07.04.2010 (m) – Himeji: 42km, 150Hm

Ein feines Tommeln auf dem Zeltdach verkündet Sprühregen. Zusammen
mit der kalten Luft, die unsere Nasen so feucht und kühl macht wie
eine gesunde Hundeschnautze, ergibt sich die optimale
Weiterschlafstimmung. Der Wecker wird also noch auf ein paar
Extrarunden geschickt. Gegen 9 Uhr sind wir dann soweit, uns aus den
warmen Schlafsäcken zu schälen und uns in die feucht-kalten
Radklamotten zu packen. Glücklicherweise ist es jetzt trocken und wir
bekommen alles ebenso in unsere Packtaschen. Ein schöner Platz ist das
schon hier, im Wald an einem rauschenden Bächlein. Nur ein paar Grad
wärmer dürfte es halt sein. Aber wer Kirschblüten sehen will, der
muss nun mal Japan anfangs April bereisen und da ist mit warmen Brisen
noch nicht zu rechnen.
Wir biegen wieder auf die 372 nach Himeji ein und werden sogleich von
den ersten chromglänzenden Schwerlastern empfangen. Die Straße ist
nach wie vor in gutem Zustand, aber leider einen Tacken zu schmal.
Kündigt sich im Spiegel eines der Gefährte an, bleibt erneut nur das
Stoppen am Fahrbahnrand, um das Ungetüm passieren zu lassen. Der
Himmel ist wolkenverhangen und der Wind scharf und kalt. Am ersten
sich bietenden Kombini wärmen wir uns an heißer Suppe und
Brühkaffee, den wir mit Hefeteilchen versüßen. Ja, die
Versorgungslage könnte besser nicht sein. So richtige Fahrfreude kommt
nicht auf, zu unwirtlich das Wetter, zu rege der Verkehr. Bleibt nur
die Freude auf den nächsten Kombini (diesmal 7-Eleven), der heißen
Kakao, Reis mit Hühnchen und einen Muffin bereitstellt. Kurz später
weist uns das GPS darauf hin, doch bitte gleich links abzubiegen,
wartet doch einige hundert Meter von hier der Campingplatz. Nein
danke, offen hat auch dieser sicher nicht und stadtnah kann man ihn
sowieso nicht nennen. Also wagen wir es, mit dem japanischen Roadatlas
(Touring Mapple) einen anderen Platz anzusteuern. Wir können der Karte
entnehmen, dass er ein wenig am Hang liegt. Ein schmales Sträßchen
führt dann auch entlang eines kleinen Flüsschens, an blühenden
Kirschen vorbei, bergan. Der unterdessen eisige Wind ergibt mit
schweißnassem Hemd keine angenehme Kombination! Zu unserem Erstaunen
brennt im Büro ein kleines Lämpchen und der “Platzhirsch” spricht
sogar ein wenig Englisch. Das wir bei der Saukälte zelten wollen,
scheint ihn nicht zu überraschen. Wahrscheinlich sind auch nur wir so
verfroren. Japaner laufen ja schon seit wir auf der Insel sind mit
kurzen Hosen um uns herum! Trotzdem sind wir die einzigen Gäste und
die 440¥ bleiben wohl der gesamte Tagesumsatz für das freundliche,
japanische Männlein hier. Flux errichten wir unseren Tempel und
hüllen uns in Wolle, Flies, Soft- und Hardshell. Wir sausen nochmal in
die Stadt hinab, um uns in einem Café aufzuwärmen und ein paar
Einkäufe zu machen. Herrschaft, ist das kalt!! So war das nicht
abgemacht. Wir hoffen inständig, dass das nur eine kleine Kaltfront
ist, die morgen dem japanischen Frühling umgehend wieder Platz macht!

07April2010