17.10.2009 (k) – Leshan – Emeishan: 45km, 130 Hm

25 km entfernt  von Leshan liegt der Ort Emeishan, am Fuße des Berges, von dem er den Stadtnamen wohl hat. Der Emei Shan liegt an der Übergangszone vom Sichuan-Becken zum Qinghai-Tibet Hochland und ist mit 3099m Höhe hier eine stattliche Erhebung. Außerdem – oder „vor allem“ würde manch einer sagen – gehört der Berg zu den 4 großen buddhistischen Bergen Chinas und ist sehr heilig.  Diese Heiligkeit bedeutet aber in unseren Augen vor allem eines: Touristenansturm und hohe Eintrittspreise. Vielleicht klingt es verbohrt, bei so einer langen Reise überhaupt darüber nachzudenken, aber uns schrecken die 15 Euro Eintritt (p. P.) für den Berg ab. 30 Euro zahlen um 2 Tage durch den Nebel über Treppenstufen einen Dreitausender zu erklimmen oder auf der Kraftfahrstraße 50km bis fast zum Gipfel zu radeln? Das steht in keinem Verhältnis. Zumal viele der über 100 Tempel am Berg zu Unzeiten zerstört wurden und die Tempel uns natürlich auch gar nicht so viel bedeuten. Emeishan dient uns vielmehr als Abfahrtsort: mit dem Zug wollen wir morgen von hier nach Xichang fahren, von wo wir dann weiter nach Westen, bis Lijang radeln möchten. Im Wissen um die Kürze der „Etappe“ verlassen wir Leshan erst mittags, nach ausgiebigem Ausschlafen, weiteren Internet-Vietnamplanungen und einem großen Teller la-mian: scharfe Knusperhackfleischnudeln.

17Okt2009

Von Leshan bis Emeishan ist die Straße sehr breit und hat zudem noch einen abgegrenzten Tucker-Streifen – man fährt also wie auf einem europäischen Radweg entlang. Die Sonne dringt trotz vieler Wolken zu uns hinunter und man spürt das subtropische Klima. Am Ortseingang von Emeishan befindet sich der Bahnhof und ich versuche heute auf eigene Faust, die Zugtickets für morgen zu ergattern, was in etwa folgendermaßen abläuft:

Anstehen, doch die Schlange ist überraschenderweise gar nicht lange, hier ist wenig los.

„Wir möchten gerne morgen nach Xichang, gibt es Schlafwagenplätze?“

„Gibt es – wie viele?“ „Zwei. Aber wir haben auch zwei Fahrräder, können wir die mitnehmen?“

„Nein, geht nicht.“ „Aber wir haben auch Taschen für die Fahrräder. Wir könnten sie einpacken.“ „blablabla….“ (nix versteh), telefonier…. „Bitte mal kurz warten“

Mittlerweile ist doch eine Schlange hinter mir. Die Schlange wird vorgezogen.

“Blablabla…(nix versteh)…Kann ich mal die Tasche sehen, ich will wissen wie groß die ist.“ „Tasche sehen? Ja gut, ich geh sie holen.“

Ich gehe hinaus zu Molle, hole eine der bike-Taschen. Mittlerweile ist eine etwas größere Schlange da, die noch bedient wird. Ich zeige die Tasche.

„Ah, nee, die ist zu groß, das geht nicht….blablablablablabla (nix versteh) … telefonier….“ „Aber ich könnte ja auch drei Tickets kaufen, dann legen wir die Räder auf ein Bett und haben noch zwei für uns.“ „Bus hi … geht nicht … blablablabla … (lauf weg, telefonier, Schlange wächst)…dann müsst ihr zur tuoyun…“ Fertig. Weiter wird die Schlange bedient.

Hm, „tuoyun?“ – ah, mein Wörterbuch sagt mir gerade, dass das die Gepäckannahme ist. Nun kommt auch eine weitere Bedienstete gelaufen, die wohl gerufen wurde. Ich frage, ob der Zug einen Gepäckwagen hat und sie bejaht. Sie führt mich zur Gepäckannahme und erklärt, dass wir die Räder dann morgen hier aufgeben müssen. Nun solle ich aber Tickets kaufen.

Gut. Zurück in die Schlange – jetzt ist sie besonders lang und das Ende bin ich.

Warum nicht gleich so? Oft ist es etwas kompliziert in China, weil zu viel geredet wird. Keiner versucht einmal, etwas einfach zu erklären. Das würde ich ja verstehen, steigen wir nochmals oben in den Dialog ein:

–          „Zwei. Aber wir haben auch zwei Fahrräder, können wir die mitnehmen?“

–          „Ja klar. Aber die müssen in den Gepäckwagen. Draußen links könnt ihr sie abgeben, das kostet ein wenig.“

Wär doch so einfach gewesen. Naja, vielleicht hätte ich direkt nach einem Gepäckwagen fragen sollen. Das nächste Mal weiß ich es. Jetzt kaufe ich zwei Tickets für den Schlafwagen (bis jetzt denke ich noch, dass ich „weich-liegen-Klasse“ kaufe, aber später stellen wir fest, dass es wohl doch „hart-liegen-Klasse“ ist. Der Unterschied besteht darin, dass es sich bei Weichliegen um 4er-Abteile handelt, die man zumachen kann. Bei Hartliegen handelt es sich um einen Großraumwagen mit Pritschen, der ist natürlich viel beengter und nicht so komfortabel. Aber für eine Nacht, wird es wohl passen.

Die Karten-Aktion hat eine gute Stunde gedauert. Ich denke, da sind wir für chinesische Verhältnisse eigentlich noch gut weggekommen. Da es noch nicht spät ist, fahren wir 6km bis zum Beginn des Emei-Mountain-Bereichs, um dort ein Hotel zu suchen. Da hier heiße Quellen sind, denke ich, man könnte sich ja mal etwas mit Blubberwasser gönnen. Doch das Ganze übersteigt unseren Luxuswillen. Die billigsten Zimmer im Emeishan-Hotel beginnen bei 700 Yuan, stolze 70 Euro. Das muss nun wirklich nicht sein. Wir verlassen den Edel-Shan Bereich und fahren wieder hinunter in die Stadt und checken in die Suite des Villa-Hotels für 20 Euro ein. Weniger edel geht es hier wohl kaum.