24.05.2010 (m) Ruhetag in Pingquan

Nö, also bei dem Wetter fahr` ich nicht.“ Das sind Katrins Worte beim Blick aus dem Fenster. Klassisch verzockt, könnte man sagen. Gestern war wunderbares Wetter und wir haben uns für ausschlafen entschieden, heute wollen wir weiter und es schieben vom kräftigen, böigen Wind angetrieben, dicke, graue und bedrohlich tief hängende Wolken über den Ort. Unterschiedliche Blickwinkel aus verschiedenen Fenstern des Hotels machen es auch nicht besser. Als Katrin dann noch ein Zimmermädchen auf dem Gang trifft: „Tianqi bu hao!“ – das Wetter ist gar nicht schön, bewaffnen wir uns nach einigem Zaudern schließlich mit einer Tasse Kaffee und hüpfen zurück ins Bett. Wir lesen gemütlich und wälzen ein wenig das Kartenmaterial. Da man die blöden Papierkarten aber nicht zoomen kann, gehen wir ins Internetcafé gegenüber, um der Google Mappe einen Besuch abzustatten. Lange nicht mehr in China in einem Internetcafé gewesen, wie es scheint. Hier würden wir tatsächlich keine ganze Nacht verbringen wollen, wie noch in Japan! Die Luft ist rauchgeschwängert, dümmlich grinsende, junge Männer freuen sich über jeden Toten in der virtuellen Welt von Counter Strike mittels eines lauten Lachers, während sie zwischendurch einen Grünen aus den Untiefen ihrer Hälse heraufbugsieren und zielsicher auf dem Boden aufschlagen lassen. Zwischen den verschmierten Monitoren stehen gelöffelte Tütensuppen, volle Aschenbecher und klebriges Limozeug. Die Tastaturen wagt man kaum zu berühren. Als das Geschrei und Gelächter (weil doch zwei Langnasen hier hereinschneien) abebbt und wir uns an den Plätzen niederlassen, gewinnen wieder die Kampf-, Schrei- und Rotzgeräusche die Oberhand. Wir arbeiten schnell und zielstrebig, um hier bald wieder rausgehen zu können. Wie gesagt, ein eigenes Netbook nebst Internetanschluss im Hotelzimmer sind nicht zu verachten. Erleben kann man hier natürlich mehr. Meistens will man aber einfach nur ein paar Blogs schreiben und Bilder hochladen, so ganz ohne Erlebnis!

Die Sonne drückt durch die Ritzen ins das dunkle Innere und als wir das Gebäude verlassen wird das ganze Ausmaß des „Tianqi bu hao“ deutlich. Es ist angenehm warm und die Sonne drückt zwischen den Wolken hindurch, die unterdessen eher weiß sind und längst keine geschlossene Formation mehr bilden. Nun können wir es auch nicht mehr ändern. Wir decken uns mit Kaffeematerial ein und ziehen uns aufs Zimmer zurück, wo wir ausruhen und lesen. Dann sind wir eben morgen umso fitter!

Nachdem uns das hausinterne Essen in einem der Separées des Hotelrestaurants gestern gut gemundet hat, ist uns heute nach Sichuan-Küche. Wir haben in der Stadt, etwa zwei Kilometer entfernt, ein spezielles Restaurant gesehen. Irgendwie haben wir aber keine so große Lust, nochmal quer durch die Stadt zu ziehen und so fragen wir einfach im Hotel, ob die unsere Leibgerichte nicht auch können. „Keyi.“ – können wir. Ach, wie viel schöner „Keyi“ (sprich: köi) klingt als „mei you“ (sprich: mäiou). Wunderbar umsorgen uns die lieben Service-Mädels und wir genießen unter anderem die Hähnchenwürfel mit Erdnüssen und Chili, die dem Qing Gouverneur von Sichuan, Dong Baozhen, schon Ende des 19. Jahrhunderts so derart mundeten. Gut gesättigt müssen wir nur noch zwei Stockwerke nach oben und uns auf die Betten rollen. Wie sang noch Pipi Langstrumpf: „Faul sein ist wunderschön, liebe Mutter glaub`es mir…“.