Der erste Schritt aus dem Zelt – 7 Uhr morgens und trockenes Gras, eine frische, kühle aber im Grunde sommerlich-freundliche Brise empfängt den Radler. Der Himmel, wolkenlos! Wir starten für unsere Verhältnisse früh, da wir in Perpignan noch einen Zug nach Millau erwischen wollen und sooo oft fahren die französischen Züge im Regionaltakt nicht. Mit dem Blick aufs Meer verändern sich aber urplötzlich die Prioritäten und wir kommen nicht umhin, noch einen Morgen-Dipp zu nehmen. Herrlich!

Auf gut ausgebauter Straße bei zunehmender Hitze erreichen wir nur unterbrochen von einem Pain au Chocolat und einem klitzekleinen Verfahrer Perpignan. Nicht weiter spektakulär auf den ersten Blick. Gewarnt vom SNCF-Zugtakt streben wir schnell zum Bahnhof – und tatsächlich – eine einzige vernünftige Verbindung bietet sich nach Millau an. Es ist der Talgo aus Barcelona (den kennen wir ja schon) und der fährt hier in 20 Minuten ab. Also schnell Tickets gekauft und die Räder verpackt…15 Minuten später kommt Katrin deprimiert von den Schaltern zurück. 12 Leute vor ihr und keine schnelle Abwicklung in Sicht. Wir geben auf. Wir verlegen uns auf einen späteren Zug nach Bezières und wollen noch ein Stückchen radeln. Wir sind ja flexibel. Und zudem bleibt Zeit, das Städtchen genauer anzuschauen. Also kaufen wir – weise, weise – gleich Tickets für den späteren Mittagszug. Dann rollen wir in die flirrende Hitze Perpignans. Die Gassen der Stadt präsentieren sich aufgeräumt, brav und gesäumt von Restaurants und Bars. Wir schaffen ein paar Kurven und landen schließlich an einem Supermarkt, der uns mit Häppchen und Getränken für die anstehende Fahrt versorgt.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof heftet sich ein schwer bepackter Radler an unsere Hinterräder. Am Bahnhofsvorplatz kommen wir ins Gespräch mit dem US-Amerikaner Rick, der gerade aus den Pyrenäen herausgestrampelt ist. Wir versorgen ihn schnell mit den Fakten zur Fahrt nach Bezières, die er dankend annimmt und schnurstracks zu den Fahrkartenschaltern verschwindet. Wenig später, 2 Minuten vor Abfahrt, taucht er strahlend am Bahnsteig auf. Er hat kurz vor Schalterschluss um 13.20 Uhr noch ein Billet ergattert. Gemeinsam verladen wir Räder und Gepäck im TER und sinken mit Baguettes und Wasser in die Sitze. Angeregt tauschen wir Radabenteuer aus, wobei Rick mit einer dreijährigen Welttour eindeutig mehr auf dem Kerbholz hat. Er hat alle Schikanen inklusive Tadschikistan, Usbekistan und Afrika hinter sich. Wow! Und er kann Vietnam definitiv nicht als Fahrraddestination empfehlen. Jetzt wissen wir auf jeden Fall mal, wo wir auf unserer Tour nicht in die Pedale treten werden.

In Bezières empfängt uns noch brutalere Hitze und wir schrauben uns zum Ortskern hoch, wo es einen schönen Platz mit View und allem geben soll. So ist es auch und wir quatschen noch ein bisschen mit Rick, während er sich zwei Gläser rotes Pesto auf Weißbrot reinschiebt (“I’m trying to get fat now!”). Hat schon Humor, unser spindeldürrer Ami.

Wir machen uns gegen 16 Uhr in das 30 km entfernte Laurens auf, in dem sich ein wunderschöner Camping befinden soll. Kartenmaterial haben wir keines, aber das kann ja nicht so schwer sein. Ist ja alles ausgeschildert.

Ja, ist es schon, nur handelt es sich dabei logischerweise um die Hauptstraße, die auch gerne von PKWs, Transits und LKWs benutzt wird. Ein breiter Seitenstreifen bewahrt uns vor allzu vielen Wacklern. Hitze, Abgase und sorgenvolle Blicke in den Rückspiegel gipfeln in einer Stunde abhakenswertem Radfahren. Unterm Strich bleibt: Hauptsache gesund. In einem kleinen Ort wagen wir einen Abstecher und werden nach Rücksprache mit “Locals” auf eine Nebenstraße gelenkt, die uns hügelig aber autofrei nach Laurens leitet. Hier fragen wir nach dem Camping, der sich weiter zwei Kilometer entlang der Hauptstraße, auf die wir hier wieder stoßen, befindet. Ein schöner, ruhiger Platz mit Swimming Pool. Nachos mampfend liegen wir bei 35 Grad in der Sonne (um 19 Uhr abends!!)an selbigem und sind mal wieder mit der Welt versöhnt.

Ein leckeres Abendmahl in lauer Luft beschließt den ereignisreichen Tag. Wir schlafen in unserem Southern Cross quasi unter freiem Himmel und frieren nicht eine Sekunde. Ein Genuss!