06.08.2012 St.Martin-Vésubie – St.Etienne-sur-Tinée

Bedeckt ist der Himmel am frühen Morgen. Traurig sind wir darüber heute erstmal nicht. Wir haben in den letzten Tagen ordentlich Sonne gespeichert und so freuen wir uns auf eine kühle, entspannte Anfahrt Richtung Cime de la Bonnet, den wir heute jedoch noch nicht erstürmen wollen, ja können. Ganz einig sind wir uns nicht, ob dieser Pass morgen schon das Dach der Tour darstellt, denn die eigentliche Passhöhe ist niedriger als der Co d’Iséran. Lediglich eine Zusatzschleife führt auf 2802m, was die höchste Straße Europas ergibt. Dass wir da drüberfahren ist klar. Bis der eigentliche Passanstieg beginnt, sind jedoch erstmal gut 40 Kilometer durch das Tal der Tinée zu fahren. Und dieses will erstmal erreicht sein. Von St.Martin-Vésubie müssen wir den Col St.Martin auf 1500m überqueren. Der Pass schraubt sich wunderbar aus dem Vésubie-Tal heraus und bietet immer wieder herrliche Tiefblicke auf das kleine Örtchen und das zurückliegende Tal. In schier endlosen Kehren machen wir mehr als die heute erkämpften Höhenmeter wieder platt und erreichen eine Dreiviertelstunde späterbei zurückkehrendem Sonnenschein den Abzweig zum Cime de la Bonnet. Herrliche, rötlich schimmernde Felsformationen säumen den Weg. Nur langsam steigt die Straße wieder an. Jedoch erfordert die doch stetige Steigung kontinuerlich Druck auf den Pedalen. Irgendwann meldet sich dann auch der Unterzuckermann und wir sinken an einer kleinen Nische in den Straßengraben, um unseren Blutzucker mit altem Weißbrot, das mit Fertig-Salatsauce getränkt wird, zu beruhigen. Ein bisschen Eselsalami und zwei handvoll Kekse bringen uns zurück auf die Spur, die uns in das kleine Ski-Ressort Isola führt. Im Sommer ist der Andrang überschaubar, ein kleines Café hat jedoch geöffnet, das uns zuerst im Freien, dann, als ein kleines Gewitter herangrollt, auch drinnen, Flüssiges zur Erholung bietet.

Den Campingplatz in St.Etienne-de-Tinée habe ich per E-Mail schon reserviert, hatten wir doch gelesen, dass er mit nur 32 Plätzen recht klein sei. Weitere 14 Kilometer treten wir bergan, es läuft ganz gut, da nicht zu steil und nicht zu heiß. Zudem säumt über weite Strecken ein Radweg den Straßenverlauf. Als wir St.Etienne erreichen, lacht bereits die Sonne wieder und als wir den uns zugewiesenen Platz am Badesee einnehmen, lachen auch wir. Die Platzbetreiber sind sehr freundlich und nett und der Platz ist bestens gepflegt. Ein richtiger Ort zum Wohlfühlen. Da wir nicht zu spät angekommen sind, können wir den müden Muskeln die nötige Entspannung gönnen. Der örtliche Einzelhandel bietet uns frisches Gemüse, so dass ein Tomatensalat den gelungen Auftakt für – wieder mal Nudeln – mit Paprika-Auberginen-Sauce – bietet. Dem großen Fest in der Altstadt wohnen wir dann nicht mehr bei, findet sich die feiernde Menge doch erst um 22:00 Uhr ein. Viel zu spät für müde Gipfelstürmer.

2012-08-06