04.02.2010 (m) – Ruhetag in Jinghong

Die Ruhe und Gemütlichkeit dieser chinesischen Stadt hat uns ganz schön überrascht, und zwar positiv. Die palmengesäumten Straßen, die vielen einladenden Cafés, das ruhige und besonnene Auftreten der Menschen, die warme Luft, die noch bis spät abends zwischen den Häusern hindurchweht. Ok, wenn man sich der Stadt aus der Ferne nähert, schwant einem Böses. Das staubige Umland, wo die Chinesen mal wieder weiß Gott was bauen, die vielen Strommasten, die die angrenzenden Hügel durchziehen, die Hochhäuser und Kräne, die schon von weitem aufragen. Aber wie gesagt, im Inneren entfaltet sich eine kleine chinesische Perle. Wir fühlen uns gleich so wohl hier, dass Yunnans Berge noch ein paar Tage auf uns warten müssen. Die Ruhe (!) im und ums Hotel lässt uns auch genüsslich am Hotelfrühstück vorbei schlafen, so dass der Brunch – nach dem zugegeben etwas aufwendigen Kauf einer neuen chineischen Handykarte (was muss ich auch ein Ineternet-Paket dazubuchen wollen) – im gemütlichen MeiMei-Café steigt. Hier gibt es sehr guten Kaffee, leckeres Essen, viele Informationen und nur nette Leute! Die Zeit vergeht wie im Fluge, während wir so essen, planen, einem chinesischen Kellner ein paar deutsche Worte lernen, Leute beobachten…schon bricht der Abend herein und wir drehen noch eine Runde mit den Rädern durch die Außenbezirke Jinghongs. In den kleinen Gassen geht es schon gleich viel chinesischer zu! Ein kleiner Weg führt uns auf einen Damm hinter dem wir den Fluss vermuten – falsch geraten: Staub, LKW, Baustelle! Wir lassen uns ein wenig einstauben während wir so entlangrollen, zurück in die Stadt. Jenseits der großen, neuen Hängebrücke findet sich aber dann doch eine kleine Uferpromenade mit vielen Bars, die im chinesischen Stil aus Holz errichtet sind. Leider beginnen mit Einbruch der Dunkelheit an den Giebeln und Firsten bunte Lichter entlangzulaufen, während selbige an den Hängebrückenpfeilern auf und ab rennen. Was soll da der beständig leuchtende Streifen sagen, der die Brücke in der gesamten Länge regenbogenfarbig erstrahlen lässt? Einzig die vielen roten Lampions passen hierher. Dennoch ist es natürlich angenehm hier (denn wer, außer Matthias R., lässt sich denn von ein bisschen Geschmacksverirrung die Laune verderben), das importierte dunkle Beer-Lao mundet und auch die chinesischen Gäste sind glücklich.
Zurück im Herzen der Stadt versorgt uns das thai-chinesische Restaurant mit ebensolchen Leckereien. Einzig die vielen doch sehr jungen Bedienungen in ihren bunten Kleidchen können einem ob des vielen Betriebs Leid tun. Ihre hübschen Gesichter sehen müde aus, die Augen starren ins Leere, wie sie da auf den kleinen Hockern ein bisschen Ruhe suchen, bevor der nächste gegrillte Fisch, die nächste Tom Kha Gai oder das Rindfleisch mit Ingwer an die hungrigen Mäuler verteilt werden muss.