09.08.2012 Guillestre – Briancon

Die postiven Erfahrungen des Vortags, mit den früheren Morgenstunden und den damit verbundenen kühleren Temperaturen, haben uns dazu motiviert, erneut zeitig aufzubrechen. 7:30 Uhr zeigt die Uhr, als wir uns aus den Plastikplanen wälzen und die Morgeroutine in Gang setzen. Zum Frühstück gibt’s Bohnen-Mais-Reste vom Vorabend. Dirk isst seine Ration nur widerwillig, kann aber ob meines gestrengen Blickes und mangelnder Alternativen nicht anders. Spätestens als sich herausstellt, dass bis zur Passhöhe keine Einkaufsmöglichkeit mehr besteht, ist er mir vermutlich, wenn auch im Stillen, sehr dankbar. 17 Kilometer gilt es bis zur Abzweigung zum Pass zu überwinden. Es ist jedoch nur mäßig steil, landschaftlich atemberaubend und zudem ziemlich kühl, ja fast kalt. Es läuft also recht gut und nach etwa eineinhalb Stunden sind wir da. Geradeaus gehts zum Col d’Agnel, der einem wiederum die Chance böte nach Italien zu reisen, links wartet der Col d’Izoard, ein weiterer Kollege, der sich uns im Rahmen der „Route des Grandes Alpes“ in den Weg stellt. 2360m prangert auf den Schildern, die jeden Kilometer freundlich zwinkernd die aktuelle Höhe und die verbleibende Strecke zum Col ausrufen. Nach vier schweißtreibenden, steilen Kilometern erreichen wir Arvieux, das mit einem feudalen Frühstück aufwarten kann. Hausgemachte Torteletts, Crumble, Pain au Chocolat und ein Pizzastück, dazu vier Kaffee. Das gibt Power für die folgende Kletterei. Und die soll es in sich haben. Die folgenden Kilometer aus dem Ort heraus sind brutal. Brutal steil, brutal gerade, brutal heiß. Doch mit Erreichen der Kehren wird es freundlicher. Man schraubt sich aus dem Tal, kann mehr Ausblicke genießen und die Serpentinen halten eine gewisse Spannung bereit, wie es denn danach weitergehen mag. Mit vielen Trinkpausen angereichert erreichen wir die Casse Desserte. Eine riesige Felswand, die wie eine große Kiesgrube wirkt. Die Straße ist abenteuerlich da hindurchgelegt. Man kann sich vorstellen, dass hier einige Male im Jahr ein Haufen von dem Schotter über die Straße rutscht und Aufräumarbeiten erforderlich macht. Heute ist alles trocken und stabil, so dass wir die gigantische Landschaft gefahrlos genießen können. Ein netter Franzose gönnt sich am Aussichtspunkt nach seiner morgendlichen Wanderung ein Gläschen Rosé und wir parlieren ein Viertelstündchen über Frankreich, Urlaub, Lehrer und Merkel. Das Wichtigste in 15 Minuten…

Noch zwei Kilometer geht es steil bergan, ehe wir an der Siegessäule des Col d’Izoard posieren können. Der Ausblick ist herrlich, Dirk stärkt sich mit Gummibärchen vom Marktstand und schon tauchen wir ab ins nächste Tal. Erst an der Izoard entlang, dann der Cerveyrette folgend. Die heiße Luft düst schon wieder aus dem Tal nach oben, wir sind froh, dass unser Tagwerk vollbracht ist und wir die Beine baumeln lassen können. Briancon ist ein quirliger Ort am Hang, der dem Sommer- wie Wintertourist alles Nötige bietet. Das Highlight hier ist die umgebende Natur und deswegen sind wir ja auch da. Trotzdem ist der Ort eine gute Basis für einen Tag Erholung. Für den Abend gönnen wir uns frische Ravioli mit Schinken-Pilz-Roquefort-Sahne und Ricotta-Tomate. Extremst lecker. Der obligatorische Rosé könnte etwas kühler sein, mundet dazu aber dennoch vorzüglich. Wir rumpeln ein wenig später in die Zelte, ist doch morgen Aussschlafen angesetzt.

2012-08-09