09.02.2010 (k) – Pausetag in Simao

Simao ist auf der Landkarte gesehen in gewisser Weise ein Verkehrsknotenpunkt. Ach Schmarrn, das stimmt so gar nicht. Aber eine Straße würde hier weggehen, nach Osten. Auf der könnten wir in vielleicht 10 Tagen bis Yuanyang radeln und die berühmten Reisterrassen bewundern, die dort besonders zahlreich und eindrucksvoll sind. Nachteil: wir stehen danach tief unten im Tal des Roten Flusses, genau dort, wo wir vor 2 Monaten bereits waren und müssen auf relativ gleicher Strecke hinauf nach Kunming fahren. Zweiter Nachteil: wir fahren quer zu ungefähr 9 Bergrücken, die dem Himalaya davongelaufen sind. Nicht, dass wir plötzlich Berge meiden möchten, doch nach einiger Überlegung verwerfen wir die Idee. All die Anstrengung „nur“ wegen ein paar Reisterrassen – naja, und wahrscheinlich einer wunderbaren Landschaft und Dörfern voller interessanter Menschen?

Trotzdem sind wir heute noch nicht ausgeglichen. Die Routenplanung, die wir eigentlich in Jinghong als abgeschlossen betrachtet hatten, bewegt uns doch noch. Wir sind nicht ganz zufrieden mit dem Plan, bis Xiaguan (Neu-Dali) zu fahren und von dort einen Zug nach Kunming zu nehmen. Eigentlich ja kein schlechter Plan, aber erstens waren wir schon dort und zweitens – was viel entscheidender ist – der Zeitpunkt ist denkbar schlecht. Es träfe genau das Chinesische Neujahr. Kein anderes Fest weltweit lähmt ein Land dermaßen wie dieses Fest China.  Offiziell haben alle drei Tage lang frei. Und da es sich um ein Familienfest handelt, fahren alle zurück in ihre Heimatdörfer – nicht nur 200 Millionen Wanderarbeiter aus den Metropolen der Ostküste ziehen gen Westen und dann wieder zurück. 1,5 Milliarden Einzelreisen, vor allem in Zügen, heißt es. Da ist uns das Risiko zu hoch, tagelang in Dali zu sitzen und auf ein Transportticket zu warten. Wir spielen verschiedenste Alternativen durch, direkt nach Kunming zu radeln – doch selbstverständlich bedeutet das immer, Durchquerung des tief eingeschnittenen Tales des Roten Flusses. Oder wir radeln von Dali nach Kunming – wir haben den Tipp bekommen, dass diese Strecke entlang der alten Burmastraße auch sehr attraktiv sein soll. Und wo wollen wir dann überhaupt noch hin – bzw. lautet die Frage eher: Auf welche Gebiete können wir auf dieser Reise verzichten? Die Qual der Wahl – das sind so die Sorgen der Sabbatradler, gell!

Puh – Stunden und eine kleine Stadtrundfahrt sowie ein paar Xiaobaozi später haben wir für uns eine Lösung gefunden. Eine vorläufige wahrscheinlich, denn Pläne sind da, geändert zu werden!

Und, wen interessiert das jetzt? Niemanden wahrscheinlich. Aber mehr gibt es von heute leider nicht zu berichten.

 Achja, vom Essen könnte ich noch schreiben. Aber ich spar es mir. Ich erkläre nur noch den Jumbo-Nudeltopf, den hier alle (außer uns, denn die Köche leisten wirklich hervorragende Arbeit, was leckere Gerichte angeht) essen: Man bekommt eine mit Suppe gefüllte Schüssel von der Größe einer Salatschüssel vor sich hingestellt. Dazu je nach dem, wie viel man ausgeben will, eine Platte mit allerlei Köstlichkeiten (Wurstscheiben, rohen Schinken, Kräuter, eingelegtes Gemüse, Eidotter, Fleisch, Zwiebeln, usw.) und einen Reisnudelberg von der Größe eines Handballs. Am Tisch wird alles sofort in die Brühe gegeben und los geht’s. Wir sind erstaunt. So eine große Portion würde sogar unter Radlerfreunden schwer zu schaffen sein.