8.07.2010 (k) Eskilstuna – Läppe: 60 km, 330 Hm

Wahrscheinlich sehr zur Freude unserer Nachbarn packen wir in der Früh unsere Siebensachen und brechen zum nächsten Ziel auf. Am Hjälmaren – einem der fünf größten Seen Schwedens – wollen wir heute übernachten. Der Weg dorthin ist nicht so spektakulär wie gestern. Wir folgen lange Zeit der mittelgroßen Straße 214. Sie führt vorwiegend durch Agrarlandschaft. Doch selbst diese ist nicht unansehnlich: die riesigen, jungen Weizenfelder strahlen in einem undefinierbaren Hellgrün. Oft sind mitten im Feld kleine Inseln aus Steinen mit Bäumen darauf. Es sieht aus, als stünden sie in einem grünen See. Zwischendrin gibt es leuchtend gelbe Rapsfelder oder blau strahlende Kornblumenteppiche. Das skandinavische Licht, die bunten Holzhäuschen dazwischen – schon schön! Als wir uns dem Hjälmaren annähen wird es noch interessanter. Die Mischung aus ruhiger Straße, Wald und See hat schon einen besonderen Reiz. Im Weiler Läppe steuern wir auf den ersten Camping am See. Später stellen wir fest, dass es direkt angrenzend noch einen gibt, aber wahrscheinlich ist der Unterschied nicht groß. Auf unserem Camping steht jedenfalls eine große Kirche. Viele Familien mit Kindern sind da, aber wir sehen auch extrem viele sehr alte Leute. Vielleicht liegt das daran, dass diese gern Kaffee trinken, und der Camping eine Kaffeestuga mit Seeblick hat. Ebenfalls herrlich ein paar Meter über dem See gelegen ist die Lagerfeuerstelle und das entspricht uns sehr, denn wir haben einige Packungen Grillwürste im Gepäck, die es zu bräunen gilt. Dazu werden endlich einmal alle Nudelreste zu einem Salat verarbeitet und die restlichen Kartoffeln gegrillt. Als wir gerade unser Essen vorbereiten, ertönt ein Glöckchen und aus allen Richtungen des Platzes strömen die Schäflein zur Kirche. Wo sind wir den hier gelandet, fragen wir uns. Auch die Kinder unterbrechen ihr Fußballspiel und laufen zum Beten. Neben dem Feuerplatz, wo wir etwas später unsere Wurstvariationen auf von Matze kunstvoll geschnitzten Stecken über die Glut halten, steht ein selbst gemachtes Holzkreuz. Nach der Kirche tollen 12 Engel mit goldgelbem Haar und ein schwarzes Mädchen (von einer sechsköpfigen Familie) neben uns in der Wiese herum. Als die Mütter kommen, versammeln sich alle noch für eine halbe Stunde auf einer Platform neben dem Kreuz, lauschen andächtig den Erzählungen einer Mami, halten sich schweigend lange an den Händen. Oben am Hang liest der schwarze Papa in der Bibel, den Säugling auf dem Schoß. Sehr harmonisch, diese „Läppe-Sekte“ – aber da uns niemand missionieren will, bleiben wir bei Würsten und Bier ganz auf dem Boden und genießen das Naturschauspiel See. Matze macht mit Uli noch ein Yoga-Fotoshooting: mach mir den Baum auf einem wackeligen Steg im See! Dann versucht er sich noch im Angeln, doch der Fischgott hat hier trotz Kirche und Kreuz noch nicht angelandet. Zum Trost gibt es eben ein großes hausgemachtes Eis für alle. Und während die goldenen Engel noch bis spät in die Nacht hinein fangen spielen, liegen wir Alten schon zeitig im Zelt. Zwei schlafen und zwei schauen noch die Aso-Komödie (übrigens ein Filmgenre!) “Neulich in Belgien“, die sich sonst wegen abgelaufener iTunes-Leihdauer in wenigen Stunden selbst zerstört hätte.