18.01.2009 (k) Soppong – Ruhetag: 20 km Tagesausflug

Der dichte Dschungel um unser kleines Hüttchen simuliert Polarwinter – es ist so dunkel, dass wir gut bis halb zehn schlafen. Das machen Nachbars aber auch, und so treffen wir uns kurz später beim gemütlichen Frühstück im der Unterkunft angegrenzten „Seven Elephants Café“. Philip hat sich relativ gesundgeschlafen, er sucht aber zur Malaria-Abklärung noch das Hospital hier in Soppong auf. Während sein Blut analysiert wird, lassen wir die letzten Tage in schriftlicher Form Revue passieren und laden ausgewählte Bilder hoch. Unsere Freunde kommen mit der guten Nachricht „no malaria“ pünktlich zum Mittagessen zurück. Auch die Laborkräfte machen gerade Mittagspause, doch weil der Arzt gerne noch ein ganzes Blutbild von Philip hätte – auch, um die „Scrub Thypus“ Überlegung zu entkräften – lässt er nach dem Mittagessen noch ein Röhrchen abzapfen. Das Ergebnis ist gut, keine verdächtigen Werte. Mit dieser beruhigenden Aussage starten wir unseren Nachmittagsausflug zur Tham Lot Höhle. Sie ist die berühmteste der über 300 Karsthöhlen in der Region. Die neun Kilometerlange Stichstraße schlängelt sich herrlich durch dichten Dschungel, man hört die Vögel singen und pfeifen, gackern und lachen, doch zu Gesicht bekommt man so ein buntes Federvieh nie. Fast die gesamte Strecke ist nagelneu geteert, es wäre die perfekte Trainingsstrecke für Langläufer auf Skirollern.

Am Eingang der Höhle entscheiden wir uns für eine Führerin mit Lampe und gegen diverse Bambusfloßvarianten. Man könnte sich zwar auf so einem Floß durch insgesamt drei Höhlen hindurch fahren lassen, doch die erste und größte – auch genannt Giant Pillar Cave – genügt uns, vor allem angesichts der fortgeschrittenen Stunde. Außerdem sind wir zu fett für ein Floß, das geht zwar bis vier Personen, aber nur bis 200 Kilogramm. Und obwohl Philip gestern und heute nur Kartoffeln und Reis gegessen hat, schaffen wir es nicht, diese Marke zu unterbieten. Die Ausmaße der unterirdischen Hallen sind mit 200 m Länge, 20 m Breite und 50 m Höhe durchaus beeindruckend. Besonders schön ist die Tatsache, dass es keine elektrische Beleuchtung oder verkitschte Ausleuchtung gibt, sondern das einzige Licht die Karbidlampe der Führerin bzw. die eigene Stirnlampe ist. Sämtliche Formationen der Stalaktiten und Stalagmiten erklärt unsere Führerin in perfektem Englisch: „elephant, flog, falang, monkey, second elephant, pig, UFO“ – Höhlenbesuche haben ein wenig etwas von Bleigießen, meint Molle.

Zum eigentlichen Spektakel machen wir uns außerhalb der Höhle zu Fuß auf zum Ausgang der dritten Höhle. Dort fliegen angeblich kurz vor Sonnenuntergang tausende von Mauerseglern zurück zu ihren Nistplätzen, während bald darauf ein Strom von Fledermäusen die Höhle zur Futtersuche verlässt. Die Mauersegler enttäuschen uns nicht: es müssen zigtausende sein, die über eine halbe Stunde lang aus allen Richtungen herbeiströmen und in den Höhleneingang stürmen. Ihr Flugverhalten sieht sehr chaotisch aus, und wir wundern uns, dass nur zwei Geschöpfte wie Steine herab in den Fluss stürzen, weil sie wahrscheinlich ihre Flugbahn beim Höhleneingang nicht exakt berechnet haben. Einer schafft es wieder, sich aufzurappeln, den anderen reißt die Flut dahin. Es ist schon ziemlich dunkel, als wir noch immer vergeblich auf das Schauspiel aus der Gegenrichtung warten. Nur wenige Fledermäuse haben wir bisher ausmachen können. Wahrscheinlich fliegen sie wirklich erst in völliger Dunkelheit los – und dann sehen wir sie sowieso nicht mehr. Daher treten wir den Rückweg an, um noch vor Restaurantschluss um 20.00 Uhr im Soppong River Inn zu sein. Die Bestellung geben wir direkt noch vor dem Duschen auf und frisch gemacht sitzen wir kurz später an unserem Stammplatz bei einem üppigen Thai-Mal. Das hat schon etwas von Urlaub hier in diesem Thailand!