17.07.2010 (k) Mökeren – Oppaker: 72 km, 530 Hm

Mitten in der Nacht kommen sie an. Die Besitzer des fest installierten Wohnwagens mit Terrasse und Vorzelt aus Holz. Wir haben eng an ihrem Territorium unsere Zelte errichtet, Matze rechnet schon mit einem Anschiss am Morgen. Doch die Dame grüßt nur kurz, als wir beim Frühstück sitzen und verschwindet dann mit dem Auto. Vielleicht einkaufen fürs Wochenende. Das wollen wir auch, und sogar noch ein paar Dinge mehr. Deshalb machen wir uns zeitig auf nach Kongsvinger, der womöglich größten norwegischen Stadt innerhalb der kommenden Woche. Handykarte, Wollshirt, Straßenkarte und Notizbuch, das sind so die Wünsche von Molle, Matze und Uli in dieser Reihenfolge. Ich benötige nichts Spezielles. Die 30 Kilometer ziehen sich ziemlich, denn die Straße wellt sich ganz nett. Leichter Regen begleitet uns, und wenn er uns auch nicht richtig nass kriegt, so schafft das dann doch die Regenjacke von innen. Beim ersten Einkaufskomplex singen drei Männer und Frauen in den 70gern zu ihren Akkordeons und Gitarren inbrünstig Heilsarmee-Lieder. Wir spenden ein paar übriggebliebene schwedische Kronen. Bei der zweiten „Shopping Mall“ werden dann die Männer auch noch fündig. Matze ersteht ein schönes neues Wollshirt der norwegischen Hausmarke und Molle macht sich wieder mobil. Sehr gut, damit wir immer wissen, wo wir sind und wo es langgehen könnte. Den Supermarkt beehren wir auch noch, um Nudeln für den Abend und einen Mittagssnack zu holen. Dabei können wir die Körbe jetzt aber nicht mehr so locker füllen wie in Schweden. Das Preisniveau ist wie erwartet um einiges höher und wir müssen uns erst einmal orientieren und genau hinsehen, um nicht z. B. in einer Bierfalle jämmerlich wie eine Wespe zu ersaufen. Unter dem Vordach verzehren wir unsere Leckereien und warten, dass der Regen aufhört. Zunächst scheint das eine Illusion, doch irgendwann bricht tatsächlich die Sonne durch das Grau und wir gehen unsere zweite Etappenhälfte an. Trockenen Hauptes schaffen wir die 40 Kilometer bis zum netten Flusscamping in Oppaker. Wir bekommen sogar einen richtig guten Fernradler-Sonderpreis nur durch Erzählen, welche Wege wir jeweils hinter uns haben. Jetzt haben die Jungs wahrscheinlich einen Grund, dass immer wir Mädels einchecken müssen! Als wir vor dem Abendessen zu dritt im Gemeinschaftsraum sitzen und uns die Blogs der vergangenen Tage vorlesen, kommt just in dem Moment, wo es um die Angelmisserfolge geht, ein strahlender Matze zur Tür herein und ruft: „Fotosession!“ Er präsentiert einen 83 Zentimeter Hecht! Das war aber auch wichtig, dass der mal wieder was fängt! Der Campingplatzchef schießt sogleich ein Foto von uns mit Fisch vor den Zelten, das er auf seine Homepage stellen will. Dank Matze sind wir jetzt im Internet! Ich erstehe den letzten Sack Kohle vom Kiosk – hoffentlich genügt die, um dem Riesenhecht ordentlich einzuheizen! Dazu Penne All’rabiata – Fusion Food nennt sich das glaube ich.