15.07.2010 (k) Ransäter – Sunne: 35 km, 430 Hm

Matze hat ja noch diese Fiskekort von gestern. In unserem Prospekt gibt es zwei kleine Seen in der Nähe, die der Gemeinde gehören und in denen er auch seinen Blinker tanzen lassen darf. Molle hat gestern Abend schon einen Route gebaut, die uns auf dem Weg nach Sunne an den Seen vorbeiführt. Auf Schotterstraßen geht es 10 km vorwiegend bergan, denn die Seen liegen in einem Wander- und Naturpark. Es gibt zwar keine offizielle Verbindung der Schotterstraßen, doch wir haben uns erkundigt, man käme mit den Rädern problemlos durch. Recht haben sie, die Schweden, wir müssen am Ende der Sackgasse gerade mal über eine kleine Holzbrücke und 50 m Weg schieben, dann können wir wieder treten. Kurz nach der „Abenteuerstelle“ erscheint rechterhand „Matzes“ See. Er wirft sich bzw. die Angel ins Zeug, steht geduldig am Steg, watet eine Dreiviertelstunde durch knietiefen Sumpf, um seine Position zu verändern, späht wie ein Adler und verliert sogar einen Blinker. Vergebens. Nur zwei kleine Barsche, die keiner will, haben den Blinker attraktiv gefunden. Doch sie haben nicht die Ehre erhalten, gegrillt zu werden, zu klein, zu viele Gräten – sie müssen weiterbarscheln. Der Angler schlüpft wieder in die Rolle des Radlers und die Karawane, die sich mit Fotografieren und Tagebuch schreiben vergnügt hat, zieht weiter. Eine lange Abfahrt spuckt uns an ihrem Ende wieder unvermittelt auf die Hauptstraße. Auf der geht es dann zwanzig Kilometer bis nach Sunne, wo wir für heute und den ganzen nächsten Tag einkaufen. Als wir zu dritt mit fünf gut gefüllten Taschen und Tüten aus dem Supermarkt herauspurzeln, steht Uli bereits in leichtem Regen. Das war abzusehen, so schwarz wie es die letzte Stunde geworden war. Wir stellen uns unters seitliche Vordach der Fastfoodkette Sybilla und verdrücken unsere Mittagsleckereien. Gott sei Dank betrachten wir erst danach die stopfende Klientel vor ihren Fettbergen genauer, sonst wäre uns der Appetit wahrscheinlich vergangen. Als der Regen stärker wird und länger nicht aufhört, recherchieren wir nach einem Campingplatz in der Nähe und stoßen auf den nur knapp zwei Kilometer entfernten Platz beim „Vattenpark“, einem Freibadkomplex. Eine Regenlücke nutzen wir zum Aufbruch. Gerade als wir an der Rezeption ankommen, nimmt die Schauerstärke wieder zu. Gut gemacht. Beim Platz können wir jetzt nicht wählerisch sein, wir wollen hier bleiben, doch es ist schon erstaunlich, welch hässliche Campingplätze es auch geben kann. Die Zugstrecke trennt den Platz in zwei Hälften. Fast jeder Stellplatz ist mit einem Wohnwagen oder einem Camper oder einem Dauercamper besetzt. Klar, es ist Ferienzeit, aber gerade dann würde es mir niemals einfallen, mit meiner Familie hierher zu kommen. Nicht einmal der Seezugang ist attraktiv. Aber der See ist bis weit hinaus sehr flach und mit einem Sandstrand versehen. Wohl neben dem Vattenpark noch ein Argument für Familien, denn von denen finden sich hier außerordentlich viele. Wir ergattern noch einen Stellplatz neben den Müllcontainern, doch das stört nicht wirklich. Ein paar Schauer hindern uns eine Weile am Zeltaufbau und wir fragen uns, „wo ist die Sunne?“. Name scheint hier wohl nicht Programm zu sein! Irgendwann kommt sie dann doch wieder zum Vorschein, wir können uns trocken einrichten und alle Dinge trocknen. Ich habe Glück, denn ich werde auch gleich ein paar zugeladene Kilos zum Abendessen los. Es gibt frische Tagliatelle mit Schweinegeschnetzeltem in Pilz-Erbsen-Rahm. Sunne hin oder her – Hauptsache die Küche stimmt! Dann sind ja alle zufrieden.