11.05.2010 (k) Fukuoka

Molle hat gestern Abend nichts mehr vom „Hotto Motto“ geholt. War auch gut so. Wir haben das Abendessen einfach ausfallen lassen. Geht ja nicht an, dass wir als Sumoringer nach Hause kommen – und wenn wir nicht aufpassen wird das passieren. So viel wie wir essen, können wir niemals radeln! Geschlafen haben wir wieder hervorragend. Einschließen des Gepäcks ist auch schon Routine – bis auf die Lenkertaschen, die wir mitnehmen, bekommen wir alles in das zweitgrößte Schließfach. Denkt man gar nicht, wenn man die Dinge so vor sich ausgebreitet sieht. Zuerst führt uns unsere Stadttour zum internationalen Fährterminal. Wir erfahren, dass wir die Tickets einfach am Abreisetag kaufen können und legen uns daher noch nicht fest. Die langsame Fähre dauert sechs Stunden, der schnelle und teurere „Beetle“ die Hälfte. Lohnt sich aber preislich überhaupt nicht – außerdem ist uns das Schnelle ja zuwider. Fukuoka ist ein einziges Einkaufszentrum. Und es gibt auch genug Leute, die hier herumlaufen und Geld ausgeben. Der Vorteil, wenn man mit dem Rad unterwegs ist, ist ja, dass man fast gar nichts kaufen kann, weil das Gepäck eh schon zu schwer ist. Wobei wir ja auch wirklich nicht anfällig sind fürs „Shoppen“. Außer vielleicht mal so ein paar technische Geräte. Aber all diese Rüschenkleidchen die überall herumhängen – und so viel Schnickschnack, den die Welt nicht braucht. Oder vielleicht doch, aber nur nicht wir? Im berühmten „Raumen Stadium“ essen wir zu Mittag. Acht Ramen-(= bestimmte Nudelsuppenart)-Restaurants preisen ihre Variationen im fünften Stock des Einkaufskomplexes „Canal City“ an. Unsere Entscheidung bereuen wir nicht – es schmeckt sehr lecker und Molle fragt sich, wo er nur das Kochbuch „1000 & 1 Nudelsuppe“ erwerben kann – um all die Suppen dieser Reise fachgerecht nachbauen zu können.

Einen Stock tiefer stoßen wir dann auf einen großen Sportladen. Ich bräuchte ja tatsächlich neue Schuhe – Löcher, gerissene Bänder, Sohle abgelaufen. Aber so richtig was nach meiner Vorstellung von Preis und Qualität findet sich nicht. Bzw. es fände sich, aber bei 38 hören sowieso alle Frauengrößen auf. Schuhkauf ist vielleicht in Japan nicht die beste Idee. Stattdessen bekommt jeder noch zwei neue T-Shirts (unter der Bedingung, dass in gleicher Menge auch die abgeasselten Teile entsorgt werden). Als nächster Programmpunkt steht „Fahrradladen“ auf dem fiktiven Einkaufszettel. Wir haben eine Adresse von einer Radler-Internetseite aus Japan. Der Laden liegt zwar auf der anderen Seite der Stadt, doch wir möchten neue Ketten, Bremsbeläge und vielleicht auch neue Vorderräder kaufen. Wir möchten vermeiden, dass unsere Felgen plötzlich zerbersten und wir den coolen, aber nicht ungefährlichen „Diver“ machen; sind doch schon einige Höhenmeter hinuntergebremst worden, angefangen von der Pyrenäentour vorletztes Jahr. Und wir sind ja ausgesprochene Bremser, wie manche von euch wissen. Nach über 10 Kilometern finden wir den Laden bzw. vielmehr seine verschlossenen Rollläden. Das hat sich ja mal wieder gelohnt. Ist auch nicht erkennbar, ob er nur heute zuhat oder für länger. Na, dann können wir wenigstens noch an der leckeren Boulangerie vorbeifahren, denken wir uns. Auch dieser Umweg lohnt sich nicht, sind doch alle leckeren „Pain au chocolats“ und Croissants bereits abverkauft. Auf dem Rückweg ins Stadtzentrum versuchen wir noch unser Glück in drei Radläden (werden immer weitergeschickt). Aber alle scheinen eher auf „Style“ als auf Praktisches ausgelegt zu sein. Es gibt die tollsten Accessoirs, Mäntel in pink, blau, rot, weiß, farbige und sogar bunte Ketten und tolle Designerfahrräder. Zum Stöbern toll, aber erfolgreich sind wir nicht. Gerade mal eine 9-fach Kette ergattern wir. Das mit dem Kaufen eines neuen Vorderrades können wir nicht verklickern. Die haben sowieso keine einzelnen Felgen im Vorrat. Ein Angestellter vom „Trek“-Laden begutachtet Molles Felge und meint, die sei schon noch o.k., „no problemu“, weil „no wholu“. Achso – erst wenn ein Loch in der Felge ist, wird es bedenklich? Na dann. Die restlichen Ersatzteile holen wir einfach morgen im Sportladen, wo wir sie heute schon gesehen, aber hängen gelassen haben. Im „Veloce“ erholen wir uns von unserer semi-erfolgreichen Einkaufstour. Als es dunkel wird streifen wir noch ein bisschen durch einen Buchladen bis auch der schließt. Dann holen wir das Gepäck aus dem Verschluss und sind eine Minute früher als gestern im Internetcafé. Lustiges Gewohnheitstier, der Mensch! Aber nein, heute nehmen wir nicht Box 92 – heute probieren wir mal was anderes: wir nehmen die Couple-Box. Ein Raum mit einer Tür und richtig viel Platz. Hat zwar nur einen PC (neben der Playstation und dem Flachbildschirm), aber wir entdecken eine zweite Internetbuchse  – und an Computern mangelt es uns ja nicht. Hätten wir schon vor zwei Tagen machen sollen – ist wirklich wie ein eigenes Zimmer. Gut surf, gut schlaf!