantische“ Idylle einen knallharten Alltag für viele dieser Menschen, einfache Arbeiter, bereithält.

Das Abendessen nehmen wir in sehr freundlicher Atmosphäre in einem kleinen muslimischen Lokal ein. Man freut sich, uns bewirten zu dürfen und die obligatorischen Handyfotos mit uns sind und natürlich eine Ehre.

27Sep2009