12.05.2010 (k) Fukuoka

„Doits? Ah, doits? … America? Canada?“, „No America! Doits!“, “Ah ah … ah, doits. Hm.” So die erste Nikolausi-Osterhasi-Konversation des Tages, die sich noch ein wenig in die Länge zieht. Wir sind im Park vor der Busstation, wo wir immer unser Gepäck einschließen und tauschen Molles hinteren Mantel und die Kette aus. Dabei haben wir Gesellschaft von einigen Park-Dauergästen, die froh sind, mal etwas anderes als hastende Geschäftsleute zu sehen. Ja und dann kommt es zu solch interessanten Gesprächen. Den Rest des Monologs verstehen wir sowieso nicht und nicken daher nur freundlich. Ein Passant mit Fahrradreparaturerfahrung hält kurz an, schaut und greift dann beherzt ein, als er mich mit dem neuen Mantel und dem Schlauch hantieren sieht. Er zieht das Ding schneller auf, als ich sehen kann und ich bedanke mich. Als wir die Kette wechseln, haben sich die meisten schon wieder auf ihr Bänklein verzogen, wo sie in der Sonne schlafen oder ratschen. Einer kommt nochmal herüber, als er sieht, dass wir mit der Arbeit fertig sind: „Handu – washu“, sagt er und deutet auf die Solaria-Plaza, „toiletu – soapu“, fügt er hinzu, während er sich die Hände reibt als wasche er sie sich. Ungelogen: die Japaner hängen an alle englischen Wörter entweder u oder o an. Im Lokal kannst du „raisu“ als Beilage bestellen oder ein „bierru“ zum Trinken. Kann sein, dass man darauf aber „waito“ muss. Der Wächter vor dem chinesischen Konsulat in Nagasaki fragt schon einmal nach unserem „Cantru“, und schiebt nach unserem Zögern wegen Nichtverstehens gleich nach: „America?“. Einem Passanten, der uns in einer Kleinstadt meint, den Weg nach Fukuoka auf der Karte zeigen zu müssen (wir hatten nur kurz überlegt, welche Route wir einschlagen wollen und er meinte, wir wüssten nicht wohin), müssen wir schon mal klar machen, dass wir nicht die „reddo“ Straßen nehmen wollen, weil die immer so stark befahren sind, sondern dass wir entweder die „griinu“ 12 oder die „ieru“ 44 nehmen werden, da grüne und gelbe Straßen Nebenstraßen sind.

Achja, wo wir gerade dabei sind und morgen Japan ja schon wieder den Rücken kehren, hier noch ein paar japanische Besonderheiten: fast alle parken rückwärts ein; für Ein- und Ausfahrten sowie Parkplätze und Baustellen aller Art gibt es extra Fähnchen- oder Leuchtstabschwenker in Uniform, die den Menschen helfen, die anspruchsvollen und gefährlichen Situation zu meistern; ein ganz großer Prozentsatz der Frauen ist zu Puppen mutiert; in Städten und Orten und dazwischen gibt es einfach keine öffentlichen Abfalleimer; fährt man geradewegs auf ein Gegenüber zu und es kommt zum Beinahe-Zusammenstoß und man lacht und grinst oder spritzt man seine Jacke im Lokal mit Mayonnaise voll und bricht dann vor Lachen ab, verziehen die Mitmenschen keine Miene; die Schuluniformen sind abgrundtief hässlich und bieder; das Rückgeld wird einem ganz ordentlich vorgezählt, man bekommt zuerst die Scheine präsentiert, dann die Münzen; Einpacken von Eingepacktem ist groß in Mode; auch Online-Dauerballerspieler schlafen irgendwann mit dem Kopf im Aschenbecher ein.

Als ich wieder cleanu Hände habe, klappern wir noch zwei Radläden auf der Suche nach einer zweiten Neunfachkette ab, in denen wir gestern nicht gefragt hatten. Kein Erfolg, nicht auf Lager. Na, wenigstens noch einen Satz Bremsklötze können wir ergattern. Die Ausstattung der superedlen Läden ist wirklich jämmerlich. Es scheint, als kauften die Japaner nur Ganzräder oder aber wenn schon Ersatzteile, dann nur vom Feinsten. Mit einer 25-Euro-Kette möchte ich meinen Steppenwolf dann aber doch nicht behängen und 60 Euro für einen neuen Ersatzmantel ist uns auch ein wenig zu viel, weshalb der alte Mantel jetzt einfach als Notreserve unten in den Rucksack kommt. So tingeln wir eben wieder zurück zum Sportgeschäft im Canal City Komplex (was für ein blöder Name, oder? Canal City!), die haben immerhin die Ketten vorrätig. Da es unterdessen schon wieder Essenszeit ist, fahren wir einen Stock höher und genießen nochmal eine Ramen Suppe im „Raumen Stadium“. Wir tauschen auch meine Kette und sind soweit wieder gut gerüstet für China, sofern die Felgen noch eine Weile durchhalten. Wir tingeln noch für den Rest des Tages durch die Gassen und Straßen der Stadt, lassen natürlich einen Kaffee-Stopp nicht aus und kaufen am Ende im Supermarkt für die abendliche „Brotzeit“ im Internetzimmer ein. Glücklicherweise ergattern wir noch einen freien Pärchenraum. Heute läuft ein Film im Kino: Gernstls Reisen. Sehr zu empfehlen!