07.07.2010 (k) Mariefred – Eskilstuna: 60 km, 300 Hm

Gripsholm am Morgen sieht auch nicht schlecht aus. Vom Campingplatz hat man sogar Schlossblick und die Sonne steht in der richtigen Richtung. Durch Mariefred, das einige sehr schmuck hergerichtete, alte Holzhäuser vorweisen kann, geht es ein paar Kilometer zurück in die Richtung aus der wir gestern gekommen sind, bevor wir die Hauptstraße verlassen können und auf unbefestigten Straßen in den Wald stechen. Mit Hilfe des GPS führt uns Molle auf immer schmalere Waldwege, so dass wir irgendwann misstrauisch werden, ob er uns vielleicht zu einem Knusperhäuschen entführen will, wo wir dann im Käfig gemästet werden. Wieder und wieder biegt er ab und schließlich geht es einen Weg hinunter, dessen Bewuchs vermuten lässt, dass hier nicht sehr oft jemand vorbeikommt. Unten dann kommt es in den Blick: ein knallrotes Haus mit weißen Fenstern und Balkonen, oberhalb eines kleinen Baches, in den ein Steg hinausführt, auf dem ein blauer und ein roter Liegestuhl geduldig auf Sonnenanbeter warten. Immerhin kommt keine Hexe heraus und wir fotografieren nur dieses einmalig idyllische Plätzchen, das so unverhofft mitten im Wald aufgetaucht ist. Allerdings lassen uns fiese Kuhbremen schnell weiterfahren. Kurz darauf kreuzen wir die Hauptstraße 55, was wieder klar macht, dass dieses Haus gar nicht so abgelegen hier steht. Unbefestigte Nebenstraßen führen uns anschließend fast ganz bis Eksilstuna. Das Tempo ist im zweiten Teilabschnitt relativ hoch. Vielleicht liegt es an dem dunklen Mann, der, als wir gerade an einer Wegkreuzung stehen bleiben und überlegen, wohin wir fahren, das Giebelfenster seinen Schwedenhauses öffnet, den Kopf herausstreckt, „deutsch?“ fragt und sich mit dem Satz „tonight football“ wieder ins dunkle Innere zurückzieht. Wenn so ein Großereignis ansteht gibt es kein Halten mehr! Der Campingplatz in Eskilstuna ist nicht sonderlich attraktiv. An einem schönen Fluss gelegen, doch es sehr überlaufen und macht keine Lust zum Baden. Schattenplätze gibt es auch kaum und im Gegensatz zum gestrigen Publikum finden sich hier fast ausschließlich schwedische Dauercamper mit schutzbunkerähnlichen, umzäunten Vorzelten. Mit einer dieser „Hausbesitzerinnen“ machen wir auch sogleich Bekanntschaft, als wir noch einen Schattenfetzen finden, und beschließen die Zelte auf diesen Stellplatz – gegenüber ihrem Heim – aufzuschlagen. Auf bestem Schwedisch erklärt sie, dass das hier Stellplätze mit Strom seien und nicht welche für so Asselpack wie uns. Wir lassen uns vom freundlichen Empfang nicht aus der Ruhe bringen. Die Stellplatznummer kläre ich beim Einchecken mit der Rezeption ab, kein Problem dort zu bleiben. Die nette Nachbarin kommt dann auch nicht mehr, vielleicht hat sie gemerkt, dass wir doch ganz harmlos sind. Wahrscheinlich hat sie vom Sixpack Bier auf meinem Gepäck auf saufende Rowdies geschlossen, die ihren Vorgärten schänden könnten. Zum Halbfinale Deutschland-Spanien gibt es WM-Burger zum Selberbauen. Sie munden vorzüglich, können aber auch nicht davor schützen, dass Matze nach der 70. Minute das Zelt dem Spiel vorzieht und wir Spanien nicht bezwingen können. Vielleicht hätten wir doch lieber bei Pasta bleiben sollen!