04.01.2010 (m) – Bootsfahrt von Nong Khiao – Muang Khoua

Geburtstagsfrühstück in Laos! Mal was anderes. Vor unseren Bambusbungalows warten gleich mal ein paar Glückwünsche von Frau und Freunden auf mich (ich durfte länger schlafen, während die anderen die Boots-Tickets organisiert haben), ehe wir uns zu Fuß zum Restaurant von gestern Abend aufmachen. Großartig anders als sonst sieht aber der gedeckte Tisch dann auch nicht aus: Nudelsuppen, Pancake, Rührei, Baguette. Die Wartezeit auf die einzelnen Gerichte werden mir mittels “Geschenketüte” verkürzt. Ich ziehe Mentos (für die Lenkertasche), einenen “Ethno”-Kissenüberzug (für den sauberen Schlaf), M&Ms (auch für die Lenkertasche) und neue Socken (wohl erster Linie für die anderen ;-)).
Wir können uns genügend Zeit lassen, legt das Boot doch erst um 11 Uhr ab. Gemütlich trudeln wir am Bootsanleger ein, wo sich schon eine ganze Menge anderer Traveller eingefunden haben. Eine bunte Mischung aus aller Welt, besonders lustig die Spezies “Pseudoaussteiger”: “Muang Ngoi is’ geil, keen Schtrom, keene Schtraaaßn…aber sau kalt, ik muss in’n Süd’n.” Je länger wir warten, desto mehr Trubel entsteht. Boote komme (aus Luang Prabang), Boote werden gefüllt und überfüllt, bunte Taschen und Rucksäcke über mehrere Gefährte hinweggehievt, ein- und ausgeladen. Wer dabei den Überblick behält, ist nicht so ganz klar, aber letztlich sitzt jeder irgendwo drin und auch unsere Räder sind im Heck bzw. auf dem Dach verstaut. Zusammen mit zwei Radl-Franzosen und deren Bikes sind stolze sechs Räder auf dem 1,5m breiten und 8m langen Schiffle verzurrt. Unsere Barke ist auch gut mit Laoten gefüllt, so dass die anstehenden sechs Stunden Fahrt nicht gerade gemütlich zu versprechen werden. Als alle mit der Abfahrt rechnen, müssen wir in einer Blitzaktion das Boot wechseln, Gepäck wird wahllos umgeladen. Man verspricht uns, dass wir im nächsten Ort wieder umsteigen…
So ist die erste Fahrstunde doch recht komfortabel, da wir nur mir weiteren vier Leuten reisen müssen. Die Fahrt durch die tolle Flusslandschaft macht Spaß, die Stromschnellen, die der Skipper gekonnt durchfährt muten teilweise recht abenteuerlich an. Wenn man sein Schiff und das Gewässer kennt, ist’s aber wohl nur halb so wild wie es aussieht. Recht schnell ist also unsere Umsteigestelle erreicht, wo wir auf das ursprüngliche Gefährt umsteigen. Noch immer ist
es sehr voll, so dass der Kahn nur mit Hilfe mehrere kräftiger Männer aus dem seichten Uferbereich wieder ins Fahrwasser gebracht werden kann. Katrin hält den Betrieb noch zusätzlich auf, da sie sich in den Ort aufgemacht hat, um “Fahrtbier” zu kaufen. Schließlich muss die Geburtstagsfeier heute auf dem Fluss steigen.
Na ja, so richtig von einer Feier kann nicht die Rede sein, aber gemütlich ist es allemal. Weiter geht die Fahrt auf dem malerischen Nam Ou, immer wieder ragen steile Karstfelsen auf, lassen sich kleine Dörfer am Ufer und deren Bewohner beobachten, die im Fluss nach Algen tauchen. Zahlreiche Stromschnellen und Zwischenstopps später, bei denen Waren ausgeliefert werden, Passagiere ein- und aussteigen können und auch einfach mal nur Feuerholz gesammelt wird, erreichen wir die Anlegestelle von Muang Khoua. Das Licht der untergehenden Sonne taucht die Szenerie in schöne Farben. Kinder tollen im Fluss umher, die letzten Wäschstücke werden ausgewrungen und kleine Boote am Ufer verzurrt. Auf der anderen Flusseite zweigt die neue Straße nach Vietnam ab, die allerdings noch recht staubig wirkt. Der Ort ist nicht viel mehr als ein Straßendorf mit einem halben Dutzend Gästehäusern, Restaurants und Läden. Eine neue, breite, sich im Bau befindliche Straße am Dorf vorbei kündigt wohl von der Hoffnung, dass die neue Vietnam-Verbindung Impulse für die Region bringen soll. In einigen Jahren könnte es hier also schon anders aussehen. Bis dato ist alles noch idyllisch, ländlich und verschlafen.
Wir schauen uns ein paar Gästehäuser an – same, same – und wählen das in unseren Augen Beste aus. Zum Abendessen sind es nur 50 Meter und wir speisen auf einer überdachten Terrasse mit den beiden Franzosn Emile und Lolo, die wir ja bereits vom Boot her kennen. Philips Zunge ist
nach Betelgnuss auf dem Schiff (dank einer erfahrenen, alten Laotin) wieder soweit in Takt, dass auch er essen kann und sogar etwas von dem Rotwein schmeckt, den die drei aus Luang Prabang zu meinem Ehrentag bis hierher mitgeschleppt haben. Der Chilenische Rote schmeckt in sehr lustiger Runde und erst das Ende der Stromversorgung für diesen Tag um 22 Uhr vertreibt uns in die Falle.