17.05.2010 (k) Shanhaiguan

Regen. Seit genau zwei Minuten nachdem wir gestern Abend das Hotel betreten hatten. Zum Frühstück müssen wir nicht hinaus, da wir noch Muffins im Gepäck haben und Kaffee sowieso. Wir klicken uns durch den Vormittag. Durch den Mittag. Durch den Nachmittag. Draußen Regen. Noch immer, aber nicht mehr so stark. Also begeben wir uns hinaus. Man sieht nur grau – so ein richtiger Siff. Berge soll es hier in der Nähe geben – man kann es sich im Moment nicht vorstellen. Im China Mobile Laden versuchen wir unser Glück, eine neue Simkarte mit Internetpaket zu erwerben. Nach einem kurzen „deng yi xia“ (bitte kurz warten) wird aus den Katakomben eine englischsprechende Karrierefrau im blauen Kostüm hervorgelockt. Keine Viertelstunde später halten wir unser Wunschprodukt in den Händen – eine Aktion, die in Jinghong mehrere Anläufe und Stunden gedauert hatte. Wow. Wo sind wir denn hier gelandet? Ist die Nähe zu Peking und die Tatsache, dass es sich um ein Touristengebiet handelt auf diese Art spürbar? Wir haben ja gleich gar nicht mehr das Gefühl, im uns bekannten China zu sein! Allerdings beteuert die junge Frau, dass sie fast alles vergessen hätte, von ihrem Englisch, das sie auf der Uni gelernt hat, weil sie es hier jahrelang kaum gebraucht habe. Ihr Englisch sei nicht gut. Naja, Auslegungssache, denken wir. Um noch etwas Bewegung zu haben durchstreifen wir kurz die Altstadt innerhalb der Stadtmauern, die auch einen Teil der Großen Mauer bilden. Altstadt ist hier auch wieder so ein trügerischer Begriff: zum einen einfache Häuser und solche, die kaum noch die Bezeichnung verdienen im typisch chinesisch-ländlichen Stil, zum anderen ein großer Teil neu gefertigter Häuser im auf Plakaten angepriesenen „ancient style“, die noch meist leerstehen. An einer Ecke steht das Tor zu einem alten Wachtturm offen und ich schleiche an den Wachposten vorbei, die in einem Hüttchen hocken und in der Nase bohren. Molle folgt erst ein paar Minuten später, da er sich noch an einer Tafel über die Preise informiert, die verlangt werden, wenn hier geöffnet ist und wird prompt aufgehalten. Böse schauen die Wächter, und reiben ihre Finger und den Daumen aneinander – das hier kostet gefälligst und ist jetzt geschlossen. Ich komme wieder heruntergelaufen und frage unschuldig, ob wir denn morgen die Chance haben, das hier zu besichtigen. Ja, ab 7 Uhr antworten die beiden und ihre Gesichter hellen sich auf. „Die kann Chinesisch“, sagen sie lachend. Naja, Auslegungssache, denken wir.

Zeit zum Abendessen überzugehen. Wir probieren ein neues Lokal aus. Ah, hier haben wir doch wieder das bekannte Chinagefühl: die Verbindung eines Gerichts (Schweinefleischstreifen mit Zwiebeln) mit noch einer Zutat aus der Auslage (Zucchini) gelingt nicht. Selbstverständlich kommen zwei Teller: einmal das bestellte Schweinefleisch mit Zwiebeln und einmal Schweinefleisch mit Zucchini. Die Portionen sind auch hier ungewohnt riesig und stellen uns zusammen mit den gefühlten vier Rühreiern mit Tomate vor erneute Herausforderungen. Als wir zurück zum Hotel kugeln, regnet es noch immer. Ein gemütlicher Tag.