10.04.2010 (m) – Inselrundfahrt auf Shodoshima

Die schnell ansteigende Wärme im Zelt und die Helligkeit, die durch unser gelbes Überzelt dringt, weist untrüglich darauf hin: Es muss schönes Wetter sein. Und tatsächlich, nachdem der Zipper des Regendaches geöffnet ist, blicken wir zwei auf das Meer, das von einem stahlblauen Himmel überspannt wird! Das weiche Grün unseres Zeltplatzes lädt zum Frühstück. Aus unseren Therma-Rest-Sitzen heraus genießen wir die morgendliche Stärkung, die aus ein paar Hörnchen und Milchkaffe besteht. Da die Wettervorhersage allerdings nicht so berauschend ist und wir das Topwetter nicht erwartet haben, brechen wir rasch zu unserer geplanten Inselrunde auf. Nicht, dass wir so lange der Sonne beim Frühstück frönen, bis sie hinter einem Wolkenberg verschwunden ist.

Zunächst folgen wir der Küstenstraße, die leicht hügelig verläuft. Immer wieder bieten sich herrliche Ausblicke auf die japanische Inlandssee und deren darin verstreute Inselchen. Obwohl die Sonne nach wie vor über (und mit uns) lacht, zeigt sich der bisweilen recht forsche Wind noch ziemlich kalt. Gut 20 Kilometer rollen wir also am Panorama vorbei, bis wir Òbe erreichen, von wo laut Karte ein schön kurviges Passsträßchen quer über die Insel führen soll. Wir erhoffen uns eine lauschige Passfahrt, die endlich einmal nicht von Autos und anderem vierrädrigem Verkehr gestört werden soll. Und so ist es glücklicherweise dann auch. Etwa 750 Höhenmeter schraubt sich die Straße am Hang entlang hinauf und abgesehen von einem Bus und einem Auto sind keine Vierräder unterwegs. Dafür aber ein paar andere Zweiräder, motorisiert. Auch die hiesige Motorradgemeinde hat die Insel wohl für sich entdeckt. Aber gottseidank hält sich der Andrang in Grenzen und wir können ziemlich ungestört kurbeln. Wir schwitzen sogar! Einerseits ist es ordentlich steil, andererseits entwickelt die Sonne doch schon ganz schön Kraft – wie bei uns im Frühling eben. Wir stoppen oft, um die wunderbare Aussicht aufs Meer genießen zu können und ein paar Schlucke Wasser zu tanken. Kurz vor der Passhöhe, die unvermeidliche „Jausestation“, die wir aber rechts liegen lassen. Am wirklichen Pass, kein Schild, kein Platz, keine Aussicht. Wir fahren gleich weiter, bis zu einem Abzweig, wo wir auf dem Sockel eines Verkehrsschilds einen geeigneten Platz finden unser mitgebrachtes Sandwich aus dem Kombini zu verdrücken. Auch Kekse und Nüsse geben verlorene Energie zurück. Der Wind bläst kühl und wir packen uns in alle Klamotten ein, die wir mitgebracht haben. Solange bis uns fröstelt bleiben wir noch sitzen und lassen unsere Blicke über die Inlandssee schweifen. Langsam ziehen auch die angekündigten Wolken auf. Wir machen uns auf die Socken und rauschen die zwölf Kilometer nach Kusakade hinunter. Die Motorradgang ist den Pass in der gleichen Zeit dreimal gefahren…

Im Ort ziehen wir fast plündern durch den Supermarkt und decken uns mit Leckereien für das Abendessen ein. Fast wie zu Hause. Die Regale quellen über und man kann sich kaum entscheiden, was man am liebsten essen würde. Die Wahl fällt auf Mapo-Dofu, Auberginen-Paprika-Gemüse mit Reis und Joghurt zum Nachtisch. Es ist ziemlich mild, so dass wir in Ruhe vor dem Zelt kochen und essen können.

10April2010