30.07.2010 (k) Pausetag in Bergen

„Das Tor zu den Fjorden Norwegens“ – wie Bergen in der Touristenbroschüre genannt wird, ist heute geschlossen. Insofern, dass die Wolken tief hängen und immer wieder Regen ablassen, sodass man nichts sieht, schon gar nicht Fjorde oder Berge. Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir nicht mehr mit unseren Freunden Uli und Matze unterwegs sind – da weint sogar der Himmel. Wir hören nachts und am frühen Morgen schon das Klopfen auf dem Zeltdach und haben es daher nicht eilig, in die Stadt zu kommen. Wir schlafen mal so richtig bis halb zehn aus. Mittlerweile hat der Regen eine Pause eingelegt und wir können trocken in den Bus ins Zentrum hüpfen. Ein Spaziergang durch die Innenstadt führt uns zuerst in die Domkirche, die „eine lange und turbulente Geschichte“ hat. Die erste Fassung wurde 1150 aus Stein erbaut, brannte aber wie das im Mittelalter oft so war, hin und wieder ab und wurde erneuert. Lange Zeit war sie Franziskanerkirche und daher bekanntermaßen schlicht. Diese Nüchternheit und Schmucklosigkeit – im positiven Sinne – prägt sie bis heute. Die kleinen Häuser aus Holz, die überall kreuz und quer und die Hänge hinauf stehen, prägen das Bild der Altstadt. Es hat etwas Gemütliches, originelle Cafés und Kneipen finden sich hinter urigen Holztüren. Im Weltkulturerbe „Bryggen“ geht es verständlicherweise nicht mehr gemütlich zu. Von jeher ein quirliger und zentraler Teil der Stadt, ist die Kaianlage heutzutage der Touristenmagnet. Jeder versucht – auch bei dem miesen Licht heute – sein Foto von den bunten Holzfassaden zu schießen, ohne aber allzu viele andere Touristennasen mit abzulichten. Obwohl auch Bryggen öfter abgebrannt ist – zuletzt im Jahre 1702 – ist sein Profil noch immer dasselbe wie im 12. Jahrhundert, da die alten Baumuster beibehalten wurden. Die meisten Läden innerhalb der alten Gehölze bedienen die Kauflust der Touristen mit Kunsthandwerk und Souvenirs. Nichts für uns, es genügt ein Streifzug durch die Häuser und unser Weg führt uns weiter zur Stadtbücherei. Da es draußen mittlerweile regnet, nützen wir das kostenlose W-Lan-Angebot um ein bisschen zu schmökern und neue Blogs hochzuladen. Am späten Nachmittag nehmen wir den Bus zurück zum Lone-Camping. Wir kaufen ein, schaffen Platz im Zelt und kochen ein indisches Curry zum Abendessen. Eine extra große Portion, denn sie muss ja für drei reichen. Jetzt heißt es nur noch: warten auf Renne! René landet um 21.40 Uhr in Bergen und wir hoffen, er ist vor Mitternacht hier. Es ist nicht ganz klar, ob überhaupt noch Busse vom Flughafen wegfahren. Radeln haben wir ihm verboten, da zu nass, zu dunkel und wegen der engen Hauptverkehrsstraße vor allem zu gefährlich. Da bleibt vielleicht nur Taxi. Also, wir warten auf Renne! – „Ja, hallo hallo hallo“, tönt gegen halb elf eine bekannte Stimme neben dem Zelt, und ich hüpfe hinaus. Molle, der gerade eine Runde gedreht hatte, hat den René gerade noch vom Einchecken abhalten können. Juhu, der René ist da! Er hat es tatsächlich noch mit den letzten öffentlichen Bussen und zweimal umsteigen bis zum Lone-Camp geschafft. Darauf ein Willkommensbierchen, ein Tikka-Masala-Empfangsmahl und ein Plausch, den wir ins Zelt verlegen, als wir Angst haben, es könnte sich vielleicht bald jemand aufregen. Wir packen den Burschen direkt zu uns ins Dreimannzelt – extra Zelt lohnt sich heute nicht mehr!