22.04.2010 (k) Festgeregnet im Onsendreieck

Wir wussten ja, dass es regnen wird. Trotzdem wollten wir gerne hier ins Landesinnere fahren und es hat sich auch voll gelohnt. Heute sind es ja nur 38 Kilometer bis nach Shingu, wo wir sowieso in den Zug steigen wollen. Die, dachten wir gestern, kann man auch im Regen fahren. Kann man auch. Im Regen, ja. Aber nicht in der Traufe. Was ist eigentlich die Traufe? Man kommt ja vom Regen in die Traufe – auch wenn ich nicht weiß, was das ist, so trifft es sicherlich auf heute zu. Ganz bestimmt. Wie erwartet hat es angefangen, kurz nachdem wir im Bett waren. Die Nacht durch hat es geregnet. Und stärker geregnet. Um nur noch zu regnen. Als es Zeit wäre, aufzustehen, veranstalten die Tropfen auf unserem Zeltdach so ein Konzert, dass es einige von ihnen sogar bis nach innen auf unsere Gesichter hindurchpresst. Es ist so ein Regen, den man als Kind geliebt hat. Ein Regen, der einen anderen Namen verdient. Ein Platzen der Wolken, bei dem man hinaus auf die Straße rannte, um nackt im Sturzbach vor dem Haus die „DuschDas“-Werbung nachzuspielen. Nur ist es dazu jetzt leider nicht warm genug, es fehlt das Publikum und – das Wahrscheinlichste – wir sind zu alt. Es würde keinen Spaß machen. So warten wir einfach, ob der Trommelwirbel etwas nachlässt, doch das tut er meist nur für wenige Minuten.

Irgendwann schaffen wir es, so ein Zeitfenster dafür zu nutzen, unsere Sachen unters Dach des Klogebäudes zu stellen und das Zelt abzubauen. Wir kochen Wasser und frühstücken Currynudeln. Unsere Fertignudelfavoriten in Japan. Und wir warten. Und warten. Und warten nicht mehr, denn es ändert sich sowieso nichts. Es macht keinen Sinn bei diesem Gekübel zu radeln und daher schwingen wir uns nur kurz auf die Böcke, um zu sehen, ob es sich im auf der anderen Seite des Berges (Tunnel, trocken!) angepriesenen Onsen länger aufhalten lässt. Der Onsen ist leider auch kein großes Bad, sondern ein Außenonsen mit angeschlossenem „Outdoorrestaurant“. Nicht gerade das, was uns wirklich weiterhilft. Im angrenzenden Hotelrestaurant können wir wenigstens zwei Stunden im Warmen sitzen, trinken einen Kaffee und schreiben, wie man lesen kann, Blogs. Als es nachmittags schließt, bewegen wir uns doch noch hinüber ins warme Bad und suchen dann weitere Lokalitäten in der Umgebung auf. Da werden wir unser Zelt eben heute Abend wieder triefend in die Traufe oberhalb des wunderbaren Flussbettonsen stellen. Morgen ist ein Sonne-Wolken-Mix angesagt.