18.04.2010 (m) Kamiyama – Tokushima/Wakayama

Letztendes war es dann doch nicht so kalt wie erwartet. Und das, obwohl die Nacht sternenklar gewesen ist. Trotzdem bleiben wir sicherheitshalber lieber immer so lange im Schlafsack, bis die Sonne das Zelt erhellt und ein bisschen angewärmt hat. Wieder lacht der Planet am Himmel und wir frühstücken genüsslich auf einem Steinquader, der in der Nähe unseres Platzes liegt. Bald dampft der heiße Kaffee aus den Bechern und die ersten Rosinenbrötchen werden darin getunkt.

Es ist nicht mehr weit bis Tokushima. Wir wählen erneut ein kleines Sträßchen, das nochmals ein paar zusätzliche Höhenmeter verspricht, angesichts des Verkehrs auf den Hauptstraßen, nehmen wir dies jederzeit und gerne in Kauf. Herrlich schlängelt sich die Mini-Straße durch die Landschaft, vorbei an kleinen Holzhäusern, Einwohnern und Puppen, die so aussehen wie Einwohner. Das hatten wir ja schon. Irgendwann ist dann der Spaß vorbei uns wir sind wieder im Stadtgebiet. Diesmal Großraum Tokushima. Viele Gehsteige erwarten uns. Ein paar Aufgaben haben wir auch zu erledigen, als da wären: Gaskauf, Wäsche waschen und Geld abheben. Rasch gelingt alles drei und wir befinden uns auf dem Weg zur Fähre, die uns nach Wakayama (Kansai) bringen soll. Glücklicherweise legt in gut einer Stunde eine ab. Wie gewohnt verpacken wir die Räder, um den Gebühren fürs Fahrrad zu entgehen. Ich habe schon alles verstaut, als der Einweiser uns zu verstehen gibt, dass wir hier zusammen mit den Autos (wie bisher immer) nicht reinkommen. Bitteln und Betteln hilft nicht. Katrin lädt die Taschen wieder auf, mir hilft der Einweiser beim Tragen zum Passagierterminal. Wir müssen über ein Gateway wie beim Flugzeug ins Innere der Fähre. Wieder mal ein bisschen Geschleppe, aber die Distanzen sind überschaubar. In der Fähre gibt es diesmal keine Sitze, nur Tatami-Matten. Wir bauen schnell unsere Camping-Sitze auf und lehnen uns gemütlich zurück, während um uns herum Jung und Alt auf dem Boden fletzt. Zwei Stunden dauert die Überfahrt, die mit Lesen und Musik hören wie im Fluge vergehen. Als wir in Wakayama anlegen ist es bereits dunkel. Wir haben ein Onsen etwas außerhalb ausgewählt, auf dessen Gelände wir unser Zelt aufschlagen wollen. Wir cruisen ein bisschen durch die dunklen Straßen, kaufen noch ein ein und nähern uns schließlich gegen 20 Uhr dem Ziel. Die kleine Insel, auf der der Onsen liegt, ist aber hell erleuchtet, ein Riesenrad, eine blinkende Riesenbrücke, strahlende Gebäude. Wir zweifeln ein wenig daran, dass wir hier ein ruhiges Plätzchen finden. Trotzdem strampeln wir mutig darauf zu. Im rechten Augenwinkel fällt mir etwas auf. Ich stoppe, springe über ein paar Sandsäcke und stehe im Strandbad, das derzeit noch geschlossen ist. Es gibt WC, die erleuchtet sind und eine schnuckelige Wiese jenseits der Strandpromenade, die wir gleich mal als Zeltwiese missbrauchen. Wir haben schon Sushi und weitere kalte Leckereien besorgt, so dass wir den Kocher nicht anwerfen müssen. Ein lauer Wind weht uns um die Nase, als wir unsere Leckereien verdrücken und dabei unsere Blicke auf den hinter den Wolken verschwindenden Mond und die blinkenden Lichter in der Ferne auf dem Meer schweifen lassen.