14.08.2010 (k)

Der Tag beginnt früh, schließlich müssen wir um kurz nach sieben am Hamburger Hauptbahnhof sein. René, der es bereits geschafft hat, seine nagelneue Sporttasche zu schrotten (“gequirlte, so ein billig verarbeitetes Teil!” – aber gut, mehr als reinpasst, passt halt nicht rein!), manövriert sein Gepäck noch bis zum Bahnhof in den Packtaschen, die dann aber Molle mit nach Hause nimmt. René tritt den Weiterweg zum Flughafen aber von hier sowieso mit der S-Bahn an. Wir haben noch etwas Zeit für einen Kaffee und die Verabschiedung. Der IC Hamburg-Berchtesgaden mit Kurswagen nach Oberstdorf rollt ein, es stehen schon viele Radler bereit, aber wir haben keine Bedenken, unsere Fahrradplätze sind reserviert – was mittlerweile (Lob an die Deutsche Bahn) sogar bei der Onlinebuchung möglich ist! Ein kurzer Wink hinauf zu René, der uns nachblickt, und schon sinken wir in unserem Abteil auf die alten Sitze. Jetzt geht es also nach Hause – ein Jahr ist vorbei – soll man da sentimental werden? Wir geben uns dazu keine Gelegenheit. Molle stürzt sich hinter die Zeitung, ich hinter den PC, um endlich mal einen “Urlaub” mit einem bis zum Ende geschriebenen Tagebuch zu beenden. Dies gelingt mir auch bis auf den heutigen Tag. Immerhin gibt es im Großraumabteil Steckdosen, was einem die Arbeit am PC auch über ein paar Stunden ermöglicht.

Immenstadt – der Blick aus dem Fenster ist vertraut, der zehnminütige Aufenthalt auch. Blaichach – wird nicht angefahren. Sonthofen – gespannt, ob sich doch jemand entgegen unserer “Forderung” zum Bahnhof aufgemacht hat, um uns zu empfangen. Und da sehen wir es schon, das Transparent auf Leintuch, an Rundhölzer getackert: “Wir heißen die Sabbatradler herzlich Willkommen!” steht darauf in schönsten bunten Buchstaben. Gehalten von meinen Eltern, Elli und Jürgen, deren Augen suchend die Zugtüren abscannen – aus welcher werden die Sabbatradler wohl nach über 12 Monaten fallen? Wir freuen uns über die Begrüßung und sind doch auch froh, dass sich einige Leute im Ankunftstag geirrt haben und erst morgen hier eintreffen wollten. Der Rest ist sowieso im Urlaub. Wir satteln ein letztes Mal für diese Reise auf – die 2,4 Kilometer bis zu unserem neuen und meinem alten Zuhause rollen die Reifen langsam. Froh, dass alles gut gegangen ist, das sollte sicher das dominante Gefühl in diesem Moment sein. Und dankbar, alles erlebt haben zu dürfen. Neben dem Geburtstag und dem Hochzeitstag ein weiterer Grund zu feiern! Keine Sentimentalitäten bitte! Wir werfen die Packtaschen in die Ecke und beginnen, die Kisten vom Dachboden zu schleppen. Heimwerker statt Fernradler – das heißt es für die nächsten Wochen. Doch die Perspektive ist klar: Sabbatjahr 2015/16!