08.11.2009 (k) – Tonghai – Jianshui: 93km, 700Hm

Die Region um den Fuxian Hu und der Autonome Bezirk Honghe, in den wir heute einfahren, ist der Lebensraum der ethnischen Minderheiten Yi, Hani. Außerdem sind auch viele Miao, Zhuang und Dai beheimatet, die alle über verschiedene Trachten verfügen und eigene Traditionen pflegen. Uns ist es aber nicht möglich, die einzelnen Gruppen auseinanderzuhalten, denn wir wissen nicht genau darüber Bescheid, woran man welche erkennt. Außerdem sind die Menschen, denen wir in den Dörfern begegnen, natürlich nicht ständig in ihrer Tracht gekleidet. Bei uns rennt ja auch nicht jeder immer im Dirndl und der Lederhose herum. Meist sieht man die typischen Kleidungsstücke am ehesten an alten Frauen, die wahrscheinlich nur über diese Kleider verfügen und noch nie versucht haben, sich in Jeans oder andere moderne Stücke zu zwängen. Relativ unwissend fahren wir also durch diese Gebiete. Es ist immer die Diskrepanz zwischen vorankommen und verweilen. Die nächsten 13 Tage müssen wir aber vorankommen, denn am 12.11. beginnt unser Vietnamvisum, und da sollten wir auch einreisen. Apropos vorankommen: die Strecke überrascht uns nach einem kurzen Anstieg auf den ersten 35 Kilometern mit einem Gefälle. Es geht an einem Fluss entlang und einen richtigen Pass hinunter. Tolle Blicke auf das Tal und die Felder in der Ebene können wir anstrengungslos genießen. Da die Verbindung auch von einer Autobahn bedient wird, ist heute kaum Verkehr auf der Straße 214. Wir passieren ein paar Dörfer, doch insgesamt ist im Vergleich zu gestern wenig los. Viele Häuser scheinen auch eher verlassen oder zumindest geschlossen. Das mag am starken Wind liegen, der hier von Süden bläst und Staub und Plastiktüten verbreitet. Die Dörfer sind allesamt weniger schmuck und herausgeputzt als in anderen Gebieten. Es liegt sehr viel Müll herum. Er wird einfach an die Straße gekippt. Der Wasserlauf, der zwischen Straße und Häusern plätschern sollte ist zu einer zähen, grau-grünen, bisweilen stinkenden Kloake verkommen. Eigentlich gibt es an den Ortseingängen manchmal so etwas wie einen offiziellen Müllplatz, doch das meiste liegt trotzdem über das ganze Dorf verteilt. Das einzig Positive, was ich daran finden kann, ist, dass die armen Wertstoffsammler noch etwas Hochwertiges (z.B. Plastikflaschen) finden können, wenn so viel herumliegt. Nach knapp 35km schmiegt sich die alte S 214 ganz nah an die Autobahn und folgt mehr oder weniger ihrem Verlauf bis nach Jianshui. Knapp 700 Höhenmeter müssen wir noch klettern, teilweise ist es richtig steil, doch da wir die Straße nur mit ein paar Fahrschulautos – die wohl auch die Ruhe suchen – teilen müssen, fährt es sich trotzdem gut. Molle hat sich gewünscht, um 15 Uhr anzukommen und das schaffen wir auch so gerade. Noch recht weit außerhalb checken wir in ein nagelneues Hotel ein, das uns den üblichen Komfort bietet. Im hellen und gemütlichen Zimmer machen wir uns sogleich über die Minibar her. Zwei Aufbrüh-Nudelsuppen und frisches Wasser und Tee kommen jetzt gerade recht! Die kleinen Dinge sind manchmal eine große Freude! Es bleibt heute sogar noch richtig Zeit für eine Stadtbesichtigung. Den Konfuzius-Tempel können wir sogleich auf die Liste der Sehenswürdigkeiten setzen, die wir – aufgrund unverschämt hoher Eintrittspreise – nur von außen betrachtet haben. Und mag es auch der zweitgrößte dieser Art in China sein. Das alte Stadttor aus der Tang-Zeit steht nun mittendrin und präsentiert sich im goldenen Abendlicht sehr ansehnlich. Die Stadt ist Teilen noch von alter Architektur geprägt, die man in China ja immer seltener findet. Außerdem sind auch viele neue Häuser im alten Stil erbaut. Auf dem Balkon eines solchen, im Qing-Stil erbauten, zweistöckigen Gebäude mit Holzbalkon und roten Balustraden lassen wir den Abend ausklingen. Gemütlich sieht es aus, mit seinen Holztischen und blauen Batiktischdecken sowie dem schummerigen Licht – ein ungewohntes Bild für chinesische Restaurants. Bald darauf quillt der kleine Holztisch vor Speisen über: wir genießen ein spargelähnliches Gemüse, das sogar mit einigen hiesigen Schinkenstückchen getoppt wird (ein typisches Jianshui-Gemüse angeblich), süß-saures Schweinefleisch mit Ananas, einen Teller voll süßlich schmeckendem Maisbrei und gebackene rote Bohnen. Macht zusammen mit Reis extrem satt und sollte uns morgen über den Pass bringen. In der Dunkelheit drehen wir noch eine unfreiwillige Extrarunde durch die doch recht große Stadt, bevor wir dann eben auf bekanntem Weg die 4km zurück zum Hotel düsen.

8Nov2009