05.06.2010 (m) Liulimiao – Huanghuachan: 63 km, 1050 Hm
Was soll denn diese seltsame Überschrift? Wir haben auf unserer Reise mittlerweile einige Hauptstädte bereist und dabei stets festgestellt, dass diese Metropolen besonders herausgeputzt sind, moderner, die Uhren hier anders ticken als im Rest des jeweiligen Landes. So kam es zu den Aussagen: Vientiane ist nicht Laos, Almaty ist nicht Kasachstan, Moskau ist nicht Russland und nun eben Peking ist nicht China. Besonders letzteres hätten wir so nicht erwartet. Aber, seit wir die Provinz Beijing erreicht haben:
• stehen Mülltonnen am Straßenrand, die zudem sogar benutzt werden
• sind entlang der Straße immer wieder großzügige Rastlätze angelegt, die aufwendig und schön gestaltet sind
• begegnen uns auf Passstraßen Mountainbiker, Rennrad-, Motorrad- und Sportwagenfahrer
• sitzen ganze Familien mit Quechua-Zelt, Klappstühlen und Co im Grünen (jawohl, das gibt es hier im Pekinger Umland) und picknicken
• sprechen auffallend viele Chinesen ein bisschen Englisch
• passiert man sehr viele Resorts, Parks und Sehenswürdigkeiten (was daran liegt, dass hier wirklich sehr viel sehenswert ist und womöglich auch daran, dass eine breitere Schicht der Gesellschaft etwas mehr Geld und vor allem sowas wie Freizeit hat!)
Trotz all dieser zivilisatorischen „Fortschritte“ existiert hier deutlich sichtbar eine Parallelgesellschaft, die aus den offensichtlich nicht so Privilegierten, den Abgehängten, besteht. Da hackelt direkt neben der Ferienanlage eine ganze Familie in ihrem kleinen, staubigen Feld, um dem Boden ein paar Ernteerträge abzutrotzen, da sitzen immer wieder in kleinen Haus-Zelten fleißige Imker, die ohne jede Schutzkleidung zwischen den Kästen umherwuseln und ihre Arbeit verrichten. Auf einer Leine hängt die Babywäsche der Tochter. Auf einem wackeligen Tischchen thronen dann drei Plastikfläschchen Honig oder Met, die auf Abnehmer warten. Der Mann im schwarzen Audi ohne Nummernschild kann die Waren bei seiner Geschwindigkeit aber leider gar nicht sehen. Trotzdem wirken die Menschen auch hier zufrieden und freuen sich immer herzlich, wenn die Langnasen vorbeikeuchen und ab und an auf ein Schwätzchen anhalten. Da stellt uns das alte Männlein stolz den jüngsten Spross der Familie vor, da versucht uns ein anderer wackerer Landwirt mit Strohhut und Harke den Weg zu weisen, obwohl wir gar nicht gefragt haben, da sitzen die Dorffrauen wurschtelnd vor einem Berg Eier vor ihrem Krämerladen und lachen sich scheckig, weil da zwei bunte Radler stehen und fünf Liter Wasser, vier Suppen, zwei Bier und einen Liter Grüntee in ihre Taschen stopfen. Wir sind froh, dass es das Landleben auch hier noch gibt, es hat so viel Gemütlichkeit. So auch im Weiler Liulimiao, in dem wir letzte Nacht übernachtet haben. Das leckere Abendessen, serviert vom Dorfkoch, mit einem stolzen Strahlen in seinen Augen, hat uns gleich dazu veranlasst zu fragen, ob er auch Frühstück anbietet. Na logo. Also dann, bis morgen. Leider gähnt uns um 8 Uhr eine leere Teigschüssel an, die Gasflasche wird gerade abmontiert. Die letzte Ladung frittierte Fettfladen landet in der Plastiktüte eines qualmenden Chinesen. Tja, nichts mehr da. Was nun? Wir kramen zwei Fertigsuppen aus unserer Tasche, die in der Küche für uns zubereitet werden, dazu zaubert die Kochmannschaft noch 30 Jiaoze. Das genügt. Als wir fast fertig sind, stoppt ein LKW vor dem Laden, drei Männer entsteigen diesem und ordern Frühstück. Was die drei zu essen bekommen erfahren wir nicht mehr, dafür kommen die Getränke sofort: zwei Liter Cola, eine Flasche Bier und eine Flasche Schnaps. Uns schwant Fürchterliches, als der erste sich einen Zahnputzbecher voll Schnaps einschenkt und das Bier zischen lässt. Will uns dieses Gefährt auf der Straße später wieder überholen? Wir atmen auf, als die beiden anderen zum Cola greifen. Ob es dabei bleibt – wir wissen es nicht.
Unser Weg führt uns heute zunächst ein Stück nach Westen, ehe wir in Südrichtung wechseln und endgültig auf Peking zusteuern, wo unsere Radtour durch Asien in wenigen Tagen enden wird – für dieses Mal! Sanft steigt die von Bäumen gesäumte Straße am Fluss entlang an, die Landschaft ist wieder mal fast südeuropäisch, zusammen mit dem Wetter steigt sofort das Sommerurlaub-Gefühl in uns auf. Auch sind die Straßenränder so schön sauber, es wirkt nicht wie China. Immer mehr nähern wir uns dem Talende, eine blitzsaubere Passstraße führt uns schließlich aus diesem hinaus, nochmal hinauf auf über 1000m. Der Himmel ist, wie schon in den letzten Tagen, extrem diesig. Die steil aufragenden Berge in unmittelbarer Nähe bilden aber auch schon eine herrliche Kulisse für eine herzerwärmende Radetappe. Manchmal wirken die fahlen Bergriesen im Hintergrund, die nur schemenhaft erkennbar sind, sogar interessanter, etwas geheimnisvoll. Außer uns, ein paar Audi-Rasern und einer kleinen Motorrad-Clique möchte heute keiner hier fahren, was die Fahrt auch verkehrstechnisch genussvoll macht. Eine kurze Abfahrt später erreichen wir Sihai, wo wir bei einem verdutzten Krämer mit der coolsten „ich-kämme-meine Rest-Haare-über-die Stirn-dass-es-so-aussieht-als-hätte-ich-noch-volles-Haar-Frisur“ unsere Getränkevorräte auf und stürzen uns in den nächsten Pass. Nach einem etwas halbstündigen Kampf gegen die fiese Steigung und den Gegenwind stärken wir uns mal wieder an Fertigsuppe, um den Passanstieg zu meistern. Der kommt dann aber gar nicht mehr, fünf Minuten nach der Pause sind wir oben. Was folgt ist dafür aber eine richtig tolle Abfahrt, 600 Höhenmeter sausen wir auf wundervollen Kehren nach unten. Die Bergkulisse war die letzten zwei Tage wirklich eindrucksvoll und hat uns an zahlreichen Stellen an Südostasien, und hier vor allem Nordlaos, erinnert. Das Wetter hat sich von seiner besten Seite präsentiert und auch die Menschen am Wegesrand und in den Dörfern haben uns nochmal gezeigt, warum wir China so gerne mögen.
Wir erreichen am frühen Nachmittag Huanghua, das an einem Stausee liegt. Am Ende des Sees laufen von beiden Seiten steile Bergrücken zusammen, auf denen, wie im China-Bildband, die Chinesische Mauer thront. Wow. Das ist ein Anblick. Es ist Samstag, was bedeutet, dass einige Pekinger auch den Weg hier heraus gefunden haben, um ihr Wochenende zu genießen. Einige Hotels sind auch schon ansässig geworden, so dass wir mit der Zimmerfindung keine Probleme haben. Wir wählen das recht neue Haus einer uigurischen Familie. Besonders der Hausherr hat ein unvergleichliches Strahlen im Gesicht, das noch an Brillanz gewinnt, als wir im erzählen, dass wir auch in Urumqi gewesen sind. Alle sind extrem bemüht und wir fühlen uns gleich wohl. Das Abendessen nehmen wir einen Steinwurf entfernt in einem Freiluftrestaurant ein, in dem es so richtig brodelt. Direkt angeschlossen ist eine Fischzucht. Keine Frage, dass Fisch DIE Speise Nummer eins ist. Wir stehen trotzdem nicht so drauf und ordern andere Leckereien. Ein kleiner Verdauungsspaziergang führt uns noch am See entlang, wo zahlreiche Chinesen auf kleinen Stühlchen sitzen und angeln. Als die Sonne untergeht, kehrt gerade ein Sammeltrupp des Restaurants von einer Seerunde zurück. Sie sind mit Säcken und Keschern ausgestattet und tragen sechs volle Säcke Müll zurück zum Haupthaus. Wir trauen unseren Augen nicht. Hier findet tatsächlich regelmäßig eine Müllsammlung statt. Offensichtlich sind sich die Besitzer hier ihrem Kapital, der Sauberkeit des Sees, bewusst. Wie ich schon sagte: Peking ist nicht China! Und China nicht Peking. Noch nicht…

05.06.2010 (m) Liulimiao – Huanghuachan: 63 km, 1050 Hm
Was soll denn diese seltsame Überschrift? Wir haben auf unserer Reise mittlerweile einige Hauptstädte bereist und dabei stets festgestellt, dass diese Metropolen besonders herausgeputzt sind, moderner, die Uhren hier anders ticken als im Rest des jeweiligen Landes. So kam es zu den Aussagen: Vientiane ist nicht Laos, Almaty ist nicht Kasachstan, Moskau ist nicht Russland und nun eben Peking ist nicht China. Besonders letzteres hätten wir so nicht erwartet. Aber, seit wir die Provinz Beijing erreicht haben: • stehen Mülltonnen am Straßenrand, die zudem sogar benutzt werden • sind entlang der Straße immer wieder großzügige Rastlätze angelegt, die aufwendig und schön gestaltet sind • begegnen uns auf Passstraßen Mountainbiker, Rennrad-, Motorrad- und Sportwagenfahrer • sitzen ganze Familien mit Quechua-Zelt, Klappstühlen und Co im Grünen (jawohl, das gibt es hier im Pekinger Umland) und picknicken • sprechen auffallend viele Chinesen ein bisschen Englisch • passiert man sehr viele Resorts, Parks und Sehenswürdigkeiten (was daran liegt, dass hier wirklich sehr viel sehenswert ist und womöglich auch daran, dass eine breitere Schicht der Gesellschaft etwas mehr Geld und vor allem sowas wie Freizeit hat!)Trotz all dieser zivilisatorischen „Fortschritte“ existiert hier deutlich sichtbar eine Parallelgesellschaft, die aus den offensichtlich nicht so Privilegierten, den Abgehängten, besteht. Da hackelt direkt neben der Ferienanlage eine ganze Familie in ihrem kleinen, staubigen Feld, um dem Boden ein paar Ernteerträge abzutrotzen, da sitzen immer wieder in kleinen Haus-Zelten fleißige Imker, die ohne jede Schutzkleidung zwischen den Kästen umherwuseln und ihre Arbeit verrichten. Auf einer Leine hängt die Babywäsche der Tochter. Auf einem wackeligen Tischchen thronen dann drei Plastikfläschchen Honig oder Met, die auf Abnehmer warten. Der Mann im schwarzen Audi ohne Nummernschild kann die Waren bei seiner Geschwindigkeit aber leider gar nicht sehen. Trotzdem wirken die Menschen auch hier zufrieden und freuen sich immer herzlich, wenn die Langnasen vorbeikeuchen und ab und an auf ein Schwätzchen anhalten. Da stellt uns das alte Männlein stolz den jüngsten Spross der Familie vor, da versucht uns ein anderer wackerer Landwirt mit Strohhut und Harke den Weg zu weisen, obwohl wir gar nicht gefragt haben, da sitzen die Dorffrauen wurschtelnd vor einem Berg Eier vor ihrem Krämerladen und lachen sich scheckig, weil da zwei bunte Radler stehen und fünf Liter Wasser, vier Suppen, zwei Bier und einen Liter Grüntee in ihre Taschen stopfen. Wir sind froh, dass es das Landleben auch hier noch gibt, es hat so viel Gemütlichkeit. So auch im Weiler Liulimiao, in dem wir letzte Nacht übernachtet haben. Das leckere Abendessen, serviert vom Dorfkoch, mit einem stolzen Strahlen in seinen Augen, hat uns gleich dazu veranlasst zu fragen, ob er auch Frühstück anbietet. Na logo. Also dann, bis morgen. Leider gähnt uns um 8 Uhr eine leere Teigschüssel an, die Gasflasche wird gerade abmontiert. Die letzte Ladung frittierte Fettfladen landet in der Plastiktüte eines qualmenden Chinesen. Tja, nichts mehr da. Was nun? Wir kramen zwei Fertigsuppen aus unserer Tasche, die in der Küche für uns zubereitet werden, dazu zaubert die Kochmannschaft noch 30 Jiaoze. Das genügt. Als wir fast fertig sind, stoppt ein LKW vor dem Laden, drei Männer entsteigen diesem und ordern Frühstück. Was die drei zu essen bekommen erfahren wir nicht mehr, dafür kommen die Getränke sofort: zwei Liter Cola, eine Flasche Bier und eine Flasche Schnaps. Uns schwant Fürchterliches, als der erste sich einen Zahnputzbecher voll Schnaps einschenkt und das Bier zischen lässt. Will uns dieses Gefährt auf der Straße später wieder überholen? Wir atmen auf, als die beiden anderen zum Cola greifen. Ob es dabei bleibt – wir wissen es nicht.Unser Weg führt uns heute zunächst ein Stück nach Westen, ehe wir in Südrichtung wechseln und endgültig auf Peking zusteuern, wo unsere Radtour durch Asien in wenigen Tagen enden wird – für dieses Mal! Sanft steigt die von Bäumen gesäumte Straße am Fluss entlang an, die Landschaft ist wieder mal fast südeuropäisch, zusammen mit dem Wetter steigt sofort das Sommerurlaub-Gefühl in uns auf. Auch sind die Straßenränder so schön sauber, es wirkt nicht wie China. Immer mehr nähern wir uns dem Talende, eine blitzsaubere Passstraße führt uns schließlich aus diesem hinaus, nochmal hinauf auf über 1000m. Der Himmel ist, wie schon in den letzten Tagen, extrem diesig. Die steil aufragenden Berge in unmittelbarer Nähe bilden aber auch schon eine herrliche Kulisse für eine herzerwärmende Radetappe. Manchmal wirken die fahlen Bergriesen im Hintergrund, die nur schemenhaft erkennbar sind, sogar interessanter, etwas geheimnisvoll. Außer uns, ein paar Audi-Rasern und einer kleinen Motorrad-Clique möchte heute keiner hier fahren, was die Fahrt auch verkehrstechnisch genussvoll macht. Eine kurze Abfahrt später erreichen wir Sihai, wo wir bei einem verdutzten Krämer mit der coolsten „ich-kämme-meine Rest-Haare-über-die Stirn-dass-es-so-aussieht-als-hätte-ich-noch-volles-Haar-Frisur“ unsere Getränkevorräte auf und stürzen uns in den nächsten Pass. Nach einem etwas halbstündigen Kampf gegen die fiese Steigung und den Gegenwind stärken wir uns mal wieder an Fertigsuppe, um den Passanstieg zu meistern. Der kommt dann aber gar nicht mehr, fünf Minuten nach der Pause sind wir oben. Was folgt ist dafür aber eine richtig tolle Abfahrt, 600 Höhenmeter sausen wir auf wundervollen Kehren nach unten. Die Bergkulisse war die letzten zwei Tage wirklich eindrucksvoll und hat uns an zahlreichen Stellen an Südostasien, und hier vor allem Nordlaos, erinnert. Das Wetter hat sich von seiner besten Seite präsentiert und auch die Menschen am Wegesrand und in den Dörfern haben uns nochmal gezeigt, warum wir China so gerne mögen.Wir erreichen am frühen Nachmittag Huanghua, das an einem Stausee liegt. Am Ende des Sees laufen von beiden Seiten steile Bergrücken zusammen, auf denen, wie im China-Bildband, die Chinesische Mauer thront. Wow. Das ist ein Anblick. Es ist Samstag, was bedeutet, dass einige Pekinger auch den Weg hier heraus gefunden haben, um ihr Wochenende zu genießen. Einige Hotels sind auch schon ansässig geworden, so dass wir mit der Zimmerfindung keine Probleme haben. Wir wählen das recht neue Haus einer uigurischen Familie. Besonders der Hausherr hat ein unvergleichliches Strahlen im Gesicht, das noch an Brillanz gewinnt, als wir im erzählen, dass wir auch in Urumqi gewesen sind. Alle sind extrem bemüht und wir fühlen uns gleich wohl. Das Abendessen nehmen wir einen Steinwurf entfernt in einem Freiluftrestaurant ein, in dem es so richtig brodelt. Direkt angeschlossen ist eine Fischzucht. Keine Frage, dass Fisch DIE Speise Nummer eins ist. Wir stehen trotzdem nicht so drauf und ordern andere Leckereien. Ein kleiner Verdauungsspaziergang führt uns noch am See entlang, wo zahlreiche Chinesen auf kleinen Stühlchen sitzen und angeln. Als die Sonne untergeht, kehrt gerade ein Sammeltrupp des Restaurants von einer Seerunde zurück. Sie sind mit Säcken und Keschern ausgestattet und tragen sechs volle Säcke Müll zurück zum Haupthaus. Wir trauen unseren Augen nicht. Hier findet tatsächlich regelmäßig eine Müllsammlung statt. Offensichtlich sind sich die Besitzer hier ihrem Kapital, der Sauberkeit des Sees, bewusst. Wie ich schon sagte: Peking ist nicht China! Und China nicht Peking. Noch nicht…

05Juni2010