29.09.2009 (m) – Qunke – Hualong: 53km, 1200Hm

„Mei you, mei you (chins.: gibt es nicht)!!“ meint der Mofafahrer. Ne, eine Nebenstraße nach Ost/Nordost und damit für uns nach Hualong, davon wisse er nichts. Und so stellen wir uns auf den langen Weg zurück in den Ort Zaba ein, den wir gestern schon durchquert haben. Denn auf irgendeine Staubstraße einbiegen, die dann nach 1000 Hm im Nichts endet – nein danke! Also fahren wir zähneknirschend wieder flussaufwärts und nach Norden, zwei Dinge, die für heute so gar nicht auf dem Programm standen. Ein blaues Verkehrsschild weckt aber nochmal kurz unser Interesse. Es gibt nämlich noch eine zweite Nebenstraße, nicht ganz die Ideallinie, aber dennoch besser für die Psyche.

Lehmhäuser, Ziegelhäuser im Bau, Betonplatten-Straßen, Nutzvieh und jede Menge bäuerliches Leben begleiten uns ab hier für vier Stunden bergan. Wie schon gestern steht alles im Zeichen der Korndresche und Trocknung der Reste – Handarbeit, wie sie ursprünglicher nicht sein könnte. Das Ende der Straße, kurz bevor diese wieder auf die Hauptstraße 202 trifft, ist vor lauter Heubergen kaum noch befahrbar. Ohnehin gestaltet sich die gesamte Strecke als äußerst mühsam: Nebenstraßen sind ja schön, viel ruhiger und näher am Leben, aber meist auch viel steiler. Damit ist alles gesagt.

Das dröhnende Hupen eines LKWs heißt uns willkommen zurück auf der Hauptstraße. Einer rasanten Abfahrt, umgeben von kahlen Hügeln und Bergen in rot- und brauntönen, folgen nochmals langgezogene 300Hm bis zum Pass. Das Wetter zeigt sich zunehmend von seiner raueren Seite, die Sonne ist längst dicken, dunklen Wolkengebilden gewichen, die wie ungewaschene Gardinen weit herunter hängen. Der Wind bläst stramm von vorn. 40km stünden noch auf dem Programm, als wir Hualong gegen 15 Uhr erreichen, doch nach den mühsam eroberten Höhenmetern von heute ist uns so gar nicht mehr nach einer kalten Dusche von oben. Nach einigem Zaudern, beschließen wir doch, das örtliche Hotel, das sehr ordentlich ist, zu beziehen.

Nachdem wir unter der Dusche von einem warmen Strahl zum nächsten gehüpft sind, ist uns zwar nicht warm, aber immerhin können wir wieder unter Leute. Insgesamt vier Polizisten rocken noch unser Zimmer, bis die Pässe kopiert, die Registrierung ausgefüllt und alle Klarheiten beseitigt sind. Kann der chinesische Staat nicht mal einen Polizisten pro Ort in einen Englischkurs zwingen? Unterdessen spricht jeder zwölfjährige besser Englisch als die Freunde und Helfer aus dem Reich der Mitte. Setzen, 6!

29Sep2009