22.10.2009 (k) – Ruhetag

Etwas für die Arme wollen wir heute tun. Wer hierbei an Paddeln im Einbaum auf dem Lugu Hu denkt hat weit gefehlt: Die Sonne brennt vom Himmel – das schreit nach Wäschewaschen. Damit ist auch schon der Vormittag erzählt. Das Shangri-La bietet den idealen Platz dafür. Wir spannen die Leine quer über die Wiese vor unserem Bungalow und die Augen des sich in dieser Nachsaison-Atmosphäre nicht gerade überarbeitenden Chefaufpassers werden mit jedem Stück, das wir herausbringen größer. So viel passt also in diese kleinen roten Taschen? Als wir uns gerade in unseren Campingsesseln von der Hausarbeit erholen, ruft es von drüben: „Chi fan, chi fan!“ (Essen kommen!). Auf dem Tisch stehen Reis, ein grünes, scharf gewürztes Gemüse und eine Schüssel voller Suppe mit Hühnerteilen und Pilzen. Koch, Chefaufpasser und wir picken daraus bis wir satt sind – ein bisschen Smalltalk (über die Party, die hier unüberhörbar letzte Nacht um halb 3 stattgefunden hat und über die Route von morgen), ein Zigarettchen in Ehren. Richtig gemütlich ist es hier. Fast…

… wären da nicht noch diese zwei Esel, die schon wieder dreckig und mit etwas ratternden Schaltungen provokant vor der Hütte stehen! Damit ist der Nachmittag auch schnell erzählt. Drei Stunden an der Schaltung herumgeschraubt und –gedreht, bis sie wieder so einigermaßen schlecht läuft wie vorher (sorry Richie, aber wir werden’s wohl nie lernen!), dann nimmt sich Molle noch der Putzaktion an, ich hüpfe derweil kurz in den See. Angenehme Alpseetemperatur und das auf 2700m Höhe!

Als es zu dämmern beginnt machen wir uns frisch für den Besuch im nahe gelegenen Restaurant. Noch einmal bestellen wir eine doppelte Portion Sichuan-Kartoffeln – wer weiß wie lange wir diese perfekt gebratenen, scharf gewürzten Streifen noch bekommen! Morgen überfahren wir ja schon die Grenze zur Provinz Yunnan. Schweinefleisch mit Paprika, gebratener Spinat, Reis anbei.  Mit zwei Bierchen in der Hand sitzen wir danach auf der Mauer am See und beobachten, wie sich die Berge immer mehr in schwarze, mächtige Silhouetten verwandeln, wie das Gelb des Himmels sich verdunkelt, wie der Mond – obgleich er nur eine Sichel ist – seine Stellung im Zentrum über dem Wasser einnimmt und die Wellen ab und zu mit einem Blitzen sein Licht aufleuchten lassen.