06.07.2010 (k) Stockholm – Mariefred: 77 km, 450 Hm

Auch wenn es noch viel zu sehen gäbe, verlassen wir die Hauptstadt, denn am liebsten sind wir ja auf dem Rad! Stockholm ist ebenfalls eine fahrradfreundliche Stadt, und so ist es gar kein Problem, nach Westen hinauszufahren. Wir kommen durch Vororte, die vor allem von Migranten bewohnt werden. Interessant ist die Tatsache, dass in bestimmten Stadtvierteln von Schwedens Großstädten ein Ausländeranteil von bis zu 99% ist. Das kommt einem Ghetto gleich. Insgesamt hat Schweden nämlich nur 9% ausländische Mitbürger. In Södertelje, einer Stadt westlich von Stockholm, beispielsweise, leben fast alle Aramäer, die aus dem Irak, der Türkei und Syrien nach Schweden geflohen sind. Wir lesen diese Informationen erst am Abend im Internet, nachdem wir uns gewundert hatten, so viele auf einmal dort zu sehen. Das lustigste dabei: es gibt offizielle Grillplätze an den Badeplätzen, die auf einem Fleck fünferlei betonierte Grills installiert sind. Mit unterschiedlichen Farben und einem aufgemalten Piktogramm darauf, geben sie an, was worauf gegrillt werden darf: Hühnchen, Schwein, Rind, Lamm, Gemüse. Gelebte Völkerverständigung. Und wahrscheinlich auf Großfamilien angelegt, denn wenn wir vier nun einen gewohnten Grillabend machen wollten, müssten wir mindestens drei Grills anschüren. Haben wir doch immer Gemüse und mindestens zwei Fleischsorten im Picknickkörbchen! Kurz nach der Stadt drehen wir eine kleine Extrarunde durch ein Skigebiet, da wir einer Radwegausschilderung und nicht Molles GPS-Linie folgen. Interessant war, dass man so nah an Stockholm Wintersport betreiben kann und es auf dem Campingplatz ganz kleine Einmannhütten gibt, doch als alle wieder „auf Linie“ sind, können wir weiter Land gewinnen. Beim Blick in die Karte stellt Uli fest, dass Schloss Gripsholm an unserer Strecke liegt. Na das wollen wir doch mit eigenen Augen sehen. Wir tauschen unser Etappenziel mit Mariefred, dem Ort von Schloss Gripsholm. Dahin führt uns noch eine tolle Strecke über Kleinststraßen und durch Wälder, die einfach nur so aussehen, wie man sich Schweden vorstellt.

Als wir eintreffen verlässt gerade eine chinesische Reisegruppe das Schlossgelände und natürlich wird wieder jeder vor allem geknipst. Das Innere ist schon geschlossen, doch uns genügt sowieso der Blick von außen, wobei der Weg durch den Innenhof noch geöffnet ist. Nun sollten wir nur noch das Buch vom Kurt lesen! Das holen wir am besten an einem dunklen Winterabend nach. Auf dem Weg zum Camping wird die Vor- und Nachspeise für unser Pastamahl eingekauft und wir statten dem Grab von Kurt Tucholsky noch eine Stippvisite ab. „Hallo Kurt“ – eine knorrige dicke Eiche bewacht das Grab des jungen Mannes (1890 – 1935).

Der malerische Campingplatz ist voller Deutscher und Holländer. Kein Wunder, dass der kleine Fernsehraum zum Halbfinale Holland gegen Uruguay überquillt. Zum Sieg der Holländer gesellt sich wieder die Sonne, die uns für ein paar Stunden im Regen stehen hat lassen, und alle sind glücklich.