10.08.2010 (k) Silkeborg – Kolding mit dem Zug, 12km bis zum Camping

Wollte man unserer Reise eine Überschrift geben, so könnte sie lauten, meinte Molle bereits, als wir vor einem Jahr im Zug nach Kasachstan saßen. Da war uns schon klar, dass uns auf unserer Reise Züge immer wieder ein Stück weiter tragen würden. Zug und Fahrrad ergänzen sich einfach, sie sind in unseren Augen füreinander geschaffen. Auch heute ergreifen wir wieder die Chance, aufs Feuerross umzusteigen, denn in drei Tagen bis nach Flensburg zu strampeln wäre zwar möglich, aber nicht ganz fair gegenüber René, der hier schließlich keine Mission erfüllen, sondern einen Sommerurlaub genießen will. Die Sonne lacht bis in unser Wäldchen hinein und wir beginnen den Tag spät mit einem ausgedehnten Brunch, bei dem die Chiligriller allerdings auch wieder durchfallen. Wir laufen um 12.00 Uhr am Bahnhof ein und kaufen Karten nach Kolding. Nur eine halbe Stunde später startet eine annehmbare Verbindung, mit zweimal umsteigen, aber problemlosem Fahrradtransport. Genau zwei Stunden später hüpfen wir in Kolding aus dem Zug. Die dänische Bahn zeigt vorbildmäßig, wie einfach das Prinzip „Drahtesel und Feuerross“ umzusetzen ist. Der Stadt kehren wir sogleich den Rücken, wir wenden unser Gesicht dem Wind, der vom Meer her weht, zu. Nur zwölf Kilometer sind es bis zum ersten Camping am Strand der Ostküste, doch mit Hunger im Bauch und dem Sturm von vorn sind es gefühlte 25. Ein Vier-Sterne-Elite-Camp steht vor uns – ja, warum sich nicht mal was gönnen? Der Platz ist schön, was ihn allerdings zur Elite hat werden lassen, ist nicht ganz nachvollziehbar. Dann doch lieber ein bisschen weniger elitär und beispielsweise ein kostenloses W-Lan, für das man hier 7 Euro am Tag bezahlen müsste, wenn man es wollte. Der Wind weht noch immer stark vom Meer her und vergrault René und mir die Badeabsicht. Molle hat es da gleich klüger gemacht und von vornherein ein Bad im Meer ausgeschlossen. So sehen wir eben eine Weile den Kyte-Surfern zu, wie sie irrsinnig schnell übers Wasser brettern und sich für Sprünge hoch hinauf in die Luft ziehen lassen. Kyte-Surfen steht übrigens auf René bucket-list. Der Rest des Nachmittags gilt wie beabsichtig der Erholung. Jeder tut dies auf seine Weise. Zum Nachtessen versammeln sich dann wieder alle um die übriggebliebenen Leckereien vom gestrigen Abend. Morgen geht es noch einmal für zwei Etappen aufs Rad. Dann haben wir, wenn alles klappt, Deutschland erreicht. Das Feuerross wird uns und unsere Drahtesel dann zurück ins Allgäu bringen.