05.08.2012 – Vom Col de Turini in die Hölle von St.Martin

Die Beine hatten genug Ruhe, so dass sich jede einzelne Penne-Nudel an die richtige Position schieben konnte. Die morgendliche Kühle tut ihr Übriges und so fällt es doch schon erheblich leichter als am Vortag, sich die nötigen Höhenmeter bis zur Passhöhe zu erarbeiten. Die Straße windet sich in schönen Serpentinen aus dem Tal hinaus, die vielen Bäume des mediterranen Waldes ermöglichen jedoch keine überragenden Fernblicke. Der Pass selbst ist unspektakulär, ein paar Verkaufsstände (wir erstehen ca. ein halbes Kilo Brot und zwei ordentliche Brocken Salami). Den Kaffee nehmen wir ohne Pain au Chocolat ein, ein Bäcker hat es bis hier oben noch nicht geschafft. Wir stürzen uns beschwingt in die Abfahrt Richtung Roquebillière, in der uns beim Brotzeitstop ein Holländer noch auf das wunderschöne Schwimmbad da unten aufmerksam macht. Heiß genug wär’s ja, unser Etappenziel ist jedoch noch in ansprechender Ferne, so dass wir verzichten. Der heiße Talwind empfängt uns am Ende einer herrlichen Abfahrt, die Straße nordet uns sogleich ein und wir strampeln das Vésubie-Tal hinauf. Von einer gemächlichen Talanfahrt kann hier jedoch nicht die Rede sein! Zwischen 5 und 8% steigt die Straße stetig an, dazu deutlich mehr Verkehr als noch an den Tagen zuvor. Das zehrt durchaus ein bisschen an den Nerven. In langen Geraden brennt uns die Sonne auf den Pelz, der Helm scheint sich gleich wie der Deckel eines kochenden Wassertopfes zu heben. Immer wieder flüchten wir in den spärlichen Schatten und kippen brühwarmes Wasser in unsere Kehlen. Aber, auch diese strenge Anfahrt geht vorbei und wir erreichen St.Martin-Vésubie. Ein lebhafter Ort mit einer großen Schar an Touristen präsentiert sich uns. Es hat ein paar Bäckereien und schöne Cafés. Zuerst stecken wir jedoch unsere Köpfe unter das eisig-frische Wasser eines Brunnens – eine Wohltat. Wir lassen uns im Getümmel zwei Kaffees schmecken und beschließen dann, da sich auch ein paar mächtige Gewitterwolken über uns türmen, heute Nacht hier zu bleiben. Der hiesige Campingplatz empfängt uns zwar mit dem Schild „complet“, ein freundliches Nachfragen meinerseits befördert uns dann allerdings auf ein angrenzendes kleines Feld. Es hat zwar nur spärlich Schatten zu bieten und ist ein wenig schräg, aber wir können bleiben. Im Laufe des Abends sprießen dann noch weitere vier Zelte dazu und ein nettes belgisches Wanderer-Paar schenkt uns eine Gaskartusche. Die Nudeln munden ob des alten Edelstahltopfes, dem wir leider kein Öl bieten können, etwas rauchig, nun ja, eigentlich verbrannt. Satt werden wir aber dennoch und so können wir einmal mehr den lauen Abend bei einem gepflegten Wein genießen.

2012-08-05