06.01.2010 (k) – Pak Nam Noi – Oudomxai: 64 km, 750 Hm

Wie angedeutet war der Schlaf letzte Nacht nicht sehr erholsam. Molle hat Fieber bekommen und musste für eine Runde Durchfall aufs Klo. Trucks und andere Fahrzeuge hielten auch nachts vor unserer Herberge, es wurde palavert und geraucht, was über die offene, mit behelfsmäßig aufgezogenen Planen verdichtete Dachkonstruktion locker den Weg in meine Nase fand. Um sieben Uhr wollten wir aufbrechen, doch auch im Nachbarböxle wurde nicht gut geschlafen, die Geräusche von der Toilette klingen auch nicht so problemlos und so wird beschlossen, noch etwas Schlafzeit draufzupacken. Gegen halb zehn sind drei der Truppe startbereit, nur Molle hat noch immer Fieber und wirkt gar nicht fit. Gerade als wir überlegen, was wir nun tun könnten, fährt ein Minibus mit Gepäck und 6 Mountainbikes beladen vor. Der Fahrer ist auf dem Weg nach Luang Prabang und erklärt sich bereit, Molle bis Oudomxai für knapp 4 Euro mitzunehmen. Das Rad und sein Gepäck sind schnell verladen und weg ist er. So sind wir für heute zu dritt auf der Straße. Diese folgt über gut 40 Kilometer dem Fluss von gestern. Die Hügel an den Ufern werden häufig landwirtschaftlich genutzt, auch wenn wir nicht so recht erkennen können, was angebaut wird. Dieses Gebiet war eines von Laos größten Opiumanbaugebieten. In manchen Dörfern sieht man Schilder, die auf Projekte im „post opium“-Zeitalter hinweisen. Die Bergstämme müssen erst lernen, etwas anderes anzubauen, Nahrungsgrundsicherung ist vorrangiges Ziel. Die Dörfer sind wie immer voller Kinder, man hat sich schon sehr an das Winken und Lachen gewöhnt. Chilis und Getreide liegen zum Trocknen aus. Mit Bambusflößen werden auf dem kleinen Fluss schwer bepackte Säcke von einem Ufer zum anderen transportiert. Als wir eine kleine Dorfschule passieren, denken wir an unsere Bücher im Gepäck, die wir ja sinnvollerweise noch in Laos abgeben sollten. Wir betrachten die Einrichtung und haben das Gefühl, dass die beiden Lehrerinnen in den Bambushütten, die die Vorschule darstellen, sicher etwas mit den Schriften anfangen können. Sie sind erstaunt und überrascht, aber beim Wegfahren sehen wir, dass sie schon heftig in den Seiten blättern. 26 Kilometer vor dem Ziel legen wir eine Pause ein. Molle hat bereits Bescheid gegeben, in welches Gästehaus er eingecheckt hat und dass sein Fieber gestiegen ist. Ich beschließe, die restliche Strecke relativ zügig durchzufahren um eventuell noch einen Arzt mit ihm aufsuchen zu können. Landschaftlich beginnt jetzt ein reizvollerer, aber auch sehr hügeliger Teil. So richtig schnell bin ich also auch nicht. Gegen 16 Uhr treffe ich den Fieber-Molle im Zimmer an. Da man in den Tropen ja immer die „Malaria-Frage“ abklären muss, beschließen wir, das im Provinzkrankenhaus von Oudomxai zu versuchen. Ein Tucktuck bringt uns dorthin, der Fahrer bleibt die ganze Zeit dabei. Auch ihn scheint es zu interessieren, was mit dem Falang alles gemacht wird. Blutdruck, Puls, und dann ein Dengue-Fieber-Test: Abbinden des Oberarmes für längere Zeit. Wenn dann kleine Pünktchen auf dem Arm zu sehen sind, ist es Dengue-Fieber. Sind aber nicht zu sehen, somit gibt der junge Arzt – der immerhin ein paar Brocken Englisch kann – Entwarnung diesbezüglich. Dann geht es zum Blutabnehmen in einen anderen Raum. Eine freundliche Dame zapft – mit der von uns bereitgestellten Spritze (sicher ist sicher) – ein Röhrchen voll ab, macht einen Abstrich und verschwindet hinter der Tür mit dem Schild „Blood Center“. Eine gute halbe Stunde dauert die Analyse der Blutwerte – Hematozoaire (Malariaparasiten) negativ. Na dann hoffen wir mal, dass man sich darauf verlassen kann. Der Wert für die weißen Blutkörperchen ist zu hoch. Irgendeine Infektion wird es schon sein. Die Oberchefin schreibt daher noch ein Rezept mit zweierlei Breitbandantibiotika und Paracetamol – da wir aber alles davon dabeihaben – und Molle das wahrscheinlich nicht nehmen wird – ist das Rezept hinfällig. Dann gibt es eben noch eins für Elektrolytgetränke. Gut, die nehmen wir mit. Der Tuktukfahrer, der inzwischen eine Runde Boule spielen war, packt uns wieder auf sein Gefährt und bringt uns zurück zur Unterkunft. Dort verlangt er nochmals die gleiche Summe wie für die Hinfahrt und gibt dann noch weniger Wechselgeld heraus, weil er ja warten musste. Naja, ein Schlawiner, es hat ihn ja keiner gebeten! Die Kosten der ganzen Aktion einmal in der Gegenüberstellung: Fahrt zum 3 Kilometer entfernten Krankenhaus, warten und zurück: 70 000 Kip (5,60 Euro) Anamnese und ärztliche Behandlung mit Bluttest: 22 000 Kip (1,76 Euro) 5 Packungen Elektrolytgetränke: 12 000 Kip (0,96 Euro) In diesem Fall scheint der Beruf des Tuktukfahrers dem des Arztes vorzuziehen zu sein. Molle bleibt den Abend im Hotel und kocht ein paar Fertignudeln. Ich gehe mit Franzi und Philip essen und wir überlegen, wie es morgen weitergehen soll, denn Molle wird sicher einen Pausetag brauchen.