08.05.2010 (k) Badesee (Higashinodakemachi)-Stausee (Sefurihokusan): 92 km, 900 Hm

Der Reiher ist schon wieder hungrig und gleitet auf der Suche nach Beute an unserem Frühstücksplatz vorbei. Mit Butter gefüllte Rosinenbrötchen scheinen ihn nicht zu reizen. Friedlich liegt der kleine See in der Morgensonne und wartet auf die ersten Gäste, die ihn auf den künstlich angelegten Wegen umwandern. Auf den Morgenschwomm verzichte ich, habe ich doch gestern Abend noch ein Schild entdeckt auf dem „no swimming“ steht. Auf dem Weg in die viertgrößte Stadt Japans möchten wir heute wieder möglichst verkehrsarm reisen, weshalb wir eine auf der Karte als schöne Nebenstrecke erscheinende Route zusammengestückelt und aufs GPS gezogen haben. Als wir allerdings nach dem ersten wunderschönen Pass wieder das Flachland auf Höhe Null erreichen und der Pfeil auf dem GPS bei der nächsten Möglichkeit erneut in die Hügel zeigt, sehen wir uns Karte und Landschaft vor Ort genauer an und beschließen, nicht der vorbereiteten Route zu folgen, weil es wirklich sinnlos wäre. Sich für 10 Kilometer kurz in die Hügel zu werfen, um dann wieder auf der gleichen Ebene zu stehen wie zuvor – so berggeil sind wir dann doch nicht. Daher sparen wir uns ein paar Höhenmeter indem wir einen eckigen, aber der Topographie angepassten Kurs durch die Felder wählen. Wir erwischen sogar Rückenwindphasen und kommen zügig voran. Die Nebenstraßen durch das angebaute Gebiet sind größtenteils wenig befahren, was uns dazu verleitet, noch länger ihrem Weg zu folgen. Nahe der Stadt Ogi nimmt die Besiedelung dann wieder zu und es wird Zeit, zurück in die Berge zu flüchten. Eine ruhige Straße windet sich zu einem Pass hinauf. Sie ist nicht allzu steil, zieht sich allerdings – kein Wunder bei knapp 400 Höhenmetern. Die tolle Abfahrt belohnt und kühlt ein wenig die erhitzten Körper. Furuyu, ein Heißes-Quellen-Dorf (oder wie übersetze ich jetzt hot spring village?) liegt im Tal. Hier möchten wir bleiben, glauben wir doch, einen schönen, großen Onsen rechterhand am Hang stehen zu sehen. Zuerst suchen wir noch eine Ecke, in die wir später unser Zelt stellen könnten und werden nach einiger Zeit in der Nähe des Parkplatzes fündig. Geritzt. Unsere Gliedmaßen entspannen sich schon bei dem Gedanken an das wohlig-warme Nass, doch gefehlt: als wir am Eingang des angegliederten Hotels vorbeifahren springt uns eine freundliche Rezeptionistin entgegen. Ja, die Geste kennen wir, verschränkte Arme vor der Brust: dieser Onsen ist nicht öffentlich, er gehört nur zum Hotel. „Wait-u“ – sagt sie noch und fragt schnell nach, ob wir nicht doch baden dürften, doch sie kommt wieder mit verschränkten Armen. O.k. Aber „up-u“ sei noch ein öffentlicher Onsen. „Up-u“ hört sich zwar sch… an, denn wir würden lieber bergab fahren, doch morgen müssen wir hier sowieso up-u, also warum nicht gleich. Ein kleines, wenig einladendes Badehaus sehen wir im Augenwinkel, doch wir suchen nach einem größeren, in unserer Karte verzeichneten. Irgendwie verpassen wir es aber wohl und befinden uns schon mittendrin im Anstieg. Eine riesige Staumauer ist gerade im Bau, nicht die einzige in diesem Gebiet, das sich natürlicherweise durch seine nahe beieinanderstehenden Hügel dafür zu eignen scheint. Wir müssen die Höhe der Staumauer erreichen und fahren dann über neue Brücken und Straßen hinunter zum Gebiet der bereits existierenden Stauseen. Hier soll sich ein Campingplatz befinden. Wie manchmal zieht sich die Strecke etwas und wir müssen zum Schluss noch die 90 Höhenmeter der Staumauer überwinden, doch es lohnt sich. Kurz vor dem vermuteten Campingplatz entdecken wir eine kleine Raststelle mit gemähter Rasenfläche für maximal zwei Zelte und einem überdachten Vesperplatz. Der See streckt uns einen Arm entgegen und so fliegt zum Abendessen erneut der nimmersatte Reiher vorbei.

08Mai2010