06.08.2011 (m) – Besuchstag Plitivcer Seen

Wenn man jahrelang eine Vorstellung in sich trägt, die dann auch noch aus der (verklärten) Kindheit stammt und man diese Vorstellung dann überprüfen will, dann, ja dann, kann das eigentlich nur schief gehen. Aber von Anfang an:
Ein strahlend blauer Himmel begleitet unser Frühstück. Während wir unsere Hörnchen mit Marmelade, Milch und Joghurt verdrücken, schlappt schon eine nicht unbedeutende Menge Menschen in Richtung der Information. Schnell merken wir, dass sich hier die Bleichgesichter einfinden, die die berühmten Plitvicer Seen, bekannt aus den legendären Winnetou-Filmen, besichtigen wollen. Mehrere Shuttle-Busse karren die Interessierten zum Parkeingang. Na, das ersparen wir uns. WIr haben schließlich Fahrräder. Wir lassen es also gemütlich angehen, und fahren, begleitet von der nun schon ziemlich heftig “knallenden” Sonne bergan. Ein Stopp am Supermarkt versorgt uns mit den nötigen Reserven für einen langen Besichtigungstag.
Die recht schweißtreibende Auffahrt zum “Upper Lake” wird durch die Blechkolonnen nicht gerade vereinfacht. Gut 200 Höhenmeter sind auf 8 Kilometer bis zum “Eingang 2” zurückzulegen. Dort angelangt trifft uns schier der Schlag, obwohl es das nicht sollte, reisen wir doch Mitten im August, der Hauptreisezeit. Dennoch, mit einem solchen Andrang hatten wir nicht gerechnet. Menschenmassen drängen sich um einen Hamburgerstand, an Parkschein-Kassen, an Getränkeständen, an Toiletten und an der Eintrittskarten-Kasse. Moment, nur eine Kasse? Schier endlos scheint die Schlange, die weit bis auf den Parkplatz reicht. Flexibilität zählt aber offenbar nicht zur Stärke der Sandalen-Fraktion, denn zwei weitere Kassenhäuschen existieren und sind fast leer. Wir freuen uns ob der geringen Auffassungsgabe der anderen und erstehen die 17€-pro-Nase-Tickets dort. Ein saftiger Preis. Aber, wer Winnetous Revier sehen will, der muss eben bluten – versteh’ ich ja.
Leider lässt der erste See noch auf sich warten, müssen erstmal noch endlos erscheinende Strecken abgeplattet werden, bis man in den Park Eingang findet. Die nächste Schlange findet man dann bereits am ersten Fähr-Boot, das einen ca. 70m breiten See überwinden hilft. Äußerst praktisch. Jedweder Versuch aus der Reihe zu tanzen (ich wollte doch eigentlich nur stehen statt sitzen), wird von den streng blickenden Fährmännern mit grimmigem Blick geblockt. Auf der anderen Seeseite werden die 50 Mann ausgespuckt, die sich augenblicklich auf die Holzpfade stürzen, die den Park durchziehen. Breit sind diese nicht (ca. 1,20m) und so kann man kaum stehen bleiben, um mal ein Bild zu machen, denn die Masse schiebt unbarmherzig nach. Und wer zu lange wartet, den bestraft die nächste 50-Mann-Ladung. Und so wälzt sich ein klickender, filmender, lärmender Menschenwurm, mal oben ohne, mal nicht, durch den Park. Zahlreiche kleine und größere Seen in türkisen, dunkel – und hellblauen Farbtönen liegen auf verschiedenen Ebenen und sind durch mehr oder minder größere (und dementsprechend beeindruckende) Wasserfälle miteinander verbunden. So weit, so schön. Die Touristenmassen – zu denen wir ja auch gehören – machen das Naturerlebnis aber mehr oder minder kaputt. Dazu kommt, dass das ganze Areal sich nicht mit meinen “Schatz im Silbersee”-Fantasien deckt und so lasse ich mich bald erschöpft im Schatten nieder, während die anderen drei noch den großen See umrunden. Zum Picknick treffen wir uns wieder und beschließen, noch das kostenlose Boot über den größten der Seen zu nehmen, um zum “Big Waterfall” zu gelangen. Diese Idee haben aber noch gefühlte 3 Mio. anderer Leute und so lassen wir es gut sein. Der Weg zurück zu den Bikes ist bei 30° C ohnehin anstrengend genug. Glücklich, wieder auf den Rädern zu sitzen, flitzen wir im Abendlicht hinunter ins Tal zum Campinglatz. Wir decken uns noch fürstlich für’s Abendessen ein und sitzen bei Bier und Gemüserisotto in unserer kleinen “Senke”, wo wir uns später, wie die Indianer, im Mondlicht unterhalten und Heldentaten planen. Nämlich die, morgen den ganzen Pass, den wir gestern hinuntergefahren sind, morgen wieder hochzufahren. Wir wollen Nebenstraßen, koste es was es wolle – notfalls auch Höhenmeter.