19.45 – wir sitzen in Wien – Museumsquartier bei einer Dose Ottakringer und beobachten Leute. Stundenlang könnte man so sitzen und diese seltsame Spezies beäugen. Das Leopoldmuseum wird in rot-orangenes Licht getaucht, der blaue Himmel färbt sich allmählich dunkler – es heißt nun aber: Aufbruch! Ich manövriere mein mit ca. 17kg einseitig mit survival-Nahrung aus dem Spar beladenes Fahrrad (das andere Zeug wartet in einem Schließfach am Westbahnhof auf uns) hinter Molle her die Mariahilfstraße hinauf … an einer Eisdiele gibt es noch tre gusti … mit Molles Erkenntnis, dass er wahrscheinlich das nächste halbe Jahr kein Eis essen wird.

20.45 – wir stehen am Bahnsteig Nr. 11 – in 1,5 Std fährt hier der Zug nach Berlin/Warschau/Moskau ab. Es herrscht geschäftiges Treiben am Westbahnhof – besonders interessant ist die Verladung der Motorräder auf den neben uns stehenden Verladezug Richtung …irgendwo.

21.30 – unser Zug rollt ein. Der powodni (Schaffner), der nur für unseren Waggon zuständig ist, prüft alle Tickets genau … wir dürfen einsteigen. Nach 5maligem Laufen hat Molle alles Gepäck ins Abteil geschafft. Eine gute halbe Stunde und einige Schweißperlen später kann man das Abteil sogar als gemütlich bezeichnen, ein Fahrrad haben wir ins Fach unter der Decke geklemmt, eines steht an der Garderobe, der Rest der Taschen lässt sich auch verteilen.

22.12 – wir rollen los. Noch zweimal schlafen und wir werden in Moskau eintreffen. Leider ist unsere Vorstellung davon durch diverse Horrorgeschichten in den letzten Stunden etwas getrübt worden: man soll nicht Taxi fahren wg. Ausraubung, man soll nicht radeln wg. zu gefährlich, man soll nicht Metro fahren wegen Schlitzdieben … ja sollen wir uns etwa am Bahnhof 2 Tage anbinden?? Vor allem würde das nichts bringen, weil wir am Sonntag dann von einem ganz anderen Bahnhof nach Kasachstan abfahren! Und Bahnhöfe sind ja auch bekannterweise die sichersten Orte, gell! Neenee, nicht verrückt machen lassen von irgendwelchen Erzählungen – das hat noch nie geholfen. Wir setzen wie immer auf: sicheres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit.

Der Zug rollt unterdessen gemütlich durch Polen. Wir haben sehr gut geschlafen, alles war ruhig, neben uns “wohnt” ein Ehepaar mit Sohn, in den anderen Abteilen auch gemischte Paare, Männer, Frauen, aber alle ganz zurückhaltend und unauffällig – so wie wir. Zum Frühstück konnten wir beim Schaffner kochend heißes Wasser holen und ein Kaffeetscherl brühen – nun lernen wir fleißig Russisch, Kasachisch und Chinesisch … na dann, bis bald.