04.08.2010 (k) vor Kongsberg – 30 km vor Larvik

Wir verlassen unser wunderschönes Wildcamp nach einem gemütlichen Frühstück mit Pfannkuchen und Konsorten. Ziel ist es, heute so nah wie möglich an Larvik heranzukommen. Grund ist das drohende Schlechtwetter. Laut Molles Recherchen schüttet es ab morgen 4.00 Uhr Mäuse. Oder Katzen. Oder was auch immer. Wir fahren ein gutes Stück auf der Straße 40 – sind aber leider nicht die einzigen mit dieser Idee und folglich zunehmend genervt vom schnellen und regen Verkehr. Der Radweg Nummer 5, der uns noch immer begleitet, ist die hügelige, aber verkehrsarme und reizvollere Alternative, der wir zwischendurch wieder die Chance geben. René kämpft sich die Hügel hinauf, stürzt sich mit Kraft in die Abfahrten, die am nächsten Hügel hemmungslos ausgebremst werden. Um uns herum ziehen dunkle Wolken auf, der Wind bläst stramm von vorn. Die Stimmung in der Truppe ist dementsprechend ruhig und wenig ausgelassen. Durch die Rad-Um-Wege nimmt die angeschriebene Kilometerzahl nach Larvik auch nur so zäh ab wie ein ausgelutschter Kaugummi. Als noch immer 60 Kilometer auf der Anzeigetafel stehen ist klar, dass wir heute nicht mehr bis ganz dorthin kommen werden. Die Hälfte ist vielleicht realistisch. Eine Pause wird fällig – wir kraken ein Bänkchen, das an einem Anglerparkplatz steht. Hier in der Gegend scheint Lachs ein begehrtes und realistisches Blinkeropfer zu sein. Wir versuchen René mit Knäckebrot und Streichkäse aufzupeppen, er selbst gibt noch Senf dazu und versucht es mit Peter Maffay. „Und es war Sommer… Nuhuhur Du, nuhuhur du, …. Und wenn du gehst, dann geht nur ein Teil von dir…“ dröhnt es aus dem iPhone, dass die Gräser zu tanzen beginnen. Der Erfolg ist begrenzt, am liebsten würde er seine kleine grüne Hütte „on the spot“ plazieren. Aber es hilft nichts. Der Regen hängt wie ein Damoklesschwert über unserem Reiseleiter Molle. Während der sich heute lieber noch alle Kilometer hindurchkämpfen  würde, um morgen nicht nass zu werden, würde René sich morgen lieber bepissen lassen, als heute von den Krämpfen heimgesucht zu werden. Die dunklen Wolken über uns gelten wenigstens noch nicht uns, sie verziehen sich nach Norden. Gut 30 Kilometer vor der Küstenstadt erhebt sich auf einem Hügel an der Hauptstraße eine Tankstelle mit einem angrenzenden Campingplatz. Der feinrasierte Rasen leuchtet einladend grün in der Sonne – wir checken ein. Wer René kurz später nur in der Unterhose bekleidet auf der Holztribüne eines ausrangierten Dauercampers im Liegestuhl fläzen sieht, kann sich gar nicht vorstellen, dass diese Sommerstimmung in wenigen Stunden schon Vergangenheit sein soll. Wir genießen es jedenfalls, schreiben Tagebuch, kochen, spielen Frisbee und schlürfen ein Ferienbierchen. Als alle in ihre Zelte schlüpfen ziehen sie allerdings die Regenverspannung noch einmal extra fest an.