26.04.2010 (k) Kawaguchiko – Kofu/Kitatono: 42km Fahrrad, 130 km Zug
Wir nutzen unser Zimmer natürlich voll aus. Gegen halb elf gibt es noch ein richtig leckeres „Continental Breakfast“, wie man es sonst nur in stylischen Cafés bekommt, ganz klar. Ich mache Rühreier mit Salami, Toast, Käse, Salami, Croissants und Joghurt. So geht der Tag gut los. Das Zimmer haben wir schon freigegeben, um 11.00 Uhr war Check-Out, und wir frühstücken noch in Ruhe und planen. Mal wieder. Wir wissen nicht so recht, was wir nun tun sollen. Heute lacht zwar noch die Sonne, doch für die nächsten drei Tage ist Regen angesagt, und wir wissen ja, was das heißt. Es scheint wirklich noch zu früh zu sein für unsere geplante Alpendurchquerung. Wir hatten zwar Pässe geplant, die unter 2000 Metern bleiben, doch gestern haben wir schon einige Berge mit noch ziemlich viel Schnee darauf in der Ferne gesehen. Und wenn es hier unten im Tal schon 3 Grad nachts im Zelt hat, dann kann man auf 1500 Metern wohl nichts Geringeres als Frost erwarten. Mit Regen und Schnee dann eine tolle Kombination, die uns nur gerade nicht so reizt. Nach einigem Hin- und Herdenken, Kartenlesen und Ideen verwerfen beschließen wir, uns mit Zug und Fähre wieder nach Süden zu bewegen, um dann noch zwei Wochen auf der Insel Kyushu zu radeln, von wo wir dann sowieso mit einer Fähre noch einmal zurück nach China möchten. Ja, richtig, wir haben schon wieder Pläne geändert – das gehört wohl dazu. Der Abschied von China ist doch schwergefallen und so haben wir beschlossen, noch ca. 1000 Kilometer vom Chinesischen Meer bis nach Peking zu radeln, von wo wir dann den Zug nach Moskau so nehmen, dass unser russisches Visum gerade noch für 2 Tage Sankt Petersburg reicht. In Korea oder sogar schon in Nagaski sollten wir ein neues Chinesisches Visum bekommen und von Seoul – genauer gesagt der Küstenstadt Incheon –  geht dann eine Fähre zum von uns anvisierten Ort Qinhuangdao.
Soweit, so gut. Die Sonne scheint noch, wie gesagt und so fahren wir gut 40 Kilometer bis nach Kofu, das an der Chuo-Line liegt, mit der wir heute unsere Zugfahrt beginnen wollen. Die Straße ist anfangs sehr stark befahren und nervt etwas, doch wir wissen ja, dass es einen 3 Kilometer langen Tunnel gibt, den wir nicht nehmen werden und wir auf der alten Passstraße so gut wie allein sein werden. Eine Aussichtsplattform gibt noch einmal den vollen Blick auf den Fuji frei, der heute wieder ganz zu sehen ist, jedoch vor eher weißlichem Himmel. Am Abzweig vor dem Tunnel steht ein Schild, das wir natürlich nicht lesen können. Es zeigt nur ein Kreuz auf der Tunnelumfahrung – irgendetwas ist da wohl. Wir hoffen allerdings, mit dem Fahrrad keine Schwierigkeiten zu bekommen. Beinahe 600 Höhenmeter schrauben wir uns hinauf, wieder in unserem Element und befreit von Autolärm und –abgasen. Auf der Passhöhe erwartet uns ein kleiner Tunnel, der allerdings komplett versperrt ist. Ein paar Touristen sind mit ihren Autos auch hier heraufgefahren, um die Aussicht zu genießen. Ein Autofahrer erklärt uns, dass auf der anderen Seite wohl eine Brücke kaputt sein, und man nicht durchfahren könne. Wir beschließen, volles Risiko zu gehen, denn jetzt alles wieder hinunterfahren wollen wir auf keinen Fall. Vor allem haben wir keine Alternative, denn durch den großen Tunnel kriegt mich sicher keiner! Wir zwängen unsere dicken Rösser an der Absperrung vorbei und starten die Abfahrt. Ständig lauernd, hinter welcher Kurve wohl die kaputte Brücke kommt. Immer weiter geht es hinunter und die Spannung steigt, denn wenn es für uns unpassierbar wäre, könnten wir uns heute mit einem Tagesausflug (… Pass von zwei Seiten) begnügen und direkt zurück ins K’s House fahren. Doch nichts. Bis wir unten auf die Hauptstraße treffen steht uns nichts im Wege und es fehlt auch nichts. Vielleicht ein Übersetzungsfehler des Autofahrers? Auf den geschlossenen Schranken hier unten hängt ein Schild das zu verstehen gibt, dass die Straße ab 300mm Regen unpassierbar wird. Vielleicht haben sie sie nach dem letzten Regen einfach nicht wieder geöffnet. Das Kreuz auf der Karte auf dem Schild zeigt vielleicht die Stelle, die dann unter Wasser steht. Das Risiko hat sich gelohnt – von nun an geht es sowieso nur noch bergab bis Kofu, wo wir unsere Räder für den Zug mal wieder entladen und verpacken dürfen. Angesichts der fortgeschrittenen Stunde suchen wir uns den kleinen Ort Kitatono aus, weil in wenigen Kilometern Entfernung vom Bahnhof ein Onsen und ein Campingplatz eingezeichnet sind. Immer eine optimale Kombination. Mit einmal Umsteigen in eine kleine Tuckerlinie, die das Alpental zwischen Okaya und Toyohashi bedient und Iida-Line heißt, weil dieses Kaff ungefähr in der Mitte liegt, erreichen wir gegen halb neun Kitatono. Der Weg zum Onsen zieht sich ein wenig, da es leicht bergauf geht, doch kurz vor neun stehen wir vor der Badeanstalt. Sie ist bis 21.30 geöffnet und ich hüpfe noch schnell hinein, während Molle von der Kassiererin schon wieder so genervt ist, dass er keine Lust auf ein schnelles Bad hat. Manchmal sind die Damen aber auch wirklich etwas nervig. Sie überschütten einen mit einem Schwall Japanisch – und wenn man zu verstehen gibt, dass man nur mal erst schauen oder überlegen möchte, nichts versteht und überhaupt gerade erst hereingekommen ist, so wird es nicht besser. Oh nein, das Gepäck kann jetzt aber nicht hier liegen bleiben und überhaupt „money“ und dann kann man rein, aber es wird ja gleich geschlossen und …überhaupt. Die halbe Stunde lohnt sich dennoch. Blubberbecken, Milchbecken, Außenbecken, kleiner Whirlpool, kaltes Becken, Sauna. Ich mache einen Schnelldurchlauf. Den Campingplatz finden wir kurz danach wenige hundert Meter entfernt. Ein gut gepflegter, toller Platz im Wald. Es ist niemand zu sehen weit und breit und so installieren wir uns mal wieder kostenlos, kochen Nudeln und fallen in einen erholsamen Schlaf.

26April2010