05.01.2010 (k) – Muang Khoua – Pak Nam Noi: 37 km, 250 Hm

Der Hohe Rat der Tiere (zwei Steppenwölfe, ein Hai und ein Waschbär (Rakoon)) hat dem Antrag des Hais stattgegeben, die Etappenlängen zu überdenken und wenn möglich, kürzere Etappen zu planen, um die Augen des Hais von der Straße weg, hin zu den Menschen und Sehenswertem neben der Straße zu lenken. Da der Hai mit Salzwasser in den Augen nicht gut sehen kann, kann er bisher auch nur wenige Fotos machen, was schade ist.

In der morgendlichen Nebelphase wird also das platte Gummi des Hais repariert, dem großen Steppenwolf werden die Bremsbacken aufpoliert und dem kleinen Wolf die Gänge justiert. Das Frühstück dauert auch die gute laotische Stunde und mit den ersten Sonnenstrahlen setzt sich die Truppe gegen halb elf in Bewegung. Wir folgen dem Nam Pak aufwärts. Die Dörfer sind wie immer direkt an die Straße gebaut, und wenn man langsam hindurchrollt (was allein schon wegen der vielen Kleinkinder wichtig ist), kann man so allerhand des alltäglichen Lebens aufschnappen. Besonders die Alten sind mit ihren bunten Tüchern oder Wollmützen auf dem Kopf, ihrer hageren, runzligen Gestalt und ihrem oftmals vom Betel rot triefenden Mund einen besonderen Anblick. An einer Schule machen wir Halt und sehen sie uns genauer an. Es ist Mittagspause. Die Jungen sind in ein Boulespiel vertieft, viele Kinder springen herum, ein paar gießen die Pflanzen im Schulgarten, einige scheinen Hausaufgaben zu machen. Wir sehen Bücher und Hefte und beschließen unsere kleine Selektion an Kinderbüchern, die wir in Luang Prabang beim Projekt „Big Brother Mouse“ (wer Interesse hat oder spenden will: www.bigbrothermouse.com) noch ein wenig weiterzufahren, um sie vielleicht dort abzugeben, wo noch mehr Bedarf besteht.

Nach 37 Kilometern erreichen wir das kleine Dorf Pak Nam Noi. Direkt am Dorfplatz, wo die Busse halten und sich das wenige Leben abspielt, stehen die 6 Reihenböxle des Gästehauses. Die Steppenwölfe bekommen das Zimmer mit der grünen Bärchenbettwäsche, Hai und Rakoon ziehen nebenan ins rosarote Bett ein. Wir kochen Nudelsuppen, Philip schraubt ein wenig an den Rädern herum und pflegt die Ketten, wir wehren Akha-Frauen ab, die uns ihren Schmuck und ihre Tracht vom Leib verkaufen wollen und beobachten das Treiben vor unseren Hütten. Ein Soldat, der auch hier übernachtet, gesellt sich zu uns und wir tauschen auf Englisch und mit einigen Brocken Laotisch die wichtigsten persönlichen Informationen aus. Fasziniert schauen wir dem Fleischhandel zu, der vor dem Restaurant stattfindet. Aus Eimern und Plastiktüten werden verschiedenste Brocken gezogen und auf einer Tüte auf dem Boden ausgebreitet. Nach eingehendem Betasten aller Stücke wird die Auswahl getroffen. Der Rest wandert zurück in Kartons und Eimer, bevor der Hund es schafft, sich einen fetten Brocken zu sichern.

Als es dunkel wird, gibt es Strom, doch wir schaffen es, die Energiesparlampen wieder zu verdunkeln, indem Philip vier Ladegeräte an die Steckdose der Fassung anschließt, was dem Gästehaus den letzten Funken raubt und die Leiterin wahrscheinlich innerlich zur Weißglut treibt und mit drei weiteren, neuen Energiesparlampen auf den Plan ruft. Schnell bauen wir die Konstruktion wieder ab. Hier kann man schon froh sein, wenn die Birnen kontinuierlich flackern. Im diffusen Licht dieser Lampen treten wir kurz später auch ins Restaurant nebenan. Fast stolpern wir über die 6 Nagetiere, die tot auf einem Haufen auf dem Boden liegen. Ein Fell aus langen Borsten, wie ein Stachelschwein, insgesamt ungefähr 40cm lang, Nagezähne wie eine Bisamratte (könnten Bamubsratten sein, sind aber dafür sehr groß). In einer Tüte neben dem Herd liegen schwarz-blau schimmernde Singvögel. Beides – Ratte und Vogel – wird gerade vom Soldaten (der 21 ist aber aussieht wie 40) und einem weiteren Gast zusammen mit Reis verspeist und uns angeboten. Philip langt kräftig zu und versucht „bird and rat“ – ein kleines Stück Ratte koste ich auch – schmeckt ein wenig wie Rind. So richtig ist uns aber nicht danach und wir bestellen vier Nudelsuppen, die hier aus Instantpäckchen gemacht und mit grünem Stängelgemüse „aufgepeppt“ werden. Naja, vielleicht hätten wir doch „bird and rat“ essen sollen. Wir schauen dann noch beim Rattenschälen zu. Das ganze Tier wird kurz in den Topf mit kochendem Wasser getaucht, dann werden die Borsten mit einem großen Messer rundherum abgeschabt, ein Stück vom Schwanz getrennt und die Füßchen sauber ausgekratzt. Nebenbei werden die kleinen, überbrüten Singvögel gerupft – viel bleibt von ihnen aber nicht übrig, wenn man sie dann so auf dem Teller liegen sieht. Nach einer guten Stunde sind alle Ratten geschält, werden abgespült und in Plastiktüten verpackt. Morgen werden sie dann wohl ausgenommen.

Es ist nun Zeit, das Tierische zurückzulassen und in unsere Betten zu schlüpfen. Das Quakkonzert der Frösche, das Zirpen der Grillen, das Flackern der Klobirne, das Tropfen der Wasserleitung an der undichten Stelle und die umgewandelte Nudelsuppe unterm Moskitonetz benebeln meine Sinne und begleiten mich in einen baldigen Schlaf, der jedoch nicht sehr stark und nicht von allzu langer Dauer ist.