03.08.2010 (k) Wildcamp bei Rollag – Wildcamp Kongsberg:  44 km, 320 Hm

Seit längerem ist es nicht mehr die glühende Hitze, die uns aus dem Zelt wirft. Meist ist es bewölkt, und die Sonne kann ihre frühe Kraft nicht entfalten. Stattdessen bringt uns das Klappern der benachbarten Zeltstangen auf Trab – doch um halb neun ist das keine Schande. Gestern haben wir einmal wieder unsere Pläne geändert. Für 11.8. haben wir ja bereits eine Fähre von Kristiansand nach Hirtshals gebucht, doch nun ist die Idee entstanden, diese verfallen zu lassen und übermorgen von Larvik nach Dänemark überzusetzen, um von dort bis Flensburg zu radeln. Da Renés Knie noch schmerzen und auch die anderen Muskeln bei Bergen eher schnell krampfen, wäre es eine Quälerei, sich von einem Fjell zum nächsten zu kämpfen. Wir wollen den Dicken zwar schinden, aber nicht quälen! Das flache Dänemark verspricht dann doch mehr Urlaubsgefühl und außerdem klingt das auch nach einer Mission: wir radeln nach Flensburg. Besser als: wir radeln jetzt noch 10 Tage ein paar Schleifen bis Kristiansand. Also, der Plan steht, was für unsere Truppe ja seit über 10 Jahren ein geflügeltes Wort ist, und wir können weiter dem Numedalslagen nach Süden folgen. Die Landschaft ist durchaus noch ansehnlich, aber nicht mehr so besonders, wie in den Fjellgebieten. Getreidefelder prägen wieder zunehmend das Bild, doch der dunkle Fluss und die kleine Straße, die sich an seinen Ufern auf- und abwirft, bringen Radelspaß. Mit der letzten laotischen Elektrolytpackung wird René noch gedopt, bevor die Muskeln kurz vor Kongsberg einfach nicht mehr wollen. Der „new Campsite of Kongsberg“, etwa 8 Kilometer vor der Stadt sieht eher verlottert aus. Außer ein paar verlassenen Wohnwagen und osteuropäischen Autos steht nicht viel herum und es ist auch niemand da. Laut Homepage kosten zwei Zelte allerdings fast 300 Kronen – wenn dann noch jemand (wie auf der Infotafel angeschrieben) am Abend zum Abkassieren kommt, wäre das ein Reinfall. Also wieder auf die Karte gegoogelt. Molle entdeckt eine wenige Kilometer entfernt liegende kleine Straße zum Fluss hin. Wir pockern und hoffen, dass es sich nicht um eine Zufahrt zu einem Privathaus handelt. Und unser „Risiko“ wird belohnt. Das Schottersträßchen ist für Autos mit einer Schranke versperrt, wir finden ein perfektes Wiesenplätzchen direkt am Ufer, gut versteckt und mit eigenem „Strand“. René darf gleich mit der Regeneration beginnen, Molle und ich düsen noch für den Großeinkauf in die Stadt. Wir bringen einen Einweggrill, Würstchen, Lachsfilet und Nachtisch. Molle verliert den Glauben an die Fähigkeiten des Grills und brät seine Würste in der Pfanne, doch eigentlich werden die Dinger mit etwas Geduld schon gut. Der Lachs allerdings sieht dann auch die Pfanne, denn er frisst sich in den Grillrost hinein, und wenn man ihn umdrehen würde, wäre danach wahrscheinlich nicht mehr viel vom leckeren Filet übrig. Ich rette ihn daher vom Rost und so bekommen wir noch eine leckere Fischhauptspeise mit Reis und „Lofoten Fiskesauce“. Beim Blick auf „unseren“ Fluss fühlen wir uns so richtig wohl und genießen das dritte Feierabendbierchen. Der Frühschläfer macht sich kurz nach 19.00 Uhr auf ins Zelt, und Molle und ich starten noch auf einen kleinen Spaziergang am Ufer entlang. Schon schön, das Numedal.