02.08.2010 (k) Roedberg – Wildcamp Nähe Rollag: 55 km, 550 Hm

Zwei Bh-Brustverdicker, zwei Bufftücher, Kopftücher mit Leuchtklettbändern befestigt – das waren so die Materialien, mit denen wir gestern Abend noch versucht haben, Kniewärmer für René zu bauen. Die besten Kniewärmer aus Neopren, die er besitzt, sind natürlich in … Kanada. Wie auch sonst alles. Da kommt uns wieder das Lied in den Sinn: „Nimm alles mit, reiß alles raus, …. Aber mein Herz bleibt hier. … Die schönsten Dinge der Welt gibt es ohne Geld!“ („Mein Herz bleibt hier!“ von Madsen). Ja jedenfalls sind Kniewärmer nötig, damit das nach einer Etappe bereits sehr schmerzende Knie, das wohl gestern mit zu viel Kälte gereizt wurde, wieder erholt. Mit der Kopftuchvariante starten wir jedenfalls von Roedberg, zuerst nur bis zum Kiwi-Supermarkt, um ein ausgiebiges Frühstück mit gebrutzelten Eiern und allem, was dazu gehört, folgen zu lassen. Am späten Vormittag geht es dann los, zum Teil auf der Straße 40, aber meistens auf der gut ausgeschilderten Radroute, am Norefjord entlang, das Numedal hinaus. Das Wetter ist wieder gut, es hat sich gelohnt, den Zugsprung nach Osten zu wagen. René ist noch nicht in einer ruhigen Stimmung. Meist fährt er viel zu schnell voraus, was nach spätestens 40 Kilometern dazu führt, dass seine Muskeln zu krampfen beginnen. Da er ständig sehr viel Magnesium einwirft, dies aber keine Wirkung zu zeigen scheint, haben wir ihm einen Natriummangel bescheinigt. Gut, dass ich noch Elektrolytgetränkepulver aus Laos im legendären, die Reise über immer vollen, aber meist nicht gebrauchten „Foodrucksack“ mitführe. Schwupps wird ihm das Zeug einverleibt. Zu jeder Speise gibt es jetzt außerdem eine Extraportion Salz für ihn. In Flesberg kaufen wir ein und füllen alle Wassergefäße und den –sack auf, um für ein Wildcamp gerüstet zu sein. Denn anstatt auf einem halbscharigen Platz Unsummen für zwei Zelte zu zahlen, von denen eines so klein ist, dass es im anderen, das auch nicht sehr groß ist, locker Platz finden könnte, kaufen wir lieber mehr zu essen. Nach 53 km biegt René ab und lässt sich auf ein frisch gemähtes Stoppelfeld am Ufer des Lagen fallen. Er ist begeistert vom Camp „mitten in der Natur“ – mit Fluss, Bergen vorn und hinten. Molles Gesicht hingegen könnte nicht länger sein – die Bezeichnung „absoluter Scheißplatz“ könnte nicht gegensätzlicher sein. Klar, aus wildcamptechnischer Sicht ist dem zuzustimmen, denn die Zelte auf dem Feld sind von der keine 100 Meter entfernten Hauptstraße über einen Kilometer lang voll einsehbar. Molle googelt kurz in seiner elektronischen Mappe und beschließt, noch ein paar Kilometer zu fahren, um einen besseren Platz zu finden. René und ich kochen derweil ein Teechen, doch schon beim ersten Schluck ereilt uns die Sms: „3 km weiter, links an der Straße“. Das geht doch noch. Molle steht schon zur Einweisung bereit. Am gleichen Flussufer, nur eine Terrasse tiefer und hinter Bäumen und Gebüsch stellen wir uns auf die ebene Fläche eines Areals, auf dem die rostigen Steckdosenpfosten noch von besseren Zeiten als offizieller Campingplatz erzählen. Ein Sprung in den Fluss und er Einsatz der „Outdoordusche“, die schon seit Anfang an ungenützt im Gepäck schlummert bringen alle zu alter Frische. Tagliatelle „tricolore“ kümmern sich um den inneren Wiederaufbau. Wir quatschen uns noch durch den Abend und dann finden alle Schlaf, auf einem wunderschönen, kostenfreien Platz für zwei Zelte.