05.05.2010 (m) – Unzen – Nagasaki: 50km, 400Hm

Die Dichte der vorbeifahrenden Autos erhöht sich, es ist hell – ein Blick auf die Uhr bestätigt den Verdacht: Es ist 7 Uhr. Zeit, unseren Parkplatz zu räumen. Nicht, dass der Hund, der nachts um 3 an unserem Gepäck geschnüffelt hat, seine Freunde holt. Schnell sind unsere Habseligkeiten verpackt, unter den gestrengen Augen der ersten Frühraucher auf den Balkonen des gegenüberliegenden Hotels. Wir sind guten Mutes, schließlich ist es warm, der Himmel blau und es liegt eine Abfahrt ins Tal vor uns. Zuerst aber muss gefrühstückt werden, was mittels Getränke- (und damit Kaffeeautomat) und kleinem Lebensmittelladen problemlos gelingt. Inmitten eines dampfenden und nach Schwefel stinkenden Feldes genießen wir unsere Stärkung. Auf das Kochen eines Eies, die eine geschäftstüchtige Frau im Körbchen anbietet, im Stinkwasser, verzichten wir. Wir stürzen uns lieber in die doch ziemlich steile Abfahrt, die uns dem noch gut 60 Kilometer entfernten Nagasaki näher bringen soll. Ein paar schöne Ausblicke auf den Mount Unzen, den Vulkan, der 1991 wild um sich gespuckt hat und dabei 43 Menschenleben und die Evakuierung von 12 000 Menschen forderte, bieten sich uns. In der warmen Morgensonne ist heute aber alles ruhig. Ziemlich steil und rasant geht es den Berg hinab, somit sind die gestern erkämpften Höhenmeter schnell egalisiert. Ein Pit-Stopp beim Kombine bringt Reisrollen und einen Burger in unsere Mägen, womit wir uns für den sehr hügeligen Streckenverlauf bis in den Zielort gerüstet fühlen. Mittels GPS haben wir wieder mal eine Route gebastelt, die uns von der stark befahrenen Hauptstraße wegführen und auf Schleichwegen nach Nagasaki leiten soll. Dies gelingt auch, nur entpuppt sich die ruhigere Route als eher mühsam, was bedeutet, dass man von 0 auf 200m und wieder zurück auf 0m fahren muss. Dann beginnt das Spiel von Neuem. Wir fahren zwar gerne die Berge hoch und runter, jedoch verzichten wir hier bei der aufkeimenden Hitze auf die Fleißbildchen. Auch die Hauptroute ist ja nicht flach. Extreme Steigungsspitzen schneidet aber schonmal ein Tunnel ab. Mehrere Zufahrtswege und eine Schnellstraße fangen dann auch zunehmend rollendes Blech ab und wir erreichen Nagasaki gegen Mittag doch relativ entspannt. Auf den ersten Blick sehen wir eine typisch japanische Stadt mit viel Nachkriegsarchitektur. Auf den zweiten Blick erspähen wir aber den Hafen, den angrenzenden Park, die Hafenpromenade und die Arkaden im Einkaufszentrum – und schon steigt Nagasaki zum ansehnlichsten und gemütlichsten Ort unserer Japanreise auf. Das herrlich warme Wetter nutzen wir im Park dazu, an den Fahrrädern zu basteln (Katrins Hinterrad erhält unter anderem einen neuen Schlappen). Stärker werdende Windböen und hässliches Grau kündigen wohl den Regen von morgen an. Die Familien nutzen den Feiertag (Tag der Manneskraft der Jungen oder sowas) im Park, lassen Segelflieger segeln, Fuß- und Basebälle sausen und nervige Hunde meist im Viererpack kläffen. Insgesamt geht es ruhig zu und dies unterstreicht den Eindruck, den wir von der Stadt bekommen haben. Natürlich ist der Name Nagasaki untrennbar mit dem Abwurf der Atombombe verbunden. Im August 1945 taucht der Flieger am Himmel auf und bringt den Tod über insgesamt 150 000 Menschen! Nagasaki bekommt den “Vorzug” vor einer Stadt im Nordosten Kyushus, da dort zum Zeitpunkt des geplanten Abwurfs zu dichter Nebel herrscht. Wir versuchen uns vorzustellen, wie Generäle über Karten hängen, planen, beraten, kalkulieren und schließlich den Befehl geben. Wir sitzen auf der Hafenmauer und blicken in die Richtung, in er die Bombe explodierte. Keine zwei Kilometer von uns entfernt….Interessant, dass ausgerechnet die USA, die als einzige jemals Atombomben warfen, heutzutage große Reden schwingen, wer eine Bombe haben darf und wer nicht, wer verantwortungsbewusst genug ist und wer nicht. Möchte man sich im Zweifelsfall darauf verlassen, dass nicht wieder ein amerikanischer Präsident den Befehl zum Abwurf gibt? Selbstverständlich nur, um amerikanische Interessen zu schützen!
Unser Weg führt uns durch die Arkaden, wo wir ein bisschen Nahrung und Getränke kaufen und dann zum Internetcafé, wo es für uns die beste und preiswerteste Übernachtungsmöglichkeit in Japan gibt. Heute mit riesigem Duschraum und weichen Schlafmatten vor unseren beiden PCs – ohne Musikberieselung und mit gedämpftem Licht. Dazu volle 12 Stunden Aufenthaltsgenehmigung. Und das für 20 Euro pro Nase. Wir sind dabei.

05Mai2010