09.05.2010 (k) Stausee(Sefurihokusan)– Fukuoka: 52 km, 400 Hm

Schon kurz vor sechs Uhr hören wir Stimmen rund um unseren Privatstellplatz am Stauseearm. Nicht direkt bei uns, doch um uns herum in einiger Entfernung wird palavert. Männerstimmen am Morgen. Zu früh, um vor Neugier aus dem Zelt zu hüpfen, denke ich, und drehe mich noch einmal herum. Als mit Erreichen der vollen siebten Stunde der Übergang in einigermaßen humane Aufstehzeit geschafft ist, wursteln wir uns hinaus. So verbringt also der gemeine Japaner um die 50 den Sonntagmorgen: mit Angeln! Ungefähr 10 Nussschalen sind in Ufernähe an dazu bereitstehenden Bambuskonstruktionen verzurrt und in jeder dieser Schalen sitzt ein bunter, begummistiefelter Angler. Der Abstand zwischen manchen Booten beträgt nur wenige Sohlenbreit, sodass eine gediegene Unterhaltung möglich ist. Wir sehen ihnen beim Frühstück etwas zu und können uns vor Spannung kaum halten. Nun gut, angeln dient ja angeblich auch eher der Entspannung. Kyushu ist eine extrem hügelige Insel. In dieser Gegend stehen die grünen „Hindernisse“ überall und bilden enge, kurze Täler, die von den Menschen durch Terrassen nutzbar gemacht wurden. Über einen solchen Hügel keuchen wir ein paar Kilometer hinüber zur Straße Nummer 12, die uns über den Nagano Pass bis gut 20 Kilometer vor Fukuoka bringt. Einmal mehr eine wunderbare, unbefahrene Berg-Wald-Strecke, wie wir sie so nur aus Japan kennen. Gemächlichkeit und Gewimmel liegen aber in diesem Land sehr eng beisammen, so dass wir, sobald wir die besiedelte Ebene erreichen, wieder das volle Programm japanischer (oder amerikanischer?) Vorstädte mitbekommen. Nicht das Schlechteste, denn man weiß, woran man ist. Wir möchten nochmal alle Radklamotten und was sonst noch schmutzig ist in einem Münzwaschsalon durchwirbeln und können sicher sein, dass innerhalb der nächsten 10 Kilometer mindestens ein solcher Laden am Straßenrand mit seinen großen Trommeln winkt. Wieder ziehen wir auf dem Parkplatz blank, stellen eine stattliche Tüte stinkenden Materials zusammen und belagern nebenbei noch die Mauer zum Nachbarn mit Zeltteilen, Matten und Schlafsäcken zum Trocknen in der stichigen Sonne, die es doch auf über 30 Grad bringt. Nein, mein Waschpulver bräuchte ich nicht hineingeben, macht mir die Waschsalonleiterin (die ständig neue Lieferungen von Wollimitatdecken bekommt, die die Leute wohl nicht zu Hause waschen) mit einem freundlichen „no, no“ klar. Und während der 20 minütige (Kalt!)waschgang läuft, frage ich mich, warum dann hier Waschpulverpäckchen im Automaten zum Verkauf stehen. Wahrscheinlich hat sie meine fragende Geste bezüglich meines Waschpulvers nur auf mein Waschpulver bezogen, das ich wohl nicht verwenden dürfe. Sie hätte mir dann ja aber sagen oder zeigen können, dass ich ein Waschpulver kaufen könnte. Egal. Das Zeug ist jetzt halt nicht nur nicht sauber, sondern auch nicht rein. Mein weißes T-Shirt hat noch den Schmutz der dreckigen Hosen annektiert, doch immerhin hat es die Maschine geschafft, den Gestank aus den Dingen zu schleudern und das ist ja die Hauptsache, auf dem anstehenden längeren Transport in den Packtaschen. Nach der anstrengenden Wascharbeit müssen wir schleunigst etwas essen – was bietet sich da mehr an, als das gegenüberliegende Lokal, das mit einem großen Plastikplakat wirbt, auf dem sich leckere Zutaten tümmeln. Wir sind gespannt, was es hier gibt und schlüpfen unter den Vorhängen, die von oben ein Stück der Tür verhängen, hindurch. Ein Teppanyaki-Restaurant. Hier kann man sein eigenes Osaka-Rösti brutzeln. Ja, wir wissen, diese Speise hat sicher einen japanischen Namen und gar nichts mit Osaka zu tun, aber wir haben den Fladen dort das erste Mal bekommen und daher heißt er bei uns so. Man kann aus einem großen Angebot an Kombinationen wählen. Molle nimmt etwas mit Fleisch, Kraut und Speck, ich wähle Mais und Schinken. Man bekommt das Gewählte in einer großen Schüssel zusammen mit den Basiszutaten Ei und einer Art Schmand. Selbst rührt man alles zu einem Pampf zusammen (wenn man es richtig macht, legt man Speck oder Fleisch noch beiseite, da es erst am Ende auf den Teig gelegt wird, wenn dieser schon mit einer Seite auf der Platte brutzelt) und kippt es auf die heiße Platte. Da bei unserem Platz keine genaue Bauanleitung liegt, sind wir frei und kreativ in unserer Verarbeitung und entscheiden uns für das Braten mehrerer kleiner Fladen nacheinander. Dies bringt uns zwar Gelächter und Aufmerksamkeit vom Nebentisch ein, doch das macht nichts. Wir sind vielmehr glücklich darüber, wieder eine neue kulinarische Idee mit nach Hause nehmen zu können. Stolze Besitzer einer Teppanplatte sind wir ja schon seit Jahren. Auf den weiteren Kilometern bis ins Zentrum von Fukuoka lassen wir uns Zeit. Wir passieren einige Strände, die bereits zum Baden einladen (doch das hat wohl noch niemand wahrgenommen) und das moderne Viertel mit dem 235m hohen Fukuoka-Turm. Molle erspäht auf der anderen Straßenseite in der zweiten Häuserreihe ein „Boulangerie-Patisserieschild“ und ist auch durch die rote Ampel nicht mehr zu halten. Die süßen Knusperteile verzehren wir kurz später im 1929 errichteten Ohori Park. Als wir so sitzen und die Tretbootschwäne bei ihrem Tanz über das Wasser beobachten, habe ich das Gefühl, schon wieder in China zu sein. Kein Wunder, lese ich doch später, dass die Anlage einem berühmten Park in China nachempfunden wurde. Ein wunderbarer Ort, um Leute zu beobachten. Neben den Tretbootfahrern gibt es auch Ruderer. Vornehmlich Väter, die ihre Kinder herumrudern. Aber die meisten Menschen joggen. Der „Jogging“-Streifen ist beinahe übervölkert. Die armen Sportler müssen bei ihren Runden um den Teich doch tatsächlich auf die „Walking“ und „Cycling“ Bahnen ausweichen. Immerhin hindert sie nicht irgendein Aufpasser daran! Schon lustig, was die Menschen so treiben. Auch wir treiben weiter, denn der Himmel verdunkelt sich zunehmend und wir haben keine Lust, noch nass zu werden. Diejenigen Bewohner, die gerade nicht joggen scheinen sich in den Straßen Fukuokas auf Einkaufstour zu befinden. Wir suchen auch noch einen Supermarkt. Ich lande allerdings in einem Gourmettempel im Untergeschoss eines noblen Schuppens und tauche mit leeren Händen wieder auf. Letztendlich kaufen wir noch ein bisschen Brotbelag im Kombini und ziehen in unser „Internethotel“ ein. „12 hours, King flat booth, two PC, please“. Achja, es kann doch kaum sein, dass das heute schon wieder die Letzte war. Die letzte Etappe in Japan auf dieser Reise – sind wir nicht erst angekommen, letzte Woche?

09.05.2010 (k) Stausee(Sefurihokusan)– Fukuoka: 52 km, 400 Hm Schon kurz vor sechs Uhr hören wir Stimmen rund um unseren Privatstellplatz am Stauseearm. Nicht direkt bei uns, doch um uns herum in einiger Entfernung wird palavert. Männerstimmen am Morgen. Zu früh, um vor Neugier aus dem Zelt zu hüpfen, denke ich, und drehe mich noch einmal herum. Als mit Erreichen der vollen siebten Stunde der Übergang in einigermaßen humane Aufstehzeit geschafft ist, wursteln wir uns hinaus. So verbringt also der gemeine Japaner um die 50 den Sonntagmorgen: mit Angeln! Ungefähr 10 Nussschalen sind in Ufernähe an dazu bereitstehenden Bambuskonstruktionen verzurrt und in jeder dieser Schalen sitzt ein bunter, begummistiefelter Angler. Der Abstand zwischen manchen Booten beträgt nur wenige Sohlenbreit, sodass eine gediegene Unterhaltung möglich ist. Wir sehen ihnen beim Frühstück etwas zu und können uns vor Spannung kaum halten. Nun gut, angeln dient ja angeblich auch eher der Entspannung. Kyushu ist eine extrem hügelige Insel. In dieser Gegend stehen die grünen „Hindernisse“ überall und bilden enge, kurze Täler, die von den Menschen durch Terrassen nutzbar gemacht wurden. Über einen solchen Hügel keuchen wir ein paar Kilometer hinüber zur Straße Nummer 12, die uns über den Nagano Pass bis gut 20 Kilometer vor Fukuoka bringt. Einmal mehr eine wunderbare, unbefahrene Berg-Wald-Strecke, wie wir sie so nur aus Japan kennen. Gemächlichkeit und Gewimmel liegen aber in diesem Land sehr eng beisammen, so dass wir, sobald wir die besiedelte Ebene erreichen, wieder das volle Programm japanischer (oder amerikanischer?) Vorstädte mitbekommen. Nicht das Schlechteste, denn man weiß, woran man ist. Wir möchten nochmal alle Radklamotten und was sonst noch schmutzig ist in einem Münzwaschsalon durchwirbeln und können sicher sein, dass innerhalb der nächsten 10 Kilometer mindestens ein solcher Laden am Straßenrand mit seinen großen Trommeln winkt. Wieder ziehen wir auf dem Parkplatz blank, stellen eine stattliche Tüte stinkenden Materials zusammen und belagern nebenbei noch die Mauer zum Nachbarn mit Zeltteilen, Matten und Schlafsäcken zum Trocknen in der stichigen Sonne, die es doch auf über 30 Grad bringt. Nein, mein Waschpulver bräuchte ich nicht hineingeben, macht mir die Waschsalonleiterin (die ständig neue Lieferungen von Wollimitatdecken bekommt, die die Leute wohl nicht zu Hause waschen) mit einem freundlichen „no, no“ klar. Und während der 20 minütige (Kalt!)waschgang läuft, frage ich mich, warum dann hier Waschpulverpäckchen im Automaten zum Verkauf stehen. Wahrscheinlich hat sie meine fragende Geste bezüglich meines Waschpulvers nur auf mein Waschpulver bezogen, das ich wohl nicht verwenden dürfe. Sie hätte mir dann ja aber sagen oder zeigen können, dass ich ein Waschpulver kaufen könnte. Egal. Das Zeug ist jetzt halt nicht nur nicht sauber, sondern auch nicht rein. Mein weißes T-Shirt hat noch den Schmutz der dreckigen Hosen annektiert, doch immerhin hat es die Maschine geschafft, den Gestank aus den Dingen zu schleudern und das ist ja die Hauptsache, auf dem anstehenden längeren Transport in den Packtaschen. Nach der anstrengenden Wascharbeit müssen wir schleunigst etwas essen – was bietet sich da mehr an, als das gegenüberliegende Lokal, das mit einem großen Plastikplakat wirbt, auf dem sich leckere Zutaten tümmeln. Wir sind gespannt, was es hier gibt und schlüpfen unter den Vorhängen, die von oben ein Stück der Tür verhängen, hindurch. Ein Teppanyaki-Restaurant. Hier kann man sein eigenes Osaka-Rösti brutzeln. Ja, wir wissen, diese Speise hat sicher einen japanischen Namen und gar nichts mit Osaka zu tun, aber wir haben den Fladen dort das erste Mal bekommen und daher heißt er bei uns so. Man kann aus einem großen Angebot an Kombinationen wählen. Molle nimmt etwas mit Fleisch, Kraut und Speck, ich wähle Mais und Schinken. Man bekommt das Gewählte in einer großen Schüssel zusammen mit den Basiszutaten Ei und einer Art Schmand. Selbst rührt man alles zu einem Pampf zusammen (wenn man es richtig macht, legt man Speck oder Fleisch noch beiseite, da es erst am Ende auf den Teig gelegt wird, wenn dieser schon mit einer Seite auf der Platte brutzelt) und kippt es auf die heiße Platte. Da bei unserem Platz keine genaue Bauanleitung liegt, sind wir frei und kreativ in unserer Verarbeitung und entscheiden uns für das Braten mehrerer kleiner Fladen nacheinander. Dies bringt uns zwar Gelächter und Aufmerksamkeit vom Nebentisch ein, doch das macht nichts. Wir sind vielmehr glücklich darüber, wieder eine neue kulinarische Idee mit nach Hause nehmen zu können. Stolze Besitzer einer Teppanplatte sind wir ja schon seit Jahren. Auf den weiteren Kilometern bis ins Zentrum von Fukuoka lassen wir uns Zeit. Wir passieren einige Strände, die bereits zum Baden einladen (doch das hat wohl noch niemand wahrgenommen) und das moderne Viertel mit dem 235m hohen Fukuoka-Turm. Molle erspäht auf der anderen Straßenseite in der zweiten Häuserreihe ein „Boulangerie-Patisserieschild“ und ist auch durch die rote Ampel nicht mehr zu halten. Die süßen Knusperteile verzehren wir kurz später im 1929 errichteten Ohori Park. Als wir so sitzen und die Tretbootschwäne bei ihrem Tanz über das Wasser beobachten, habe ich das Gefühl, schon wieder in China zu sein. Kein Wunder, lese ich doch später, dass die Anlage einem berühmten Park in China nachempfunden wurde. Ein wunderbarer Ort, um Leute zu beobachten. Neben den Tretbootfahrern gibt es auch Ruderer. Vornehmlich Väter, die ihre Kinder herumrudern. Aber die meisten Menschen joggen. Der „Jogging“-Streifen ist beinahe übervölkert. Die armen Sportler müssen bei ihren Runden um den Teich doch tatsächlich auf die „Walking“ und „Cycling“ Bahnen ausweichen. Immerhin hindert sie nicht irgendein Aufpasser daran! Schon lustig, was die Menschen so treiben. Auch wir treiben weiter, denn der Himmel verdunkelt sich zunehmend und wir haben keine Lust, noch nass zu werden. Diejenigen Bewohner, die gerade nicht joggen scheinen sich in den Straßen Fukuokas auf Einkaufstour zu befinden. Wir suchen auch noch einen Supermarkt. Ich lande allerdings in einem Gourmettempel im Untergeschoss eines noblen Schuppens und tauche mit leeren Händen wieder auf. Letztendlich kaufen wir noch ein bisschen Brotbelag im Kombini und ziehen in unser „Internethotel“ ein. „12 hours, King flat booth, two PC, please“. Achja, es kann doch kaum sein, dass das heute schon wieder die Letzte war. Die letzte Etappe in Japan auf dieser Reise – sind wir nicht erst angekommen, letzte Woche?