04.04.2010 (k) – Nara – Wald bei Kyotanabe: 30km, 250 Hm

Wie versprochen packen wir gegen 8.00 Uhr unser Zeug zusammen und lösen zum Abschied beim Wegfahren noch einmal den Alarm für den kleinen Campingplatz aus. Lustig, dass dieses Areal von der Größe zweier Reihenhausgärten (70er Jahre, versteht sich), zudem noch recht verlottert, so aufwändig elektronisch gesichert werden muss. In der Gärtnerei nebenan hat die Arbeit wieder begonnen, die japanischen Chansons beschallen noch immer die armen Grünlinge.

Die Sonne lacht vom Himmel und dieser antwortet mit seinem schönsten Blau. Wir machen uns auf zur Besichtigung der Stadt und des Todai-ji Komplexes. Auf dem Weg dahin kommen wir an einem Fahrradladen vorbei. Das trifft sich gut, denn gestern Abend ist mein Rad umgefallen, als der Helm mal wieder am Lenker hing – und er hat mit einem großen Knall und einem ebensolchen Sprung klargemacht, dass ihm die Reise bis hierher genügt. Im Laden dann die große Freude: es gibt genau meinen Helm – in weiß, wie ich ihn hatte, in hellblau und in pink. Ich wähle wieder weiß und kaufe noch einen neuen Ständer – den dritten der Reise – dazu.

Heute ist Sonntag und Nara scheint ein begehrtes Ausflugsziel zu sein. Wahrscheinlich, weil es so familienfreundlich ist – laufen doch überall frei zahme Rehe herum und die Parks sind riesig. Der Todai-ji ist der mächtigste unter den Tempeln Naras – die Haupthalle ist das größte hölzerne Bauwerk der Welt und in dieser Halle sitzt – selbstverständlich nochmal ein Superlativ – der größte bronzene sitzende Indoor-Buddha. Die Kirschen stehen in voller Blüte und bilden einen herrlichen Rahmen für die Sehenswürdigkeiten. Die große hölzerne Halle ist wirklich beeindruckend und man kann sich gar nicht entscheiden, welche Perspektive mit welchem Kirschbaum die richtige ist. Ich drehe auch noch eine Runde durch die Halle um den Buddha – das dauert angesichts der vielen Leute und der Größe sehr lange, so dass Molle darauf verzichtet, denn wir müssen heute ja noch ein Stück Richtung Kyoto radeln, um den nächsten Campingplatz auszuprobieren. Fürs Mittagessen gibt es daher  nur schnelles Sushi auf die Hand und dann wird erst gegen 16.00 Uhr losgestrampelt. Zwischen Nara und Kyoto ist es eher flach, wir folgen dem vorher erstellten Track auf kleineren Straßen, die mäßig befahren sind. Abschnittsweise können wir auch auf dem Radweg Kyoto-Nara zurücklegen. In Kyotanabe, kurz vor dem erhofften Campingplatz kaufen wir im Supermarkt für das Abendessen ein und folgen unserem Wegzeiger ins Waldgebiet oberhalb des Ortes. Tatsächlich, am Ende des GPS-Tracks steht ein Haus, ein Parkplatz und, wie es aussieht, ein Campingplatz. Wir freuen uns schon, dass selbst Google-maps so verlässlich ist. Denn von dieser Region haben wir noch keinen Touratlas mit Campingbildchen, der beginnt erst weiter westlich. Daher haben wir einen Camping ausgesucht, der bei Google verzeichnet war. Die Freude wärt nicht lange. Die Dame im Gebäude schaut ungläubig und verschränkt dann die Unterarme vor der Brust. Ja, und wir wissen, was das heißt. Da hilft heute auch kein Bitten und kein Verweis auf die in wenigen Minuten untergehende Sonne. Verschränkt, geschlossen, beschränkt. Wir versuchen es nicht weiter und schieben unsere Räder den angrenzenden Waldweg hundert Meter hinein. Eine Lichtung, gerade groß genug für unser Zelt, was brauchen wir schon. Molle hat alle Zutaten für unser Abendessen aus dem Supermarkt gefischt: wir kochen Osaka-Kohlnudeln. Einschließlich brauner Soße.

04April2010