11./12.04.2010 (m) – Shodoshima – Takamatsu: 18km, 100Hm und Regentag

Die beiden Radfahrer, die ebenfalls auf dem Campingplatz übernachtet haben, sind so nett, uns einen Fährfahrplan zu geben, da sie aus der Richtung kommen, in die wir wollen. Das hat zur Folge, dass wir den Morgen sehr gemächlich angehen lassen können. Und obwohl schon ein paar dicke, graue Wolken am Himmel herumschieben, ist es warm und recht gemütlich, im weichen Gras mit Meerblick das Frühstück und ein paar Tässchen Kaffee zu genießen. Die Autofähre, die uns nach Shikoku, bringen soll, legt also erst zur Mittagszeit ab. Der Hafen ist nur unweit des Campingplatzes und wir können direkt bis vor das Eingangstor der Fähre rollen. Wieder einmal packen wir die Räder aber dann doch in die Transporthüllen und müssen so nicht die Fahrradgebühr von immerhin knapp sechs Euro bezahlen. Nicht, dass wir unter die Geizhälse gegangen sind, aber man berechne mal den Stundenlohn für lediglich fünf Minuten Arbeit bei Auf- und Abbau!

Eine gute Stunde schippern wir in den bequemen Sesseln der Fähre durch die Inlandsee bis Takamatsu, an der Nordostspitze einer der japanischen Hauptinseln – Shikoku. Obwohl die Stadt wieder recht groß ist, wirkt sie irgendwie gemütlicher als die bisherigen japanischen Städte. Warum das so ist, können wir nicht sagen, vielleicht liegt es aber auch einfach nur daran, dass heute Sonntag ist und die Japaner mit all ihren Autos sonstwo sind, nicht aber in der Stadt. Das Wetter ist immer noch gut, als wir durch die Straßen pedalieren. Wir sind auf der Suche nach einer kräftigen Schüssel Udon-Nudeln, die in Takamatsu besonders schmackhaft sein sollen. Nicht lange dauert es daher auch, bis wir in den Stadtarkaden, die hier sehr großzügig angelegt sind und ganze Straßenzüge überspannen (es scheint dann doch ein-, zweimal im Jahr zu regnen hier…), einen kleine, gut besuchte Nudelküche aufspüren. Auf jeden Fall mundet die Udon-Schale, gefüllt mit hausgemachten, dicken, weißen, Weizennudeln, mit dünn gehobeltem Fleisch getoppt oder wahlweise in einer dicken, würzigen Currysauce schwimmend, hervorragend. Zur weiteren Planung und um mal wieder ein paar E-Mails zu checken, suchen wir etwa eine halbe Stunde lang ein Internetcafé (ja schon blöd, wenn man einfach nichts lesen kann), ehe uns ein Jugendlicher, der ein paar Brocken Englisch spricht, mit seinem Fahrrad zur Internetbude leitet. Wir buchen uns für gut eineinhalb Stunden zwei PCs, was mit gut 10 Euro zu Buche schlägt. Aber, wir brauchen die Infos und die GPS-Daten eben, um hier überhaupt was ausrichten zu können! Das Rauschen einer nassen Fahrbahn, das in das Foyer der Cafés herauftönt, verheißt nichts Gutes. Als wir auf die Straße treten, haben wir’s dann auch nass auf weiß. Es schifft! Wir wägen ab, was zu tun ist, wobei uns bei der Hotelalternative (mit den besagten 80 Euro) immer schnell die Lust vergeht. Wieder eine Nacht im Internetcafé? Nein, dieses ist zur verraucht und ein anders suchen? Schon zu spät, es wird bald dunkel. Glücklicherweise hört es nochmals auf zu regnen und wir nutzen das trockene Fenster um die gut 15 Kilometer zum Campingplatz zu strampeln. Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir den Platz, der wie meist wunderbar gelegen ist und herrliche Zeltplätze bietet. Toiletten und Wasserstellen sind da, was will man mehr? Das Aufbauen muss dann etwas beschleunigt werden, setzt doch gerade ein fieser Nieselregen ein. Wir retten uns noch trocken ins Zelt, als es immer stärker zu regnen beginnt. Glücklicherweise ist es nicht kalt, aber auf Kochen hat auch keiner mehr Lust. Wir haben noch ein Schälchen Sushi  für den ersten Hunger, dann kochen wir ein wenig Wasser für zwei Tütensuppen. Wir quatschen noch ein Weilchen und schlafen erst gegen Mitternacht. Wenig später setzt ein regelrechter Platzregen ein, der bis zum Morgen andauern wird. Das Zelt hält aber gut dicht und wir schlafen trocken und tief. In der Früh stellen wir aber dann fest, dass sich unter unserem Zelt eine riesige Pfütze gesammelt hat. Fühlt sich an, wie im Wasserbett. Nein, hier ist keine Mulde, solche Anfänger sind wir auch nicht. Als wir das Ganze von außen betrachten, stellen wir aber fest, dass wir ziemliches „Glück“ hatten, nur zwei Meter neben uns ist es relativ trocken. Na ja, über die ganze Zeltwiese sind scheinbar nach dem Zufallsprinzip Pfützen verteilt.

Wir schlafen noch eine Runde und schaffen dann die Ausrüstung und das Gepäck zur Spülstelle, die überdacht ist. Wir hängen das Zelt zum Trocknen, so gut es eben geht und vertreiben uns die Zeit mit essen und planen – ja, planen kann man auf Reisen wohl irgendwie immer…

Am frühen Nachmittag beschließen wir zurück in die Stadt zu fahren und ein Hotel zu beziehen, da es einfach nicht aufhören will zu schütten. An der Hauptstraße angelangt, erblicken wir aber dann ein Internetcafé und ein Café der Kette, wo man für 2,90 Euro so viel trinken kann, wie man möchte. Wir kehren dort ein, wärmen und trocknen uns, schreiben Berichte und bearbeiten Fotos. Später wechseln wir dann ins Internetcafé und machen Büroarbeit am PC, ehe wir dann zum Schlafen wieder zur Campsite ziehen. Wir hoffen darauf, dass der benachbarte Onsen (Bad mit heißer Quelle) abends offen hat. Gestern war das Gebäude bis spät abends hell erleuchtet, heute Morgen leider geschlossen. Es wird doch nicht montags Ruhetag haben!?