20.04.2010 (m) – Regentag in Shirahima

Dass auf den Wetterbericht in Japan Verlass ist, das wissen wir ja jetzt. Pünktlich zur Schlafenszeit setzt er dann auch ein, der angekündigte Starkregen, und hält brav über die Nacht an. Und auch am frühen Morgen hören wir die Tropfen noch auf das Dach der Campingküche platschen. Wir sind sehr froh, diesen Stellplatz zwischen Abfluss und Küchenschaben gewählt zu haben, garantiert der betonierte Boden und das hübsche Dach doch ein trockenes Zelt. Und das ist es, was zählt. So schlafen wir ziemlich entspannt aus und packen uns dann in die Regenklamotten, um das Städtchen und die paar Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Da wäre zum einen der goldene Sandstrand (dessen Sand aus Australien hergeschafft wurde), der wunderbar in der Stadtmitte in einer Bucht liegt und die Pazifikbrecher heranrollen lässt. Im Sommer soll hier die Hölle los sein, jetzt verliert sich kaum ein Tourist auf dem sandigen Untergrund. Außerdem bietet sich noch an zwei Stellen ein toller Blick auf die Pazifikküste, deren Zerklüftungen die großen Pazifikwellen in spektakuläre Gischtfontänen auflösen. Es nieselt die ganze Zeit über richtig fies, so dass man eigentlich meint, es regne kaum, aber dennoch in kürzester Zeit das Wasser an Regenjacke und -hose herabfließt.

Demzufolge suchen wir rasch ein kleines Restaurant auf, wo wir leckere Suppe und gebratene Jiaozi aufgetischt bekommen. Die Suche nach einem „gemütlichen“ Kaffee gestaltet sich schwieriger als erwartet. Mir gefällt der gewählte Laden dann auch gar nicht, und während Katrin Fotos sichert, schwärme ich aus, um fürs Abendessen einzukaufen. Unterwegs schlürfe ich am Sandstrand noch einen Milchkaffe und mümmle einen Muffin dazu. Ja, jetzt sitze ich hier in Japan am Pazifik, denke ich mir, schaue auf mein Fahrrad und bin dabei auch ein klein bisschen Stolz, wie weit wir es gebracht haben auf dieser Reise. Je älter die Reise wird, desto mehr und öfter schwelgt man in Erinnerungen, liegt doch bereits mehr hinter als vor einem. Wie mit dem älter werden im richtigen Leben wohl…

Katrin biegt auf dem Nachhauseweg noch zum Onsen ab, der laut Führer, ob seiner Lage über dem Pazifik mit dementsprechenden Blicken auf selbigen, „sensational“ sein soll. Ich bin auf den Bericht gespannt.

Abends kochen wir am Zelt, das ja praktischerweise gleich in der Küche steht. Es gibt gebratenes Fleisch mit Gemüse und Mapo-Tofu. Dazu ein Fläschen vom lieb gewonnenen (und bezahlbaren) Fontera aus Chile (ist ja gar nicht soooo weit weg von hier, also vertretbar).