18.08.2011 (k) – Bergovici – Lastva: km, Hm
Richtig gut geschlafen haben wir in unserem Viererbungalow, das uns schon sehr an ein chinesisches Lüguan (Gasthaus) erinnert hat. Ein türkischer Mokka der Besitzerin bringt uns auf die Höhe und wir brechen einmal für unsere Verhältnisse recht früh auf. Der Vorteil zeigt sich gleich: plötzlich sind Menschen am Wegesrand zu sehen: sie treiben die Kühe und Schafe auf die Felder, sie hängen Wäsche auf, kehren den Hof, rechen frisch gemähtes Gras, stechen Heuballen auf Mistgaben, versorgen Hühner, ernten Tomaten, … Unserem Auge bietet sich eine friedliche, morgendliche, bäuerliche Idylle in einem wunderschönen Hochtal, das von felsigen Bergrücken begrenzt wird. Zahlreiche Stilleben werfen sich vor die Linsen der Fotoapparate, die dementsprechend oft klicken. Sehr einfach scheinen die Menschen hier noch (zu) leben (zu müssen). Einmal mehr zieht uns das China-Bild durch den Kopf und wir glauben uns nicht in einem Land inmitten Europas. Hügelig geht es bis Bileca, dem nächstgrößeren Ort an der Hauptstraße gelegen, den wir ursprünglich gestern noch erreichen wollten. Diese 40 Kilometer hätten wir aber sicherlich nur verflucht, ebensowenig hätten wir unser Ziel noch bei Tageslicht erreicht. Nun können wir hier gemütlich eine Cappuccinopause einlegen, in einem Café, das wunderschön auf einem riesigen schattigen Platz aufgebaut wurde. Die anschließende Brotzeitpause macht uns stark für die weiteren Herausforderungen des Tages. Wir schrauben uns kurz hinter der Stadt am Westufer des … Sees hinauf. Die Hitze ist bereits wieder extrem. Eine Frau kommt uns mit einer Schubkarre entgegen, sie hat Kräuter geladen und diversen Schrott, den sie wohl aus der Müllkippe hat, die sich von oben in Richtung See die Hänge hinunterwirft. Sie sieht wesentlich älter aus, als sie wahrscheinlich ist. Dem See fehlen einige Meter Wasser, er sieht erbärmlich aus in seiner sommerlichen Trockenheit. Am Horizont zeichnen sich blaue Bergketten ab: Montenegro! Der Weg bis zur Grenze kostet uns noch einige Liter Schweiß. Die Straße ist natürlich mal wieder völlig der Sonne ausgesetzt, steigt kontinuierlich mit nicht wenigen Prozenten an und von Wind kann keine Rede sein. Ein kleiner Waldbrand züngelt neben uns her, es scheint niemanden zu kümmern. Im Anstiegt dann die Grenzanlagen. Freundlich werden wir aus Bosnien entlassen, ebenso in Montenegro empfangen. Ein LKW-Fahrer, der italienisch spricht schaut bei Steffi auf die Karte und erklärt, dass es ab Vilus nur noch bergab geht. Die Vorfreude steigt! Doch sie muss noch lange vorhalten, denn bis wir letztlich an diesem Punkt angelangt sein werden, vergehen noch ein paar Stunden des Tretens. Eine wunderschöne, kleine Teerstraße zeigt uns die ersten Kilometer Montenegros. Sie schlängelt sich durch eine Macchia-ähnliche Landschaft, man kann gar nicht erkennen, wo die nächsten hundert Meter sind. Immer wieder eine neue Kurve, manchmal taucht ein Sattelschlepper auf, der aussieht, als wäre er von einem fremden Planeten auf eine viel zu kleine Straße gesetzt worden sein. Die Hauptstraße will und will nicht erscheinen, da hilft es nichts, als noch einmal eine kollektive Essensaufnahme in einer schattigen Kurve zu veranlassen, bevor alle im Unterzucker verschwinden. Fast ohne Wasser erreichen wir endlich die S…, die Nicksic mit der Grenze zu Bosnien verbindet. Noch 4 Kilometer steigt die Passstraße gemäßigt an, dann sind wir am höchsten Punkt. Wenn der LKW Fahrer wüsste, wie lange das nun gedauert hat! In der Abfahrt steht ein nagelneuer montenegrinischer Grenzübergang – erbaut mit EU-Mitteln 2010. Nach wenigen Stunden verlassen wir also das Land wieder, denn wir wollen auf einen Campingplatz, der in der Karte hier im Tal verzeichnet ist und morgen auf einer anderen Route wieder einreisen. Ein erster Einblick, ein Augenblinzler Montenegro war’s für heute. Die Abfahrt vom Pass ist atemberaubend. Wir sehen hinunter auf eine eindrucksvolle Schlucht und die zerklüfteten Berge – so stellen wir uns Montenegro vor. Aber dieser Teil liegt glauben wir schon wieder in Bosnien. Toll, so oder so. Gut 10 Kilometer genießen wir jede Kurve der tollen, fast unbefahrenen Straße im goldenen Abendlicht. Im Tal finden wir einen kleinen Laden, in dem wir uns mit dem nötigsten – Bier, Wasser, Wein – eindecken können und außerdem in Erfahrung bringen, dass der Campingplatz (dessen Existenz wir uns noch nicht so ganz sicher waren, auch wenn er in der Karte eingezeichnet war) nur noch wenige hundert Meter weg ist. So biegen wir kurz später eine Dreckstraße zum Fluss hinunter und dürfen auf dem kleinen, staubigen Platz für 10 Euro alle zusammen unser Lager aufstellen. Ein französisches Wohnmobil und ein italienischer Landrover mit Familie scheinen die einzigen anderen “ausländischen” Touristen zu sein. Die nagelneuen Bungalowhäuschen werden zwei Stunden später von 25 Jugendlichen einer serbischen Jugendreise bevölkert. Der Fluss … ist extra zum Baden aufgestaut. Steffi und ich genießen die kühle Flut – genau das, worauf wir den ganzen Tag gewartet haben! Einfach genial! Auch Markus stürzt sich kurz hinein. Die Pasta-Party folgt auf den Fuß. Wichtig, denn morgen rufen erneut die Berge Montenegros – und dann ist es nicht nur ein kurzer Einblick!

18Aug2011