15.10.2009 (m) – Lange sind wir nun schon in China, ganze sieben Wochen. Länger wollen wir noch bleiben und das geht nur, wenn man ein gültiges Visum hat. So steht der Tag heute ganz im Zeichen der Verlängerung. Wir frühstücken hastig, werfen uns in unsere besten Klamotten, die wir nach fast drei Wochen ohne Wäscheservice noch haben: die Wahl fällt auf unsere einzige Jeans, zusammen mit dem Allzweck Sabbatradler-Shirt und unserer einzigen Jacke. Sieht wie schon seit Wochen sehr schick aus. Dank Google Maps wissen wir auch genau, wo das PSB (Public Security Buerau) in der Stadt liegt. Wir brausen mit den Rädern dorthin und treten gespannt und mit einem breiten Lächeln ein. Aus Xining, wo man uns etwas rau und unfreundlich behandelt hat, sind wir vorgewarnt und wir hatten ja auch gelesen, dass eine zweite Verlängerung nur Ermessenssache des jeweiligen Amts sei. Am Tresen empfängt uns ein freundlicher junger Mann mit einem „What can I do for you?“. Ja sowas. Wir würden gerne die Visa verlängern, ah ja, hier die Formulare, der Kopierer für die Pässe steht da drüben, Klebstoff und Stifte hier vorne…wir sind begeistert und füllen brav alle Formulare aus. Als die Bearbeitung weitergehen soll, stockt er allerdings, er könne unsere Registrierung im Internet nicht finden. Anruf beim Hotel – das sehr neu ist und von jungen und unerfahrenen Leuten geleitet wird – und Mitteilung an uns: zurückfahren, registrieren und wiederkommen. Also wieder rauf auf die Bikes und quer durch die Stadt zum Hotel. An der Rezeption werden wir freundlich angelacht, sonst passiert nichts. Mühsam versuchen wir ihnen zu erklären, was wir brauchen. Ach so, jaja, Pass wird gescannt, Daten wild eingetippt, drei, vier Leute versammeln sich, jeder weiß noch etwas mehr…Nach einer halben Stunde, jetzt sei alles klar, kein Problem.

Zurück beim Amt: nein, im Internet könne er nach wie vor nichts finden, kleiner Tipp, kurz vor der Verlängerung besser in einem großen Hotel absteigen! Ein Officer nimmt sich nun unserer Papiere an, verschwindet in einem Zimmer, kommt wenig später wieder heraus und fordert die Quittung vom Hotel. Die kopieren wir und das wird als Nachweis zu den Akten geheftet. Warum denn nicht gleich so? Jetzt erhalten wir einen Beleg, mit dem wir zur Bank of China eilen, dort die Gebühr von je 160 Yuan einzahlen und den gestempelten Beleg zurückbringen sollen.

Nun ist Mittag: erschöpft suchen wir ein Lokal auf, in dem es von Geschäftsleuten wimmelt. Jeder mit einem Silbertablett vor sich. Darin drei verschiedene Gerichte und Reis und ein LÖFFEL. Wir ordern zwei Essensmarken zu je 60 Cent und erhalten ebenfalls ein solches Speisentablett. Ich hole Stäbchen. Am Tisch angelangt, begrüßen uns zwei Chinesen, die dort schon stopfen und als ich beginne mit den Stäbchen zu essen: „Bu jao“ – „nicht gut“. Hä? Als ich den Blick schweifen lassen…alle löffeln ihr Mittagessen. Naja, nichts leichter als das. Schaufeln wir nach langer Zeit auch mal wieder und es schmeckt lecker.

Nach der dem Essen geben wir also die Quittung ab, lassen noch Passfotos auf Vorrat machen und putzen dann im Hotel die Räder, schreiben ein paar E-Mails und planen ein bisschen die Weiterreise. Heute Abend lassen wir die Räder wieder im Zimmer und werden mal in der anderen Richtung nach einem geeigneten Abendessen suchen. Meist muss man nicht viel mehr als ein paar hundert Meter laufen, um gut zu essen. Das wird hoffentlich auch heute nicht anders sein.