04.03.2010 (k) Zug Guangzhou – Kowloon

Irgendwann schwebte mal eine Idee über uns: ganz früh aufbrechen und vor 12 Uhr in Hongkong an der Russischen Botschaft sein, um die Visaanträge abzugeben. Diese Idee hat sich spätestens mit Klingeln des Weckers, eigentlich aber schon am Abend vorher, verabschiedet. Wir sind froh, dass sie das getan hat, denn sonst wären wir völlig umsonst extra früh aufgestanden. Allein zum Ostbahnhof in Guangzhou sind wir mit den Rädern eine gute Stunde unterwegs. Expresszüge fahren zwar ungefähr stündlich, doch als wir gegen 12.00 Uhr am Ticketschalter stehen, gibt es beispielsweise nur Tickets für 13.52 Uhr. Man soll wegen der Ausreiseformalitäten gut 45 Minuten vorher da sein. So gehen wir das ganze Unterfangen gemütlich an. Der Teil des Ostbahnhofs, von dem der durchgehende Expresszug nach Kowloon abfährt, ist hochmodern. Man kommt sich vor wie an einem Flughafen. Alles ist ruhig und sauber, Rolltreppen bringen einen in den Wartesaal – zuvor wird das Gepäck durchleuchtet. Als dann 45 Minuten vor Abfahrt das „Gate“ geöffnet wird, gleitet man an Passkontrollstellen vorbei hinein in den Duty-Free-Bereich. Dort können wir am Gepäckschalter einfach unsere Räder einchecken und auf das „Boarding“ warten. Sehr entspannt das Ganze. 

Ein wenig über eineinhalb Stunden braucht der Zug im Moment noch für die 174km nach Kowloon – es wird aber an einer neuen Hochgeschwindigkeitstrasse von Guangzhou Süd gearbeitet, die dann weniger als eine Stunde benötigen wird.

Am Bahnhof Kowloon (Hung Hom) angelangt, befindet man sich bereits mitten im Herzen dieses Teils der Weltstadt. Mit dem Rad ist man allerdings ziemlich gefangen, außer man setzt sich über die Verbotsschilder hinweg und schmeißt sich hinein in Hongkongs Verkehr. Bis zum Hostel „Hopp Inn“ sind es nur gut zwei Kilometer, und das genügt auch, denn die Straßen sind sehr eng und die Doppeldeckerbusse, die von hinten angebraust kommen, haushoch und ziemlich flott. Wir wollen ja niemanden aufhalten, in dieser Highspeedmetropole.

Die genaue Adresse hilft uns beim Finden unserer Herberge, denn lediglich ein kleiner Aufkleber am Klingelschild weist darauf hin. Wie wir später feststellen, ist das für einen Großteil der Hotels, Lokale und Geschäfte in Hongkong der Fall: man muss wissen, wohin man möchte. Denn man läuft nicht etwa zufällig an einem Outdoorladen im 23. Stock eines der mehreren tausend Einkaufszentren, -plazas, oder –buildings vorbei. Das „Hopp Inn“ hätten wir so niemals gefunden – gut, dass es das Internet gibt. Simon, einer der zwei Betreiber des Hostels, nimmt uns in Empfang, gibt uns ein schnuckeliges Zimmer und lässt unsere nun verpackten Räder im Gang Platz finden. Er hat mit einem Freund vor gerade erst 3 Monaten das Hostel errichtet. 9 Zimmer im zweiten Stock eines von außen hässlichen Gebäudes mit äußerst schmalen Eingängen an verschiedenen Seiten, mit Sicherheitsmann im Eingangsbereich, einem Aufzug von einem Quadratmeter, Überwachungskameras und verschiedensten Wohn- und Gewerbebereichen. Eines von vielen dieser Art von Häusern hier in Kowloon. Lange verweilen wir nicht, denn da wir nur für eine Nacht ein Zimmer bekommen haben (am Wochenende ist es sowieso schwer etwas zu finden), werden wir morgen auf die Insel Lantau wechseln, um dort zu zelten. Dafür möchten wir uns noch ein neues Zelt kaufen. Neues Zelt? Naja, mehr dazu später. Mit der U-Bahn beamen wir uns also in den Bereich Mongkok, in dem wir – dem Internet sei eben Dank – schnell den gesuchten, bestens ausgestatteten Outdoorladen im 23. Stock finden. Nach zwei Stunden sind wir stolze Besitzer eines MSR Mutha Hubba – Modell Vorjahr zum 250.- Euro Schnäppchenpreis, einer Bratpfanne, einer neuen Regenjacke für Molle und einer Stirnlampe. Es ist 22.00 Uhr vorbei, als wir in die quirligen Gassen hinaustreten und uns was zu essen suchen. Hongkongs Einkaufsviertel sind jetzt erst so richtig voll.