07.02.2010 (m) – Mengyang – Dadugang: 49km, 1000Hm

Nerviger Kläffer! Auf wundersame Weise haben wir also in diesem kleinen Ort ein brandneues Hotel vorgefunden, in dessen Honeymoon-Suite wir für zehn Euro nächtigen dürfen, da muss dieser verdammte Köter bereits vor Morgengrauen irgendwas kundtun. Eine Ladung Oropax verhilft mir (Katrin schläft bei jedem Krach) noch zur notwendigen Mütze Schlaf, so dass wir nicht schon um sechs Uhr starten müssen. Die Temperatur spräche ohnehin dagegen. Durch die Zeitumstellung (+1) ist es auf Südostasien gerechnet um neun Uhr ja erst acht Uhr – alles klar? Eben. Und darum spielt das uns Langschläfern voll in die Karten, weil wir länger schlafen können und es trotzdem noch nicht so heiß ist!
Demnach nehmen wir, die Jacke bis zum Kragen zugereißverschlusst, unsere Suppe in der Morgenkühle ein. Apropos Suppe – lange nicht erwähnt, gell: endlich keine lange Suche mehr, eine Suppenküche samt leckerem Gebräu findet sich an jeder Ecke. Und endlich fragt keiner mehr: “You like French Toast, sgremml egg or frai?”. Hier gibt es Suppe, wer was anderes will, hat eben Pech. Und wir bevorzugen eh’ den “chinese way of breakfast”. Kurz schlendern wir noch über die Mengyang’sche “Fressgass”, wo in überdimensionalen Woks die Gerichte fürs Mittagessen bereitet werden. Eine Augenweide, hier zuzusehen. Hätten wir nicht eben erst eine Suppe…na, lassen wir das. Wir haben ja auch noch einen anderen Auftrag. Kurz nach dem Ort teilt sich die Straße, rechts geht es auf den drei Jahre alten Super-Highway, links verläuft die fühere Haupt-, jetzt Nebenstraße 213. Alle Autos und LKW biegen rechts ab, wir links. Sogleich windet sich die Straße über einen ersten Berg. Der Superhighway bleibt hier noch in Steinwurfweite (zwischen 10 und 50m, je nachdem ob Katrin oder ich werfen würden). Manchmal reicht auch der Wurf zwei Meter senkrecht nach oben, dann, wenn man eine der Brücken unterfährt. Das klingt jetzt alles sehr unromantisch, ist es aber nicht. Oftmals ist der Highway schon wieder von Pflanzen verdeckt. Außerdem ist die alte Straße in gutem Zustand und quasi autofrei. Die Steigungsgrade sind weder laotisch noch thailändisch und so kommt richtige Fahrfreude im Anstieg auf. Nach dem ersten Minipass folgt eine Abfahrt zum Sanchahe-Nationalpark. Dieser ist berühmt für seine wildlebenden Elefanten, die sich aber derzeit mehr als genervt fühlen uund wie bereits erwähnt, wahlweise Baumhäuser oder Touristen oder beides niedertrampeln. Daher ist der Park jetzt zu und die Touris müssen mit einer Gondel drüberfahren oder im Eingangsbereich zu nervtötender Musik tanzende Elefanten oder gerne auch mal “Hilltribes” beklatschen. Die 30-40 Busse lassen erahnen, dass doch hin und wieder einmal jemand soetwas bucht. Wir rollen weiter und ab hier wird die Straße noch viel besser. Der Highway verschwindet nun gänzlich außer Sichtweite und wir tauchen im Urwald ab. Herrlich windet sich das Sträßlein hinauf. Vogelzwitschern und wildes Zirpen sind ständige Begleiter. Ab und zu muss mal ein überholendes oder entgegenkommendes Mofa gegrüßt werden oder dem ein oder anderen Bewohner ein Lächeln zugeworfen werden, ansonsten gilt: nur Natur. Kurz vor Dadugang, dem heutigen Etappenziel, tauchen erste Teeplantagen auf. Wir befinden uns ja schließlich auch auf der Achse Simao – Puer (wer kennt diesen Tee?). Natürlich ist eine Teeplantage das krasse Gegenteil von Urwald, aber interessant und schön anzusehen sind auch diese. Bis zur Hüfte stehen die Menschen
in den Sträuchern und zupfen. Bald geht’s richtig los, ab März steigt das volle Ernte- und Produktionsprogramm. Auffällig an dieser Strecke heute ist noch, dass viele Gebäude, wohl ehemals Geschäfte und Restsurants, verfallen und verlassen sind. Die Kehrseite des neuen Highways. Früher lief halt der ganze Verkehr hier durch, heute braucht niemand mehr Zigaretten, Wasser, Benzin oder eine stärkende
Mahlzeit.
Dadugang ist eine kleine Siedlung, nicht viel mehr als ein Straßendorf, aber dennoch erstaunlich quirlig und mit vier Unterkünften gesegnet. Da wir früh dran sind, nehmen wir alle in Augenschein und steigen dann sehr zentral für drei Euro ab. Als wir so im Zimmer sitzen und gemütlich das Ankommen zelebrieren, betritt ein altes Männchen mit Seife unser Zimmer. Ach, das ist ja nett, bringt uns was zum Waschen. Ne, ganz so ist es nicht. Er lächelt freundlich und verschwindet in unserem Bad. Etwas gerotze und gespritze später trottet er hinaus, lächelt noch mal kurz rüber: war was? Hat uns jemand verschwiegen, dass in unserem Raum das Gemeinschftsbad liegt. Na hoffentlich kommt nachher keiner zum Schlafen…
Genau gegenüber unseres Zimmers liegt ein gut aussehendes Restaurant, es ist auch ein bisschen was los – das soll es sein. Zwei junge Mädels kochen für uns auf, ehe sie sich wieder den Badmintonschlägern und dem Hüpfseil widmen. Wir
kehren in die lokale Variante der Honeymoon-Suite zurück und lassen uns mal noch ein wenig von der Hauptstraße beschallen. Na wenigstens kläfft kein Köter.

07Feb2010