22.03. – 25.03.2010 (k) Xiamen

Der Abfahrtszeitpunkt nach Shanghai ist für Donnerstag fix, die Karten halten wir in den Händen. So stehen uns nun ein paar ruhige Tage bevor. Xiamen will erkundet werden, ein wichtige Handelsstadt an der sogenannten „Maritimen Seidenstraße“. Ein Kreis hat sich geschlossen: Beginn und Ende des Radfahrens in China auf einem Stück Seidenstraße. In der Altstadt finden sich zahlreiche Kolonialbauten, die zum Teil sehr gelungen restauriert wurden, zum Teil einen bröckelnden Charme versprühen. Wir bummeln einen halben Tag durch diese Straßenzüge – auch das Innere wirkt kolonial, aber aus heutiger Sicht: Amerikas Einfluss ist nicht zu übersehen: KFC, McDonalds, The Houcaller (ein Beefsteak Fastfoodriese), Pizza Hut, Nike, Converse, … die schönsten Häuser sind in Beschlag genommen. Als wir einen kleinen Teeladen passieren und uns für ein paar Gramm neuen Tee interessieren, bekommen wir sogleich eine Kostprobe zeremoniert. Eine gemütliche Sache, die hier verbreitet ist. Neben den großen, sauberen Boulevards finden sich aber auch noch viele kleine, dustere Gassen, die voller „echtem“ chinesischen Leben stecken. Wäsche hängt quer über die Straße, Hehlerware wird verstohlen dargeboten. In einer Marktstraße wird mal wieder nichts nicht angeboten: Kröten hocken traurig auf einem Haufen in einem Netz, Schildkröten ziehen ihren Kopf ein als hofften sie,  ihr Panzer könne sie noch vor irgendetwas schützen, Fische, die so sonderbar und riesig sind, dass ich mir nicht vorstellen kann, wer die kaufen will, schnappen nach den letzten Sauerstoffmolekülen, Wasserschlangen und Krebstiere warten darauf, abgeholt zu werden. Ein alter Mann kauft 5 Wachteln, denen die Verkäuferin bei lebendigem Leibe das Federkleid abreißt und ihnen dann Krallen und Schnabel mit der Schere abtrennt. Alles in routinierter Windeseile, dass man beim Schauen kaum mitkommt. Eine Hand überreicht die kleine Plastiktüte, die andere nimmt vom Alten umgerechnet einen Euro entgegen, in der Tüte zuckt es noch.

Der Uferbereich ist ein touristischer Platz, der vor allem von Reisegruppen, die einen Abstecher auf die vorgelagerte Insel Gulangyu machen, überflutet wird. Auch wir lassen diesen touristischen Höhepunkt natürlich nicht aus und begeben uns für einen halben Tag dorthin. Auf der Insel dürfen keine Autos fahren und sogar Radfahren ist verboten. Mit Manneskraft werden daher sämtliche Lasten auf Ziehkarren bewegt. Wenn man bedenkt, wie viele Touristen hier täglich essen und einkaufen, kommt einiges zum Schleppen zusammen. Westlern hat es hier vor knapp hundert Jahren sehr gut gefallen, so dass sie das Eiland mit ihren Prachtbauten überzogen haben. Einige Villen sind schön hergerichtet, andere am Verfallen. Wenn man etwas abseits der Massen herumschlendert, kann man die Atmosphäre der 20er und 30er einatmen. Da die Häuser aber bewohnt sind, muss man sich mit der Ansicht ihrer Fassaden begnügen. Im Ort gibt es eine große musische Schule – einige bekannte Pianisten wurden auf dieser Insel ausgebildet. Den Aussichtshügel und den überdachten Vogelpark überlassen wir den taiwanesischen und chinesischen Tourgruppen.

Als am nächsten Tag der Nebel wieder die Oberhand gewonnen hat, verzichten wir auf unseren geplanten Fahrradausflug über die Hügel und Strände Xiamens und legen einen richtigen Faulenzertag ein. Der Donnerstag steht beinahe im selben Zeichen, doch schaffen wir es noch, die Räder auf Hochglanz zu bringen und für Japan frisch zu machen. Mit Einbruch der Dunkelheit begeben wir uns zum Bahnhof, wo wir unsere Gefährte(n) an der Gepäckaufgabe einchecken. Dann heißt es warten, Abfahrt ist 22.14 Uhr. Mit drei Männern und einer Frau teilen wir uns die Parzelle im offenen Liegewagen. Der Zug fährt ruhiger als die bisherigen (wahrscheinlich liegt es daran, dass er nicht so viel bremsen muss) und wir können – trotz lautester Schnarch- und Röchelattacken von einem unserer Bettnachbarn, relativ gut schlafen.